76 Opfer bei Angriff in Afghanistan getötet:
Ministerium spricht von tragischen Unfall
- Experten aus Kabul sollen diesen Vorfall untersuchen
- Der Unmut in der Bevölkerung steigt immer mehr

Bei einem Luftangriff der US-geführten Koalition sind nach Angaben des afghanischen Innenministeriums insgesamt 76 Zivilisten getötet worden, darunter zahlreiche Frauen und Kinder. Der Angriff soll sich in einem Dorf im Distrikt Shindand in der westlichen Provinz Herat ereignet haben. Das Innenministerium, dessen Einschätzung zufolge es sich um einen "nicht beabsichtigten Unfall" gehandelt habe, habe zehn Experten aus Kabul in die Region entsandt, um den Vorfall zu untersuchen.
Die US-geführten Koalitionstruppen hatten in einer zuvor verbreiteten Mitteilung erklärt, US-Soldaten und afghanische Truppen hätten bei Gefechten in der Region Shindand 30 Aufständische getötet, darunter einen Kommandanten der radikalislamischen Taliban. Der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Zahir Azimi, bestätigte den Vorfall. Er sprach von fünf getöteten Zivilisten.
Unmut in der Bevölkerung
Zivile Opfer bei Operationen ausländischer Militärs in Afghanistan sorgen für zunehmenden Unmut in der Bevölkerung. Die Regierung von Präsident Hamid Karzai und die Vereinten Nationen (UNO) haben die internationalen Truppen bereits mehrfach zu größerer Vorsicht aufgerufen. Erst Mitte Juli waren bei einem US-Luftangriff auf eine Hochzeitsgesellschaft in der ostafghanischen Provinz Nangarhar 47 Zivilisten getötet worden, darunter 39 Frauen und Kinder.
Unterdessen starben bei einem Bombenanschlag in der südlichen Unruheprovinz Kandahar drei kanadische Soldaten der Internationalen Schutztruppe ISAF. Wie afghanische Medien unter Berufung auf das kanadische Militär am Freitag berichteten, wurde ein weiterer Soldat bei der Explosion des am Straßenrand versteckten Sprengsatzes verletzt. Die NATO-geführte ISAF in Kabul bestätigte den Vorfall, der sich bereits am Mittwoch ereignete. Kanada hat etwa 2.500 Soldaten in Afghanistan stationiert.
Nördlich von Kabul wurden zudem drei italienische ISAF-Soldaten durch eine Bombe verletzt. Ihre Verletzungen seien nicht schwerwiegend, berichteten italienische Medien unter Berufung auf Militärkreise in Kabul. Der Sprengsatz sei explodiert, als ein italienischer Trupp Begleitschutz leistete.
180 tote Soldaten
Seit Jahresbeginn sind in Afghanistan mehr als 180 ausländische Soldaten ums Leben gekommen. Erst zuvor waren in der Provinz Ghasni drei polnische ISAF-Soldaten bei einer Minenexplosion getötet worden.
Zu Wochenbeginn starben zehn Franzosen bei Kämpfen außerhalb von Kabul. Nun soll das Parlament in Paris über den Militäreinsatz abstimmen. Premierminister François Fillon wolle Ende September eine Debatte mit anschließendem Votum abhalten, teilte die Regierung am Freitag mit. Zuvor hatten mehrere Politiker eine Abstimmung gefordert, unter ihnen auch der frühere konservative Regierungschef Edouard Balladur und der ehemalige Kulturminister Jack Lang. Einer Umfrage zufolge ist gut die Hälfte der Bevölkerung für einen Abzug der französischen Soldaten aus Afghanistan.
(apa/red)
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