Donnerstag, 14. August 2008

WKÖ-Präsident Christoph Leitl will an Bord:
Wirtschaftskammer möglicher AUA-Aktionär

  • NEWS: Was sich Leitl von einem Einstieg verspricht
  • Vollprivatisierung der Airline ist beschlossene Sache

Die Erleichterung der gut 8.000 AUA-Mitarbeiter war am Dienstag deutlich zu vernehmen. Der Ministerrat setzte sich über die Wahlkampfstimmung hinweg und beschloss die Vollprivatisierung der Austrian Airlines. Sogar bis Ende des Jahres hat die Staatsholding ÖIAG Zeit, Käufer für ihre 42,75 Prozent an der nationalen Airline zu finden.

Die Auflagen dazu: Der neue Mehrheitseigentümer soll ein strategischer Partner sein, also eine größere Airline, die sich zum Standort Wien und zum Drehkreuz-Flughafen Wien bekennt. Als Favoriten gelten die beiden weltgrößten Fluglinien, Air France und Lufthansa. Aber: Zumindest 25 Prozent und eine Aktie, die sogenannte Sperrminorität, muss in österreichischen Händen bleiben, so wie jetzt schon Raiffeisen 3,43 Prozent, Bank Austria 2,41 Prozent und Wiener Städtische 1,41 besitzen. Während das Rätselraten über mögliche neue AUA-Aktionäre eingesetzt hat, outet sich in NEWS ein prominenter Kandidat: die Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ).

Kammer zum Abflug bereit
"Man kann nicht immer nur Forderungen stellen und erwarten, dass andere zur Tat schreiten. Wenn es darum geht, ein Signal der österreichischen Wirtschaft zu setzen und zu zeigen, wie wichtig die AUA ist, dann bin ich bereit, über einen Einstieg der WKÖ im Rahmen eines Österreich-Konsortiums nachzudenken", so Leitl. "Wir drängen uns nicht als Aktionär auf, sondern engagieren uns im Einvernehmen.

Ich würde mich auch darüber freuen, wenn das Interesse, dem Österreich-Konsortium anzugehören, so groß ist, dass für uns gar keine Anteile übrig sind", meint Leitl. Die Lenkungsmöglichkeiten sieht der WKÖ-Präsident durchaus nüchtern: "Jedem muss klar sein, dass ein Mehrheitsaktionär den Kurs vorgibt und die Entscheidungen in der Hand hat. Man kann sehr viel beim Kauf vertraglich vereinbaren und festschreiben. Wie lange das dann hält, ist eine ganz andere Sache.

AUA sichert Austro-Erfolg
"Österreichs Wirtschaft hat in den vergangenen Jahren eine unglaubliche Erfolgsgeschichte geschrieben. Viele Konzerne haben von Wien aus nach Ost- europa expandiert. Zahlreiche Firmenzentralen sind in Österreich angesiedelt und betreuen von hier aus den gesamten Raum Zentral- und Osteuropas. Das dichte Netz der Austrian Airlines ist eine der wichtigsten Voraussetzungen, um Österreichs Standorterfolg abzusichern. Die AUA ist für mich deshalb eine der wichtigsten Infrastruktureinrichtungen, die Österreichs Wirtschaft hat", erläutert Leitl.

Airline-Jumbo vor Landung
Ein starkes Österreich-Konsortium ist aber auch für einen strategischen Investor ein deutliches Zeichen, dass die AUA eine in Österreich beliebte und von Firmen gewünschte Airline ist. Die meisten Beobachter erwarten, dass schlussendlich die Lufthansa als "großer Bruder" der AUA dieser strategische Investor sein wird. Dies liegt daran, dass die Konzernkultur angefangen von der Sprache bis hin zum gemeinsamen Luftfahrt-Bündnis, der Star Alliance, ähnlich ist.

Da könnte es allerdings auch noch eine Überraschung geben. Denn der immer härtere Wettbewerb in der Luft macht die AUA mit ihrem engen Ost-Streckennetz zur begehrten Braut auch für andere große Airlines. Zudem baut AUA-Kapitän Alfred Ötsch die Stärken der Airline weiter aus (siehe links) und steigert somit den Wert. Letztendlich wird jener Airline-Jumbo in Wien landen, der für die künftige Entwicklung und den Standort das beste Konzept vorlegt.


Den gesamten Bericht lesen Sie im neuen NEWS 33/08

14.8.2008 14:10