Sonntag, 24. August 2008

Nataschas zweiter Geburtstag: Spricht im
NEWS über ihr Gestern, Heute und Morgen

  • Kampusch über die Schwierigkeit Freunde zu finden
  • PLUS: Warum Sie kaum noch an Priklopil denkt

Sie besuchte die Salzburger Festspiele, hat ihre eigene TV-Show und lernt fleißig für den Schulabschluss - Natascha Kampusch ist, zwei Jahre nach ihrer Befreiung, längst ins Leben zurückgekehrt. Mit NEWS spricht sie nun über ihr Gestern, Heute und Morgen.

NEWS: Blicken Sie nach zwei Jahren nur noch nach vorn, oder ist das, was war, allgegenwärtig?
Natascha Kampusch: Das ist in meiner Erinnerung schon alles sehr weit entfernt. Aber ich musste erst lernen, die Gefangenschaft als Teil meiner Geschichte anzunehmen. Seitdem kann ich mich viel leichter auf die Gegenwart und das, was vor mir liegt, konzentrieren.

NEWS: Josef Fritzl wird noch in diesem Jahr der Prozess gemacht - hätten Sie sich das auch für Wolfgang Priklopil gewünscht?
Kampusch: Er hat mir oft genug angekündigt, dass er sich im Falle meiner Flucht töten würde. Daran bestand für mich kein Zweifel. Das Urteil hat er damit selbst vollzogen.

NEWS: Wäre es für Sie einfacher gewesen, wenn ein Prozess stattgefunden hätte?
Kampusch: Darüber habe ich nie nachgedacht, da ich ja wusste, wie sein Leben enden wird.

NEWS: Wäre Priklopil am Leben, gibt es etwas, das Sie ihm sagen oder ihn fragen würden?
Kampusch: Nein.

NEWS: Sie klagten früher, dass Sie häufig von wildfremden Menschen auf der Straße angestarrt würden. Hat sich das gebessert?
Kampusch: Ich kann nun viel selbstsicherer auftreten und werde deshalb wohl auch seltener belästigt. Wenn über mich berichtet wird, merke ich aber schon, dass ich wieder mehr Aufmerksamkeit auslöse. Und dann ziehe ich mich halt für zwei oder drei Tage zurück.

NEWS: Es muss schwierig für Sie sein, Freundschaften zu knüpfen und Menschen zu vertrauen …
Kampusch: Gute Freunde zu finden ist für jeden schwierig. In meinem Fall ist es natürlich noch mal etwas anderes, da manche Menschen einfach aus Sensationsgier den Kontakt zu mir suchen. So wird es umso schwieriger, Vertrauen zu fassen. Zum anderen ist mir auch viele Jahre die Möglichkeit genommen worden, Freundschaften zu knüpfen.

NEWS: Mit Ihrer Talkshow stehen Sie im Rampenlicht. Sind Sie sich selbst gegenüber als Moderatorin sehr kritisch?
Kampusch: Darauf können Sie sich verlassen. Da ich mich aber nicht als Moderatorin, sondern mehr als Gastgeberin und Gesprächspartnerin sehe, gibt es auch kaum Vergleichsmöglichkeiten. Die Sendung wird sich weiterentwickeln. Ich hoffe aber, dass sie schon jetzt ein klar erkennbares Profil besitzt.

NEWS: Wie geht es mit Ihrer Ausbildung voran?
Kampusch: Ich stehe knapp vor dem Hauptschulabschluss. Meine Interessen hinsichtlich eines Studiums sind sehr vielfältig. So würde mich auf der einen Seite ein Jusstudium interessieren, um die rechtlichen Grundlagen unserer Gesellschaft kennen zu lernen. Andererseits wäre aber auch eine Kunstausbildung reizvoll. So könnte ich mein kreatives Potenzial entfalten. Ich möchte mir diese Entscheidung ausgiebig überlegen. In den meisten Fällen bestimmt sich dadurch der gesamte weitere berufliche Werdegang.

NEWS: Sind Sie zufrieden damit, wie Ihr Leben in den vergangenen zwei Jahre verlaufen ist?
Kampusch: Ich bin nicht unglücklich darüber, wie viel sich seither zum Positiven verändert hat. In den ersten Monaten nach meiner Flucht fiel es mir äußerst schwer, auf andere Menschen zuzugehen. Das musste ich erst wieder lernen. Auch meine Sinne mussten sich wieder an den Trubel des Lebens gewöhnen. Der Lärm, die Helligkeit, die Gerüche … Das sind die wesentlichsten Entwicklungen gewesen. Nun beginnen sich die Prioritäten zu verschieben.

NEWS: Welche Ziele haben Sie für die Zukunft? Wohin soll es gehen?
Kampusch: Es gibt Ideen, wie die Zukunft aussehen könnte. Für einen konkreten Plan, der sich auf die nächsten Jahre bezieht, bin ich zu jung oder vielleicht auch schon zu erfahren, um zu glauben, dass das so in Erfüllung geht. Die Führerscheinprüfung und den Hauptschulabschluss habe ich mir aber für die nächsten Monate vorgenommen. Gleichzeitig freue ich mich auf meine nächsten TV-Sendungen.

NEWS: Was ist derzeit für Sie das Wichtigste in Ihrem Leben?
Kampusch: Wenn man so lange fremdbestimmt war, freut man sich am meisten darüber, endlich wieder einen selbst gestalteten Alltag führen zu können. Das läuft immer noch nicht ganz rund, aber ich glaube wirklich, dass mir momentan die banalen, alltäglichen Dinge am Wichtigsten sind.

Das ganze Interview lesen Sie im NEWS 34/08!

24.8.2008 10:06