Samstag, 23. August 2008

Haider und Strache zahmer als erwartet:
Schlammschlacht bleibt TV-Seher erspart

  • TV-Duell der Spitzenkandidaten von FPÖ und BZÖ
  • Strache erteilt Zusammenarbeit mit Orangen Abfuhr

Die erste TV-Konfrontation zur Nationalratswahl 2008 hat mit dem Duell zwischen FPÖ und BZÖ den erwarteten Schlagabtausch zwischen den beiden Spitzenkandidaten Heinz-Christian Strache und Jörg Haider gebracht - wenngleich die vielzitierte "Schlammschlacht" weniger hart ausgefallen ist, als von manchen angenommen.

Während Strache eine Zusammenarbeit mit Orange nach der Wahl definitiv ausschloss, glaubt Haider, dass sich eine gemeinsame Arbeit mit der Zeit von selbst ergeben werde und kündigte den Wechsel der FP-Bundesgeschäftsführerin zum BZÖ an. Inhaltlich setzten die beiden einstigen Parteifreunde vor allem auf die Bekämpfung der Teuerung.

"Du"-Wort ausgeschlagen
Die Unfreundlichkeiten nahmen gleich zu Beginn ihren Lauf, als Strache seinem ehemaligen Vorbild das "Du"-Wort absprach, denn dieses habe er ihm bereits im Jahr 2005 entzogen. Grund dafür sei gewesen, dass Haider die Partei "verraten und verkauft" habe. Jetzt aber versuche er sich über eine "falsche Anbiederung" durch die Hintertür wieder hineinzuschwingen, sagte Strache.

Einer Zusammenarbeit mit dem BZÖ nach der Wahl erteilte Strache dann auch eine deutliche Abfuhr: Dies sei "definitiv auszuschließen". Haider sah das anders: "Ich glaube, das wir sich in nächster Zeit ergeben", sagte der Kärntner Landeshauptmann. Denn immer mehr Personen aus der FPÖ würden zum BZÖ wechseln. Offenbar überraschend für die FPÖ kündigte Haider an, dass die bisherige Bundesgeschäftsführerin der FPÖ, Martina Schenk, ab dem heutigen Tag für das BZÖ arbeite.

Sowohl FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache als auch BZÖ-Spitzenkandidat Jörg Haider erklärten, Regierungsverantwortung übernehmen zu wollen. Strache verwies aber darauf, dass sowohl SPÖ als auch ÖVP bereits eine Zusammenarbeit mit der FPÖ ausgeschlossen hätten. Inhaltlich setzten beide Kontrahenten auf das Thema Teuerungs-Bekämpfung, wobei Haider sein "Kärntner Modell" propagierte, das er in ganz Österreich umsetzen wolle. Während sich Haider für die Einführung einer "Tankkarte" aussprach, plädierte Strache für die Einführung eines Familiensplittings und für Gratis-Kindergärten.

Plagiatsvorwürfe
Die beiden Parteichefs warfen sich gegenseitig vor, den jeweils anderen zu kopieren: Er habe als "einziger Politiker in Österreich" ein Programm gegen die Teuerung durchgezogen, meinte Haider und verwies etwa auf Billigtankstellen, auch habe man in Kärnten Gratis-Kindergärten durchgesetzt. "Dort, wo wir etwas zu reden haben, in Kärnten, haben wir das auch wirklich umgesetzt". Die FPÖ kopiere aber nur, seit seinem Abgang gebe es dort "keine einzige neue Idee", so Haider. Strache wiederum sah sich als ersten, der sich etwa für eine Senkung der Mineralölsteuer und eine Halbierung der Mehrwertsteuer auf Lebensmittel ausgesprochen habe - erst dann "sind alle anderen draufgesprungen".

Betreffend der steigenden Spritpreise plädierte Haider für eine "Tankkarte" für alle Österreicher, die einen Hauptwohnsitz in Österreich haben. Damit könne man beim Tanken eine Reduzierung bekommen - wie diese konkret aussehen könnte, sei noch zu diskutieren; so könne man dies auch nach dem Einkommen staffeln, meinte der BZÖ-Chef. Strache will hingegen eine generelle Senkung der Mineralölsteuer, die allen gleichermaßen zu Gute kommen soll.

Thema Kindergarten
Beim Thema Familien plädierte Strache auf die Einführung eines Familiensteuer-Splittings und kostenlose Kindergärten "zumindest halbtags" - für ausländische Kinder allerdings nur dann, wenn sie sich für einen Deutschkurs verpflichten. Außerdem will er ein "Familienerziehungsgeld" bis zum sechsten Lebensjahr einführen. Haider meinte, in Kärnten gebe es ein solches in Form eines "Familienzuschusses" bereits. Anstelle eines Familiensteuer-Splittings plädierte er für eine Absetzbarkeit der Kinderbetreuungskosten. Eine Steuerreform werde dann der zweite Schritt zur Entlastung sein müssen.

Für Häme seitens Strache sorgte Haiders Vorhaben, lediglich als Kanzlerkandidat anzutreten und nicht ins Parlament gehen zu wollen: "Wer ist der Oberimker? Sie oder (der zum BZÖ gewechselte Ewald, Anm.) Stadler, wer geht ins Parlament?" wollte Strache wissen.
(apa/red)

23.8.2008 07:06