Für Jukic haben sich alle Träume erfüllt:
Schließt baldiges Karriereende nicht aus
- Über Olympia: "Habe meine letzten Kräfte gegeben"
- Vater Zejlko: "Will nicht, dass sie bis 30 schwimmt"

Mirna Jukic hat für sich einen sehr schönen und guten persönlichen Abschluss von Olympia in Peking gefunden. Mit Bronze über 100 m Brust sorgte die 22-Jährige für den einzigen Medaillengewinn im österreichischen Schwimm-Lager bei diesen Spielen. Außerdem kam sie über 200 m Brust auf Rang vier. Auf beiden Strecken markierte sie auch Europarekord, auch wenn ihr dieser jeweils wieder entrissen wurde.
Es könnte das letzte Olympia-Rennen der Wienerin gewesen sein. "Ich weiß noch nicht, ob das die letzten Spiele für mich sind", meinte sie nach ihrem letzten Anschlag im "Water Cube". Falls dem so wäre, würde sie stets positiv auf Olympia 2008 zurückblicken. "Ich habe meine letzten Kräfte gegeben. Und genau das wollte ich. Ich wollte aus diesem Becken raussteigen und sagen können: Leute, das wars. Es ging nicht besser."
Medaille wird eingerahmt
Die Bronze-Medaille wird einen besonderen Platz in Jukic' Wohnung in Wien-Donaustadt erhalten. "Sie bekommt einen Platz, damit jeder, der reingeht, sieht, dass ich eine Olympia-Medaille gewonnen habe", hat sich die Studentin schon vorgenommen. "Da bin ich ganz stolz drauf. Ich glaube, ich werde sie ganz schön einrahmen lassen. Denn die Medaille ist besonders schön, sie ist einzigartig."
Jukic könnte mit dem Thema Olympia auch ganz gut schon nach diesen Spielen abschließen, weil sich für sie ein Lebenstraum erfüllt hat. "Es hat sich das erfüllt, was ich schon so lange gewollt habe und jede dritte Nacht geträumt habe, seit ich klein bin - bei Olympia mitschwimmen und dort am Podest stehen." Dass sie das erreicht hat, ging ihr seit Dienstag bei und nach der Siegerehrung nach eigenen Angaben immer wieder in ihrem Kopf herum.
Diese Gedanken will Mirna Jukic noch länger genießen, vorerst mit ihrer Freundin Tina Gabrilo shoppen gehen, Peking und die chinesische Mauer anschauen. "Für alles andere habe ich genug Zeit, um darüber nachzudenken. Vielleicht höre ich dann auf zu schwimmen", sagt sie es ganz offen heraus. Nur die Kurzbahn-Europameisterschaften im Dezember in Rijeka nahe ihrem früheren Zuhause lässt sie ganz sicher nicht sausen.
"Bin ihr Trainer, aber auch Vater"
Trainervater Zeljko Jukic lässt Mirna bei ihren Entscheidungen Freiräume. "Ich weiß nicht, was sie jetzt nach Olympia macht", erläuterte der Coach. "Aber ich will nicht, dass sie schwimmt, bis sie 30 Jahre alt ist. Ich bin realistisch. Ich bin ihr Trainer, aber auch Vater." Und als der hat er einen Tipp parat. "Ich sage ihr: 'Du hast anderes auch.' Diese Olympia-Medaille bringt jetzt eine ganz andere Situation. Ich weiß daher nicht, wie sie jetzt denkt."
Mirna Jukic wird sich in ihrer Entscheidung, wie lange und ob ihre Laufbahn weitergeht, nicht dreinreden lassen. Seit sie das Pfeiffer'sche Drüsenfieber überwunden hat, steht sie viel mehr auf eigenen Beinen, kennt ihre Ziele und weiß, auf wen sie zählen kann. "Es gibt Leute, die nur neben mir stehen, wenn ich gut bin und Fotos mit mir machen. Und sobald ich mal nicht so gut bin, haben sie schon jemand anderen gefunden. Daraus lernt man sehr viel."
(apa/red)