Bronze im Wildwasser-Kanal von Shunyi: Oblingers erfüllten sich einen Lebenstraum
- Nach Herz-OP war für Violetta Olympia in Gefahr
- Gebürtige Deutsche: "Fühle mich als Österreicherin"

Mit einem Schlag hat Violetta Oblinger-Peters mit Olympia-Bronze im Wildwasser-Slalom den eigenen und den Lebenstraum ihres Mannes Helmut Oblinger erfüllt, denn die zwei Kanuten sind ein starkes und erfolgreiches Team, sie gewinnen und sie verlieren miteinander. Der Liebe wegen wurde die gebürtige Deutsche Österreicherin, und als sie in Shunyi die Medaille verliehen bekam, dachte sie ans Land der Berge und Ströme. "Ich fühle mich als Österreicherin, sonst würde ich das alles nicht machen."
Der Weg zu Olympia-Bronze war ein harter, denn der künstliche Kanal in Shunyi fordert die Athletinnen wie kein anderer auf der Welt. Doch auch auf dem Weg zum Olympia-Start lagen einige Steine. Der härteste Brocken wurde am 25. März im Krankenhaus von Linz beiseitegeschafft. Bei der Athletin war 13 Tage zuvor eine Herzrhythmusstörung diagnostiziert worden, die behoben werden musste. "Normalerweise dauert es zwei bis drei Stunden, bei mir jedoch viel länger. Es ist eine Kathederoperation, da wird im Herzen verlötet. Der Dozent hat mit so viel Enthusiasmus stundenlang gesucht und gefunden."
Operation geheim gehalten
Die Operation hatte sie vor dem heimischen Verband geheim gehalten, weil sie um die Olympiateilnahme fürchtete. Nur Familie, engste Freunde und Betreuer wussten davon. "Damit mich jemand rausziehen kann, wenn ich im Trainingslager auf dem Wasser ohnmächtig werde." Die medizinischen Checks ergaben, dass alles erfolgreich überstanden und behoben ist. "Das zu wissen, war eine sehr wichtige Sache für mich."
Stets an der Seite der nunmehrigen Olympiamedaillengewinnerin ist Helmut Oblinger, den Violetta 1994 in Augsburg bei einem Weltcup kennengelernt hat, 1999 wurde geheiratet und die österreichische Staatsbürgerschaft angenommen. Das Ehepaar lebt in Schärding. Bei den wichtigsten Erfolgen der Ehefrau war der Oberösterreicher, der in Shunyi Olympia-Siebenter wurde, an ihrer Seite, so als sie 2007 in Liptovsky Mikulas Europameisterin wurde, mit dem Team errang sie WM-Bronze 2005 in Sydney und EM-Bronze 2005 in Laibach. Das Talent wurde der Sportlerin in die Wiege gelegt, den Spaß am Sport musste sie aber erst finden.
"Ich bin schwer vorbelastet. Mein Vater ist Doppelweltmeister im C1, mein Onkel Doppel-Vizeweltmeister im Kajak. Bei uns daheim herrscht immer große Diskussion, was die bessere Kategorie ist. Meine ganze Familie ist infiziert", erzählte die Athletin von Forelle Teefix Steyr, die für die zweite österreichische Wildwasser-Olympia-Medaille sorgte. Für die Premiere in den reißenden Fluten hatte 1972 im Augsburger Eiskanal ebenfalls im Kajak-Einer-Slalom der Kärntner Norbert Sattler mit Silber gesorgt.
Vater war erster Gratulant
Erster Gratulant am Mobiltelefon war ihr Papa. "Aber ich habe kein Wort verstanden. Er ruft später nochmals an." Weil der Vater seine Kinder öfters auf Wanderfahrten mitnahm, fing auch die Tochter zu Paddeln an. "Mein kleiner Bruder paddelte, und da hatte ich immer das Gefühl, ich muss auf ihn aufpassen. Anfangs hatte ich wahnsinnige Angst, das Wasser war gewaltig, jedes Kind hat da Angst davor. Ich bin da langsam reingewachsen", erinnert sie sich. Die Atmosphäre im Club, der Zusammenhang, dass viel für die Jugend getan wurde, die Trainingslager - das gefiel ihr alles, und dann begeisterte sie sich auch für den Sport immer mehr. "Langsam verstand ich, warum der Sport so schön ist. So irrsinnig komplex. Es dauert lange, bis du dir gewisse Fähigkeiten erworben hast. Das auf dem Wildwasser umzusetzen, ist noch einmal was anderes."
Violetta Oblinger-Peters wird ihre Karriere fortsetzen. "Ich fahre sicher bis zu den Olympischen Spielen 2012 in London. Und da will ich die Goldmedaille angreifen." Ob sie ihr Mann dann betreuen wird. "Ich glaube, Helmut wird auch weiterfahren. Er hat ja selber noch so viel Spaß."
(apa/red)