Parameter für Herzrisiko gefunden: Weist auf klinisch nicht erkennbare Krankheit hin
- Neue Vorhersagemethode gut für Diabetiker geeignet
- 70% der Zuckerkranken erliegen einem Herzleiden

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Seit Jahren werden Herzhormone im Blut in der Medizin als Marker für das Vorliegen bzw. die Schwere einer Herzschwäche bei Patienten herangezogen. An der Entwicklung dieser Methoden waren auch österreichische Fachleute beteiligt. Doch jetzt gibt es eine Neuigkeit. Wissenschafter der MedUni-Wien und des Krankenhauses Hietzing haben nachgewiesen, dass ein Spaltprdodukt des BNP-Peptids (NT-proBNP) offenbar der beste Vorhersageparameter für Herzprobleme bei Diabetikern ist.
Ist das Herz von Patienten überlastet - das trifft besonders auf eine Herzinsuffizienz zu -, wird von den Herzmuskelzellen vermehrt das Brain Natriuretische Peptid (BNP) produziert und ins Blut abgegeben.
Körpereigene Schutzfunktionen
Das Hormon führt zu einer vermehrten Ausscheidung von Natrium über die Nieren. Das soll als eine Art Gegenregulation das überlastete Organ schützen. Der Nachweis einer erhöhten BNP-Konzentration im Blutplasma oder auch seines Vorläufer-Spaltprodukts NT-proBNP wird als Überwachungsparameter für Herzinsuffizienz-Patienten verwendet.
Die Wiener Diabetologen aber haben die Basis dafür geschaffen, den NT-proBNP-Spiegel auch noch bei anderen Kranken zu verwenden: bei Zuckerkranken. "Das ist von besonderer Bedeutung, da 70 Prozent aller Diabetiker an Herz-Kreislauf-Erkrankungen versterben und das Risiko von Diabetikern für Kardiovaskuläre Erkrankungen zwei- bis dreimal so hoch ist wie jenes von Nicht-Diabetikern", erklärte Dr. Anton Luger von der MedUni-Wien.
Verlässliche Prognose-Methode
Die Wissenschafter bestimmten bei 631 Zuckerkranken den NT-proBNP-Spiegel und überwachten sie ein Jahr lang. Daneben wurden auch alle anderen sonst üblichen Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen herangezogen (Geschlecht, Alter, Hypertonie, bereits vorliegende Herzkrankheit, Rauchen, Dauer der Zuckerkrankheit, Grad einer Herzinsuffizienz, Blutdruck, Blutzuckereinstellung und Nierenfunktion).
Doch bei allen Faktoren war der NT-proBNP-Spiegel der aussagekräftigste Prognose-Parameter: Jene Diabetiker, die weniger als 125 Pikogrammm des Peptids pro Milliliter Blutplasma aufwiesen, hatten zu 98 Prozent im darauffolgenden Jahr keine akuten Herzprobleme. Alle anderen Faktoren waren wesentlich ungenauer. So sagte die Dauer der Zuckerkrankheit nur zu rund 60 Prozent akute Herzprobleme voraus, eine bereits vorliegende Herzschwäche nur zu rund 50 Prozent - und ein Bluthochdruck nur zu zwölf Prozent (erhöhtes Cholesterin: elf Prozent). Das Ergebnis war statistisch hoch signifikant.
Intensive Behandlung erforderlich
Der Vorstand der 3. Medizinischen Abteilung am Krankenhaus Hietzing in Wien, Rudolf Prager: "Das NT-proBNP gibt offenbar einen Hinweis auf ein klinisch (an Symptomen, Anm.) noch gar nicht bemerkbare diabetische Herzinsuffizienz und ein nachfolgendes Herz-Kreislauf-Risiko." Diese Patienten müssten besonders intensiv behandelt werden, um die Gefährdung zu verringern: dazu gehört neben gerinnungshemmenden Medikamenten und Cholesterinsenkern besonders Beta-Blocker und Angiotensin-II-Antagonisten.
Der Nachweis gelang mit einer großen Studie der Klinischen Abteilung für Kardiologie und der Klinischen Abteilung für Endokrinologie der MedUni-Wien sowie von Fachleuten der 3. Medizinischen Abteilung am Krankenhaus Hietzing (Diabetologie). (apa/red)
