Erstmals seit 1995 Abschwung in der EU:
BIP sinkt im zweiten Quartal um 0,1 Prozent
- Gefahr einer Rezession sieht Brüsseler Behörde nicht
- Erstes Halbjahr sollte insgesamt bewertet werden

·Wirtschaft steht auf schwachen Beinen
Österreichs Konjunktur wieder im Abschwung
·Inflationsrate ist im Juli leicht gesunken
Treibstoffpreise zu Drittel Schuld an der Teuerung
Die Wirtschaft in der EU ist im zweiten Quartal erstmals seit 1995, seit es vergleichbare Daten gibt, geschrumpft. Laut einer Schnellschätzung von Eurostat ist das Bruttoinlandsprodukt der EU um 0,1 Prozent gegenüber dem ersten Quartal gesunken, in den 15 Ländern der Eurozone sogar um 0,2 Prozent. Die EU-Kommission betonte, die Daten seien "nicht überraschend" gekommen. Die Gefahr einer Rezession sieht die Brüsseler Behörde derzeit nicht.
Die Zeichen für die Konjunktur seien derzeit eher negativ, sagte Amelia Torres, die Sprecherin von Wirtschafts- und Währungskommissar Joaquin Almunia, mit Verweis auf die zuletzt auf ein Fünf-Jahres-Tief gefallen Geschäftsklima-Index der Eurozone. Allerdings könnte sich der Rückgang des BIP auch mit dem überraschend hohen Wachstum im ersten Quartal von 0,7 Prozent - insbesondere wegen der starken Bautätigkeit in Deutschland aufgrund des milden Winters - erklären, sagte sie. Daher müsse das erste Halbjahr insgesamt bewertet werden. "Man sollte sich nicht übertrieben pessimistischen Gefühlen hingeben", warnte Torres. Auf die Frage, ob Europa eine Rezession drohe, antwortete sie mit "eher Nein". "Derzeit wäre es übertrieben, dieses Wort zu verwenden."
Neue Zahlen im September
Die auf europäischer Ebene angestoßenen Reformen hätten die Wirtschaft der Eurozone und der Europäischen Union insgesamt belastbarer gemacht. Eurostat wird am 3. September neue, revidierte Zahlen vorlegen, die EU-Kommission veröffentlicht eine Woche später ihre nächste Zwischenprognose. Als Rezession wird allgemein definiert, wenn die Wirtschaft in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen schrumpft.
Seit der Gründung der Eurozone 1999 ist die Wirtschaft bisher nur einmal gar nicht gewachsen, konkret im zweiten Quartal 2003, heißt es bei Eurostat. Davor habe es 1993 einen Konjunktur-Einbruch gegeben, die Zahlen sind aber nicht direkt vergleichbar.
Allgemeiner Abschwung
In allen großen Volkswirtschaften der EU mit Ausnahme Großbritanniens ist die Wirtschaft geschrumpft: In Deutschland um 0,5 Prozent, in Frankreich und Italien um je 0,3 Prozent. Das britische BIP stieg um 0,2 Prozent zum Vorquartal, das spanische um magere 0,1 Prozent. In den Niederlanden und Schweden stagniert die Konjunktur. Österreich wies gemeinsam mit Portugal unter den "alten" Mitgliedstaaten mit plus 0,4 Prozent das höchste Wachstum auf, allerdings haben etliche Länder keine Daten gemeldet.
Gleichzeitig mit dem Abschwung blieb die Inflationsrate in der Eurozone auf dem historischen Höchststand von 4,0 Prozent, in der gesamten EU stieg sie sogar weiter auf 4,4 Prozent. Experten schließen zwar nicht aus, dass damit der Gipfel der Teuerungsrate erreicht ist, der Wert für die Eurozone liegt allerdings doppelt so hoch wie von der Europäischen Zentralbank für Preisstabilität angestrebt.
(apa/red)

