Mittwoch, 13. August 2008

"Ich werd nur noch als Monster gesehen":
Triathletin Hütthaler über Doping-Vorwürfe

  • Die Sportlerin im Exklusiv-Interview mit WOMAN
  • Positive A-Probe und mutmaßliche Bestechung

Die Triathletin steht unter Dopingverdacht und soll versucht haben, das Labor zu bestechen. Die Sportlerin beteuert ihre Unschuld. Ein Exklusiv-Interview.

Aus dem Sportsek-retariat gibt es eine Anzeige wegen Verdachts der Bestechung. Ein positiver Dopingbefund liegt vor … Die Meldungen, mit denen Triathletin Lisa Hütthaler, 24, derzeit Schlagzeilen macht, könnten schlechter nicht sein. Der Triathlonverband hat sich von ihr distanziert, die Sponsoren haben ihre Zahlungen vorübergehend eingestellt. Kurz vor dem Höhepunkt ihrer sportlichen Erfolge, der Olympiateilnahme in Peking, scheint der Aufstieg der jungen Niederösterreicherin abrupt beendet zu sein. Ist es das Aus einer vielversprechenden Karriere? Was ist dran an den massiven Vorwürfen? Die Sportlerin versichert, unschuldig zu sein, vermutet unlautere Machenschaften und kämpft nun gegen alle Anklagen. Lisa Hüt­thaler gibt WOMAN das einzige und exklusive Interview, zuhause bei ihrer Mutter Christina in Niederösterreich, wohin sich die Athletin vor dem Ansturm zurückgezogen hat.

„Im Stich gelassen“
Woman: Frau Hütthaler, nach einer Dopingkontrolle war Ihre A-Probe positiv, bei der B-Probe wird Ihnen Bestechung unterstellt – sind Sie eine Kriminelle?
Hütthaler: Nein! Natürlich nicht! Ich habe nichts Unrechtes gemacht. Aber in diversen Medien wird dies so dargestellt.

Woman: Wie erklären Sie sich und uns, dass die als „Radfahrerdroge“ bekannte Substanz EPO (Erythropoetin, ein Glykoprotein-Hormon) in Ihrer Probe enthalten war?
Hütthaler: DynEpo, das ist eine noch wenig untersuchte und sehr umstrittene Modifikation des herkömmlichen EPO. Genau kenn ich mich nicht aus, ich beschäftige mich auch erst seit dieser A-Probe damit. Jedenfalls hab ich nichts genommen.

Woman: Wie haben Sie sich ge-fühlt, als Ihre Probe positiv war? Was ging Ihnen durch den Kopf?
Hütthaler: Ich hatte gerade das Hearing wegen des Kate-Allen-Sturzes abgeschlossen (Triathlon- Olympiasiegerin 2004, stürzte im April bei einem Weltcup-Bewerb in Neuseeland schwer, Hütthaler war in den Unfall verwickelt, wurde jedoch von allen Vorwürfen entlastet; Anm. d. Red.). Danach wurde mir mitgeteilt, dass ich eine positive A-Probe habe. Ich war ganz ruhig, hab mir gedacht, das ist ein böser Scherz. Ich hab ja gewusst, dass ich nichts genommen hab (schüttelt verständnislos den Kopf).

Woman: Und weiter?
Hütthaler: Ich bin nachhause gegangen, habe mit meiner Familie und Freunden gesprochen … Die Nacht habe ich sehr schlecht geschlafen. Am nächsten Tag ­haben wir überlegt, und ich habe mich dann an einen Anwalt, Dr. Christian Flick, gewandt.

Woman: Dann kam die Analyse der B-Probe, bei der Sie anwesend waren …
Hütthaler: Die hat drei Tage lang gedauert, meine Mutter hat mich begleitet und war immer dabei.

Woman: Kurz darauf tauchte der Vorwurf der Bestechung auf. Wie kommt’s, dass eine Laborangestellte Ihnen unterstellt, dass Sie versucht hätten, sie mit 20.000 Euro zu bestechen?
Hütthaler: Ich kann mir das auch nicht erklären. Es gibt Mutmaßungen, aber ich will niemandem etwas unterstellen. Jedenfalls war ich nie mit der betreffenden Laborantin allein.

Woman: Haben Sie Feinde?
Hütthaler: Neider wahrscheinlich. Im Sport gibt’s immer welche, die sich freuen, wenn man besser wird, und solche, die versuchen, einen auszuschalten.

Woman: Wer könnte Interesse daran haben, Sie in Misskredit zu bringen?
Hütthaler: Ich weiß es nicht, auch nicht, was der Grund für diese Verleumdung ist.

Woman: Was war Ihre erste Reaktion, als Sie von dem angeblichen Bestechungsversuch erfahren haben?
Hütthaler: Zuerst war ich fassungslos. Dann bin ich total traurig geworden, bin nur noch im Bett gelegen, hab geweint … (wird ganz still) … so leer … jede Energie war weg.

Woman: Auf Ih-rer Homepage ist zu lesen, dass die-
se Vorwürfe „den Höhepunkt einer Reihe von Angriffen gegen meine Person darstellen“. Haben Sie einen Verdacht? Intrigiert wer?
Hütthaler: Na ja, schon, da geht’s um Macht und Geld … aber ich will jetzt nicht mehr dazu sagen. Es ist doch völlig absurd, was da abgeht! Angefangen hat es mit dem Sturz und dessen einseitiger medialer Ausschlachtung, dann die positive A-Probe, die B-Proben-Öffnung, der Bestechungsvorwurf. Ich hatte nie Probleme, nun folgt ein Schlag dem anderen, ich werd nur noch als Monster gesehen. Das bin ich nicht!

Woman: Sie wollen selbst aktiv an der Klärung dieses Falles mitwirken. Was ge-nau tun Sie?
Hütthaler: Ich denk viel nach, trete mit in- und ausländischen Exper­ten in Verbindung, die ähnliche Fälle hatten. Ich will ein korrektes Verfahren, dann kann ich die Fakten auf den Tisch legen und sagen: Da gab’s von Anfang an Ungereimtheiten! Die Abnahme muss von einer Ärztin vorgenommen werden und auch nicht auf einem öffentlichen WC in ­einer Cafeteria! Außerdem kann nicht – wie bei mir – der Kläger zugleich Richter (Triathlonverband) sein, das ist wie im Mittelalter, weder fair noch objektiv.

Woman: Fühlen Sie sich vom Verband im Stich gelassen?
Hütthaler: Er sollte hundert-
prozentig hinter seinen Athleten stehen, das zeichnet einen wirklich guten und erfolgreichen Verband aus. Jetzt gibt es ein neues NADA-Gesetz (Nationale Anti Doping Agentur, eine gemeinnützige GmbH, die Doping bekämpft), wonach diese Agentur über den Athleten entscheidet. Aber ich falle noch in die alte ­Regelung, derzufolge der eigene Verband über meine Zukunft entscheidet …

Das ganze Interview finden Sie im aktuellen WOMAN

13.8.2008 18:53