Dienstag, 19. August 2008

43 Todesopfer und 40 Verletzte in Algerien: Schlimmster Selbstmordanschlag seit Jahren

  • Auto raste in Gruppe überwiegend junger Kadetten
  • Bisher bekannte sich noch niemand zu der Attacke

Bei einem der verheerendsten Selbstmordanschläge in Algerien sind 43 Menschen getötet und rund 40 weitere verletzt worden. Der Attentäter raste mit einem sprengstoffbeladenen Wagen in eine Polizeischule in einer östlich von Algier gelegenen Stadt. Die überwiegend jungen Opfer der Explosion warteten vor dem Gebäude, um sich für eine Anstellung bei der Polizei zu bewerben.

Niemand bekannte sich zunächst zu dem Terroranschlag. Der Verdacht fiel aber umgehend auf die Gruppe Al Kaida im Maghreb, die für zahlreiche Attacken in den vergangenen anderthalb Jahren verantwortlich gemacht wird. "Es ist ein Blutbad", sagte ein Sicherheitsbeamter.

Schlimmster Anschlag seit Jahren
Die Polizeischule in Les Issers 60 Kilometer östlich der Hauptstadt sei ein sensibles Ziel gewesen, weil vor dem Tor so viele Polizeianwärter versammelt gewesen seien. Nach der Explosion wurden die Straßen um die Wache im Umkreis von drei Kilometern abgeriegelt, das Mobilfunknetz brach zusammen.

Der Anschlag war einer der tödlichsten der vergangenen Jahre. Im Dezember wurden bei einer Doppelexplosion 41 Menschen getötet, darunter 17 UN-Mitarbeiter. Im April vergangenen Jahres kosteten koordinierte Selbstmordanschläge auf Regierungssitze in der Hauptstadt 33 Menschen das Leben.

Erst am Sonntag waren bei einem Angriff mutmaßlicher islamischer Extremisten zwölf Menschen getötet worden, wie algerische Medien berichteten. Die Attacke 500 Kilometer östlich von Algier galt demnach dem Militärkommandanten der Region. Die Opfer, acht Polizisten, drei Soldaten und ein Zivilist, seien getötet und anschließend enthauptet worden, berichtete die Zeitung Al Watan.

Seit 2000 enormer Anstieg der Attacken
Zu zahlreichen Attacken bekannte sich die Al Kaida im Maghreb, die aus der Salafistischen Gruppe für Predigt und Kampf (Groupe Salafiste pour la Prédication et le Combat, GSPC) hervorging. Deren bewaffnetem Aufstand waren in den 90er Jahren 200.000 Menschen zum Opfer gefallen.

Anfang des neuen Jahrtausends ebbte die Gewalt zunächst erheblich ab. Nach dem sich die GSPC 2006 umbenannt und sich dem internationalen Terrornetz Al Kaida angeschlossen hatte, stieg die Zahl der Anschläge wieder drastisch. Die meisten Attacken richten sich gegen die Sicherheitskräfte. (apa/red)

19.8.2008 14:46