Montag, 25. August 2008

Spanien trauert um Madrider Verunglückte:
Gedenkfeiern im ganzen Land für 154 Opfer

  • Zustand der Überlebenden bleibt weiterhin kritisch
  • PLUS: Erneuter Zwischenfall mit Spanair-Flugzeug

Spanien trauert um die Opfer des Flugzeugsunglücks von Madrid: Im ganzen Land fanden am Sonntag Gottesdienste zum Gedenken an die 154 Getöteten statt. In der Almudena-Kathedrale von Madrid wurden Gebete für die Todesopfer und die Überlebenden gesprochen, hunderte Menschen trauerten gemeinsam mit den Angehörigen. 18 Überlebende der Katastrophe wurden derweil noch im Krankenhaus behandelt, der Zustand von drei Patienten wurde als kritisch bis sehr kritisch beschrieben.

Besonders schlecht ging es einer 44 Jahre alten Frau, die möglicherweise einen Hirnschaden erlitt. Auch zwei weitere Patienten lagen auf der Intensivstation: ein 57-jähriger Mann mit schweren Kopfverletzungen und eine 54-jährige Frau mit Verletzungen am Oberkörper. Andere verletzte Passagiere erholten sich dagegen nach Krankenhausangaben gut. Einer könne bald entlassen werden.

Die Zahl der Todesopfer hatte sich vor kurzem auf 154 erhöht: Eine 31-jährige Frau, die Verbrennungen an 72 Prozent ihres Körpers erlitten hatte, erlag ihren Verletzungen. Ihr Ehemann kam bei dem Unglück ums Leben, ihr sechsjähriger Sohn überlebte. Etwa 55 Todesopfer wurden bislang identifiziert. Einige verbrannten bis zur Unkenntlichkeit und müssen mit Hilfe von DNA-Proben identifiziert werden.

Papst betet für betroffene Familien
Papst Benedikt XVI. würdigte die Opfer des Flugzeugunglücks und ihre Angehörigen. Nach dem traditionellen Sonntagsgebet sagte Benedikt in seiner Sommerresidenz in Castel Gandolfo vor spanischen Pilgern, er fühle mit den Angehörigen. Er bete dafür, dass die Familien Stärke, Trost und Hoffnung fänden.

Im Rahmen der Untersuchungen zur Unglücksursache befragten Ermittler den Mechaniker, der die Unglücksmaschine zum Start freigegeben hatte. Er war nach Angaben der Fluggesellschaft Spanair damit betraut, ein Problem mit einem Temperatur-Messgerät zu überprüfen, das am Mittwoch zum Abbruch des ersten Startversuchs geführt hatte. Die Tageszeitung "El Pais" berichtete, der Techniker habe versichert, dass es sich um eine kleinere Störung gehandelt habe. Aus Kreisen von Spanair verlautete, man kenne die Einzelheiten der Aussage nicht, doch sei das mechanische Problem keinesfalls die Ursache des Unglücks.

Das Unternehmen hatte zuvor erklärt, der Mechaniker habe das Messgerät ausgeschaltet. Dies sei ein übliches Vorgehen, da das Gerät nicht unbedingt benötigt werde.

Plante Spanair Austausch der Maschine?
Eine Überlebende sagte der Nachrichtenagentur AP, die Maschine der Spanair habe nur langsam an Höhe gewonnen und sei dann plötzlich zur Seite gekippt. Weiter erklärte Ligia Palomino Riveros, nach dem Abbruch eines ersten Startversuchs sei sie davon ausgegangen, dass die Fluggesellschaft die Maschine austauschen werde. So seien zwei Busse vorgefahren, von denen sie angenommen habe, dass sie die Passagiere zu einem Ersatzflugzeug bringen sollten.

Palomino Riveros brach sich bei dem Unglück ein Bein und eine Rippe. Auch ihr Ehemann überlebte, dessen ebenfalls mitgereiste Schwester kam ums Leben. Sie erinnere sich an panische Schreie und die Stimmen von Rettungshelfern, die in dem Wrack nach Überlebenden gesucht hätten, sagte die Überlebende.

Spanische Zeitungen berichteten, nach dem ersten technischen Problem hätten Passagiere das Flugzeug verlassen wollen. Dies sei aber von Besatzungsmitgliedern nicht erlaubt worden. Palomino Riveros erklärte dagegen, nur ein Passagier sei wegen der Verspätung sichtlich verärgert gewesen. Sie habe nicht bemerkt, dass viele Passagiere auszusteigen versucht hätten. (apa/red)

25.8.2008 11:30