Mittwoch, 13. August 2008

Mirna Jukic: 'Das Fräulein-Wunder'

  • Wie sich die 22-jährige ihren Traum erfüllt

Bronze für die Ewigkeit. Mirna Jukic holte als erste Österreicherin eine Schwimm-Medaille.

Glücklich war Mirna Jukic bei den Olympischen Spielen, schon bevor sie sensationell zur Bronze geschwommen ist. Sie strahlte vor jedem Start, als würde die Medaille, mit der sie über 100 Meter Brust gar nicht gerechnet hatte, bereits um ihren Hals baumeln. Denn alleine mit ih­rem Antreten bei Olympia hat sich die 22-Jährige bereits einen Traum erfüllt.

Als sich die Wienerin vor rund zwei Jahren Peking 2008 als Ziel setzte, war sie am Tiefpunkt ihrer Karriere angelangt. Pfeiffersches Drüsenfieber lautete die Diagnose, die sie zwang, acht Monate komplett mit dem Training auszusetzen. Rückblickend glaubt Jukic, dass damals der Grundstein zu Olympia-Edelmetall gelegt wurde: „Mir ist bewusst geworden, dass ich für mich selber schwimme, nicht für meine Eltern, nicht für die Medien, nicht für meinen Trainer. Wenn man mit sich selbst im Reinen ist, dann kann man viel erreichen“.

Auf der Flucht vor dem Krieg. Von einer Olympiamedaille träumte Jukic schon, seit sie als Siebenjährige zu schwimmen begann. Da war ihre Familie vor dem Bürgerkrieg aus Vukovar nach Zagreb geflüchtet. Einige Jahre später übersiedelte Mirna mit ihrem Vater nach Wien, Mutter und Bruder blieben vorerst in Kroatien zurück. Keine einfache Situation für ein 13-jähriges Mädchen, doch sportlich ging es dank Vater Zeljko, einem Ex-Basketballer und Sportwissenschaftler, steil bergauf: 2001 holte sie EM-Silber über 100 und 200 m Brust, 2002 wurde sie auf der Lang- und der Kurzbahn 200-Meter-Europameisterin. 2003, 2004 holte sie ebenfalls EM-Gold. Zwar ging sie bei den Olympischen Spielen in Athen leer aus, doch bei der WM 2005 wurde sie Dritte. „Sie hatte den Trend nach oben, das war ihre Motivation“, so der Vater.

Dann setzte die Krankheit der Karriere ein jähes Ende. Erst im September 2006 konn­te die damals 20-Jährige wieder mit dem Training beginnen. „Ich habe zu Mirna gesagt, wenn du hart arbeiten willst, ich bin hier“, erzählt der Trainer-Vater. Und Mirna wollte. Schritt für Schritt arbeitete sie sich an die Weltspitze zurück, kurz vor den Olympischen Spie­len bewies sie bei der Staatsmeisterschaft mit einem Leider-nein-Europarekord über 200 m (2:23,90) – das Schwe­chater Bad war für die Anerkennung der Bestmarke um vier Zentimeter zu kurz –, dass sie eine Anwärterin auf Olympia-Edelmetall ist.

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13.8.2008 16:15