Mann in Wien von Polizist angeschossen:
Duo wollte eine Billa-Filiale überfallen
- 27-Jähriger mit Bauchschuss ins SMZ Ost eingeliefert
- Die Serien-Täter dürften 55 Menschen verletzt haben
·Polizei: Umstrittene Schusswaffeneinsätze
Eine Chronologie der jüngsten Zwischenfälle

Nach einem Überfall auf eine Billa-Filiale in Wien-Brigittenau ist es zu einem Schusswechsel zwischen Polizei und Räuber gekommen. Ein Verdächtiger wurde von einem Beamten angeschossen. Auf das Konto der festgenommenen Täter dürften eine Serie von Überfällen gehen. Wie die Polizei bei einer Pressekonferenz betonte, sollen sie mindestens 20 Raubzüge seit dem Frühjahr verübt haben. Dabei hatten sie offenbar eine Vorliebe für Filialen der Billa-Kette: 16 Mal dürften die Täter solche Supermärkte überfallen haben, sagte Oberstleutnant Michael Mimra, Leiter der Kriminaldirektion 1 (KD 1).
Bei einem der beiden Männer - einem 27-jährigen Österreicher und einem 28-jährigen Türken - dürfte es sich um einen ehemaligen Billa-Mitarbeiter handeln. Die Vorgangsweise der beiden Verdächtigen war brutal, so Mimra. Bei ihren Überfällen ließen sie insgesamt 55 Verletzte zurück, die sie vor allem mit Pfeffersprayattacken traktierten. Ein Lieferant wurde durch eine Tränengaspistole schwer verletzt, es sei auch zu mehreren körperlichen Attacken gekommen. Neben den Billa-Märkten gehen möglicherweise auch Raubzüge bei einer Tankstelle, einem Cafe und einem Imbisslokal auf deren Konto, so die Polizei.
Seit dem Frühjahr auf der Spur
Die Exekutive war dem Duo schon länger auf der Spur. Seit dem Frühjahr dürften die Männer aktiv sein. Nach umfangreichen Analysen und Ermittlungen wurden verstärkt Überwachungsmaßnahmen durchgeführt. Potenzielle Raubziele wurden bewacht. So auch am Freitag, wo Kripobeamte gegen 6.20 Uhr eine nur angelehnte Tür beim Hintereingang zum Billa in der Kaschlgasse 4 in der Brigittenau bemerkten.
Angestellte mit Pfefferspray verletzt
"Die Kollegen sind daraufhin hinein", sagte Oberstleutnant Thomas Stecher von der KD1. Ein Polizist sicherte den Eingang, während sein Kollege den 15 bis 20 Meter langen Gang entlang schlich und über Stiegen Richtung Büro hinaufging. Als er einen Blick ins Büro geworfen hatte, bemerkte er, dass der Tresor offen stand. Die Täter hatten zu diesem Zeitpunkt bereits zwei Angestellte mit einer Gaspistole bedroht, sie gezwungen ihren Kopf auf den Tisch zu legen und durch Pfefferspray verletzt.
Täter zweimal getroffen
Der Polizist rief die Kriminellen, die er zu diesem Zeitpunkt offenbar nicht sah, an: "Polizei ist anwesend, heben Sie die Hände, kommen Sie heraus!" Es kam keine Antwort. Plötzlich sprang einer der Verdächtigen, ein 27-jähriger Österreicher, in den Vorraum und gab den Ermittlern zufolge aus einer Gaspistole einen Schuss auf den Polizisten ab. Dieser schoss mehrmals zurück. Zwei der Projektile aus der Dienstwaffe trafen den Kontrahenten im Bauchbereich.
In SMZ Ost eingeliefert
Die Beamten sahen vorerst nicht, dass der Räuber getroffen war. Erst als die Täter aufgaben, haben sie bemerkt, dass der Mann verletzt wurde. Er wurde schwer verletzt ins SMZ Ost eingeliefert, über seinen Gesundheitszustand konnte vorerst keine Auskunft gegeben werden. Der 27-jährige lag am Vormittag im Schockraum. Seinen Komplizen, einen 28-jährigen Türken, der seit 2005 Aufenthaltsverbot hat, nahmen die Beamten fest.
Das Fluchtfahrzeug war um die Ecke geparkt. Es dürfte einer Lebensgefährtin einer der beiden Täter gehört haben. Bei den zwei gefassten Kriminellen dürfte es sich um die Haupttäter handeln. Ob es Helfer oder Mitwisser gab, muss noch geklärt werden.
(apa/red)
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