Samstag, 23. August 2008

Rückendeckung vom Chef: Faymann stellt sich beim Thema Eurofighter hinter Darabos

  • Verteidigungsminister holte Bestmögliches heraus
  • Rechnungshofbericht sei kein richterliches Urteil

SPÖ-Chef Faymann hat sich in der Frage der Einsparungen beim Eurofighter-Kauf voll hinter Verteidigungsminister Darabos gestellt. Wie Faymann bei einer Veranstaltung in Graz sagte, habe Darabos versucht, das Bestmögliche herauszuholen. Die Differenzen zu den vom Rechnungshof ermittelten, weit geringeren Einsparungen würden sich in den nächsten Tagen noch aufklären.

Der Rechnungshofbericht sei zwar ernst zu nehmen, generell handle es sich bei RH-Berichten aber um keine richterlichen Urteile, so Faymann in einer Diskussionsveranstaltung der "Kleinen Zeitung". Der SPÖ seien am liebsten keine Eurofighter gewesen, aufgrund der geschlossenen Verträge habe sich Darabos bemüht, in den Nachverhandlungen das Beste herauszuholen.

Asfinag-Swap-Verluste
Milde zeigte sich Faymann bezüglich der bekannt gewordenen Asfinag-Swap-Verluste: Hätte er die Verantwortung getragen, würde er zum damaligen Zeitpunkt ebenfalls einen Ausstieg aus riskanten Fremdwährungskrediten befürwortet haben. Auch den Abschluss derselben wollte er nicht verurteilen. Zur umstrittenen Medienkooperation seines Verkehrsministeriums mit den ÖBB meinte Faymann, er habe sein Verhalten nicht als "Zulassung" gesehen und hätte eine so etwas nie angeordnet.

"Grenzziehung" zu FPÖ und BZÖ
Im Hinblick auf die Wahl am 28. September und die Regierung danach unterstrich der SPÖ-Chef erneut die "Grenzziehung" zu FPÖ und BZÖ und schloss eine neuerliche Große Koalition nicht aus, wobei der deutlich Umweltminister Josef Pröll (ÖVP) als Wunschpartner erkennen ließ und auf Distanz zu Vizekanzler ÖVP-Chef Wilhelm Molterer ging, der zu sehr unter dem Einfluss von Klubobmann Wolfgang Schüssel stehe.

Inhaltlich stellte Faymann die Senkung der Mehrwertsteuer bei Lebensmittel von zehn auf fünf Prozent und die Vorziehung der Steuerreform auf 2009 ins Zentrum. Der freie Bildungszugang gehöre zu den sozialdemokratischen Grundprinzipien, so auch die Abschaffung der Studiengebühren, die aber nicht Bedingung in Koalitionsverhandlungen sein würde.

Darabos-Kritik von allen Seiten
Indessen steht Verteidigungsminister Norbert Darabos weiterhin wegen seines Eurofighter-Deals unter Beschuss. Die ÖVP, die gemeinsam mit ihrem blau-orangen Koalitionspartner die ungeliebten Abfangjäger angeschafft hat, rückte mit mehreren Aussendungen aus, um Darabos zu attackieren. So wehrte sich ÖVP-Vize-Chef Josef Pröll gegen Personalspekulationen der SPÖ über die ÖVP und forderte den roten Parteichef, Werner Faymann auf, klarzustellen, ob Darabos "überhaupt noch tragbar ist".

Grünen-Sicherheitssprecher Peter Pilz warf der SPÖ vor, "zur Eurofighter-Partei mutiert" zu sein. Er wollte wissen, "warum die SPÖ die Möglichkeit zum Ausstieg aus dem Vertrag nicht genutzt hat". FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky erneuerte die Rücktrittsaufforderung der Freiheitlichen. Die SPÖ habe die Österreicher in der Causa Eurofighter von Anfang an "beschwindelt" und sei auch jetzt nicht bereit, Konsequenzen zu ziehen, so Vilimsky. Den "sofortigen Abflug" von Darabos verlangte auch BZÖ-Generalsekretär Martin Strutz, der dem Minister "schäbige Tricks" vorwarf.

(apa/red)

23.8.2008 20:49