"Ich hätte nie gedacht, dass es reicht":
Oblinger-Peters rechnete nicht mit Medaille
- Herzoperation im März damit vollständig überwunden
- Oblinger-Peters: "Für mich ein schreckliches Rennen"

Die österreichische Kanutin Violetta Oblinger-Peters hat in Shunyi Olympia-Bronze im Wildwasser-Slalom gewonnen. Nach einer Herzoperation im März war die Fortsetzung der Karriere in Gefahr gewesen. Die Oberösterreicherin erzählt von den bangen Momenten und jenen des Glücks.
Frage: Welche psychischen Kämpfe hatten Sie in den vergangenen Monaten auszustehen?
Oblinger-Peters: "Es hat mich mental gestärkt, weil ich gemerkt habe, dass ich selbst so was überstehen kann und am Start stehe und meine Leistung zeigen kann. Es war im März, April und auch im Mai wahnsinnig hart, und die Europameisterschaft war deshalb der absolute Horror, weil es das erste große Rennen war, und ich nicht wusste, wie ich reagieren würde. Und dann im Sommer habe ich langsam reingefunden. Und mittlerweile ist ich die Geschichte wirklich gegessen. Jetzt weiß ich, dass es ein großer Stolperstein war. Aber es gibt so einen schönen Spruch: Legt dir das Leben Steine in den Weg, bau dir was Schönes draus. Und das habe ich gemacht."
Frage: War das heute ausgleichende Gerechtigkeit?
Oblinger-Peters: "Es gibt Rennen, in denen bin ich sehr viel besser gefahren als heute und bin leer ausgegangen, deshalb muss ich das so akzeptieren. Heute hat es gereicht und da kann ich mich nur noch drüber freuen."
Frage: Haben Sie nach ihrem Lauf noch daran geglaubt?
Oblinger-Peters: "Ich hätte nie gedacht, dass es reicht, nie, da hätte ich keine zwei Cent drauf gewettet. Es sind Leute ausgeschieden, da hätte ich selber viel Geld darauf gewettet, dass sie heute durchkommen. Aber vielleicht andere Leute auf mich auch, ich weiß es nicht."
Frage: Wie nervenaufreibend war die Warterei im Ziel?
Oblinger-Peters: "Ich habe gewusst, dass ich Vierte werden könnte. Das war für mich irgendwie wie ein Schlag ins Gesicht. Das war so ein Riesenfehler, den ich gemacht habe. Ich wusste, dass die Strecke sehr schwer ist. Aber ich bin nicht davon ausgegangen, dass sich die anderen auch so schwer damit tun werden."
Frage: Am Ende haben Sie diese Strecke doch besiegt ...
Oblinger-Peters: "Ich habe den Kampf nicht wirklich gewonnen, ich habe irrsinnig große Fehler gemacht, aber die anderen auch. Es war für mich persönlich ein schreckliches Rennen, eines der schlechtesten Rennen, das ich wahrscheinlich je gefahren bin. Wenn ich es mir auf Video anschaue, vielleicht sehe ich es anders."
(apa/red)