Jörg Haider will nur als Kanzler nach Wien:
Könnte sich H.C. Strache als Vize vorstellen
- Mögliche Zusammenarbeit BZÖ-FPÖ nach NR-Wahl
- "Jede Lösung lieber als Fortsetzung Großer Koalition"

·Cap: "Die Zeit von Haider ist vorbei"
SPÖ, Grüne und FPÖ zum
BZÖ-Spitzenkandidaten
·Schlagabtausch bei Haider gegen Strache
"Schlammschlacht" ist allerdings ausgeblieben
·Wem vertrauen die Österreicher wirklich?
Faymann vor Molterer. Strache nur Schlusslicht
BZÖ-Spitzenkandidat LH Jörg Haider würde nach der Wahl nur als Bundeskanzler nach Wien wechseln, bekräftigte er in der ORF-"Pressestunde". Auch ein Ministerposten würde ihn nicht reizen. Eine Zusammenarbeit mit der FPÖ und auch ein Vizekanzler Heinz-Christian Strache wäre Haider vorstellbar, denn ihm sei "jede Lösung lieber als eine Fortsetzung der Großen Koalition". Sein Wahlziel ist, so stark zu werden, dass das BZÖ in die nächste Regierung kommt, seine Prognose: "Mehr" als die derzeit vorhergesagten sechs bis sieben Prozent.
"Mir ist es völlig egal, welche Partei noch mit im Spiel ist", sagte Haider auf die Frage, ob aus seiner Sicht BZÖ und FPÖ gemeinsam in einer Koalition sitzen könnten. Fragen nach einer Kooperation mit der FPÖ wich er aus. Er meinte nur, ein gemeinsamer Antritt bei der jetzigen Wahl wäre "vielleicht nicht so gut". Denn die FPÖ entwickle sich von den gemeinsamen Wurzeln weg "woanders hin", während das BZÖ auf dem "aufstrebenden Ast Richtung Sonne" sei. Die FPÖ sei jetzt "eine Partei der Versteinerung" und "geistig in den 90er-Jahren stehen geblieben".
Aussöhnung mit Ewald Stadler
Seine Versöhnung mit Ewald Stadler - der jetzt beim BZÖ kandidiert - verteidigte Haider. Auch damit, dass Stadler Mitte der 90er-Jahre für das alte, sehr großzügige Politikerpensionsmodell optierte, hat er jetzt kein Problem mehr. Denn Stadler habe als Volksanwalt mittlerweile ausreichend Pensionszeiten für eine Beamtenpension erworben, über die er "nicht hinaus" könne.
Sich selbst pries Haider damit an, dass er nach 30 Jahre in der Politik viel Erfahrung - zuletzt als Kärntner LH - habe. So war denn auch die erste Hälfte der "Pressestunde" der "Geschichtsbewältigung" (Haider) gewidmet.
Abgabe der Parteiführung 2000 größter Fehler
Haider verriet seinen größten Fehler: Dass er 2000 die FPÖ-Führung abgab und damit nicht in Entscheidungen der Bundesregierung eingebunden war, die er aber trotzdem vertreten habe müsse. Seine schlimmste Erfahrung: Dass der FPÖ 2002 die Verantwortung für das Platzen der VP-FP-Koalition zugeschoben worden sei und die FPÖ in den Neuwahlen einbrach - obwohl es um die FPÖ-Forderung gegangen sei, eine Steuerreform vor dem Abfangjägerkauf zu machen, die dann auch in der Neuauflage von Schwarz-Blau umgesetzt worden sei.
Im aktuellen Teil der "Pressestunde" bekräftigte Haider seine Forderung nach einem Maßnahmenpaket gegen die Teuerung nach Kärntner Vorbild und rühmte ausführlich die Wirtschaftsdaten des Landes - bis er selbst nach dem Hinweis, dass Kärnten beim Bruttoregionalprodukt um einen Platz zurückgefallen sei, an das alte Zitat "Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast" erinnerte.
In der Ausländerpolitik gab Haider sich vergleichsweise zahm. So sagte er, er wäre "der letzte, der sagt, jemand der aus dem Ausland kommt - ob aus der EU oder außerhalb - ist nicht akzeptiert". Aber die, die kämen, müssten sich integrieren. Und Österreich müsse die Möglichkeit haben, auszuwählen, wer kommt. Die 15a-Vereinbarung bezüglich der Unterbringung von Asylwerbenden zwischen Bund und Ländern hat Haider nach eigenen Angaben vergangene Woche aufgekündigt.
Haider gegen Austritt aus der EU
In Sachen EU beharrte Haider darauf, dass er und nicht FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache der "Schmied" für EU-kritische Wähler sei. Der Unterschied: Er sei nicht für den Austritt, die FPÖ schon immer "ein bissl, das schafft Unsicherheit". Er wolle ein Europa, in dem die Bürger "etwas zu reden haben" - und aktuell es sei es so, dass das Volk und Österreich in vielen Dinge nichts mehr zu sagen hätten.
(apa/red)
