Orange-Roter Kampf um Kärntner Landtag:
Kopf-an-Kopf Rennen bei Dörfler und Rohr
- Kärnten wählt am 1. März neue Landesregierung
- ÖVP, FPÖ und Grüne üben sich in Oppositionspolitik

Am 1. März werden die sprichwörtlichen Karten in Kärnten wieder neu gemischt. Die Ära Haider hinterlässt dem zukünftigen Landeshauptmann eine Fülle an Herausforderungen mit enormer ökonomischer wie auch parteipolitischer Brisanz. Höchste Pro-Kopf-Verschuldungen, flaue Tourismus-Aussichten trotz Großoffensive der Kärnten Werbung und ein Landeskrankenhaus Neu, das Millionen verschlingt.
Die Wahl zum Kärntner Landtag kann als richtungweisend tituliert werden, wenn auch bei näherer Betrachtung die Möglichkeiten für Wählerinnen und Wähler begrenzt erscheinen. Entweder ein Bündnis Zukunft Österreich, das in letzter Zeit eher durch unpassende Witze aufgefallen ist und nicht durch das weltmännische Charisma eines Staatsmannes von Format. Oder die Sozialdemokratische Partei mit Reinhart Rohr als Spitzenkandidaten, der durch die Resignation von Gaby Schaunig-Kandut in die erste Reihe geschwemmt wurde und eine Sachpolitik nach Faymannschem 5-Punkte-Plan verfolgt.
Oppositionspolitik
ÖVP, Grüne und FPÖ können in dem jahrzehntelang durch die SPÖ dominierten und in den letzten 20 Jahren von Jörg Haider eingenommenen südlichsten Bundesland nur die Fahne der Opposition hochhalten. Die ÖVP setzt mit ihrem Kandidaten Josef Martinz voll und ganz auf die wirtschaftlichen Stärken der Partei. Ihm bleibt aber kaum Spielraum, die nationalen Parteien fühlen sich stark verankert, der ÖVP fehlt es an eigenen Visionen und Ideen.
Wiedervereinigung von BZÖ und FPÖ?
Im Gegenzug dazu kennt FPÖ-Mann Mario Canori, der sich den Parteigepflogenheiten gemäß MCanori nennt, nur ein Ziel: Die Wiedervereinigung aller Freiheitlichen unter dem Dach der FPÖ. Der Grüne Rolf Holub hat in Kärnten kein leichtes Pflaster. 2004 in den Landtag gewählt, gilt es die 6,7 % der letzten Wahl und somit die zwei Sitze zu verteidigen. Das Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Dörfler und Rohr ist hierbei weniger dienlich, könnten Wechselwähler im letzten Moment aus taktischen Gründen doch noch zur SPÖ tendieren.
Im Gegensatz zur Landtagswahl in Salzburg verspricht das Kärntner Pendant ein richtiger Wahlkampfkrimi zu werden. Zu hoffen ist nur, dass es neben einem politischen auch zu einem gesellschaftlichen Wandel kommt, sprich, ökonomische Verbindungen über die Landesgrenzen hinaus, unabhängige Kontrollpolitik, kulturelle Freiheiten und mehr Platz für Bildungseinrichtungen und deren Angebote.
(Philip Dulle)
