Liukin stoppt Chinas Siegesserie im Turnen:
Gold & Silber für USA im Mehrkampf-Bewerb
- "Mein Vater war Grund, warum ich gewonnen habe"
- "Turn-Oma" Chusovitina bei Rekordteilnahme Neunte

Die Siegesserie von Chinas Turnern, die zuvor alle drei Wettbewerbe bei den Olympischen Spielen in Peking gewonnen hatten, ist von der US-Amerikanerin Nastia Liukin beendet worden. Nach einem hochklassigen Kampf holte die 18-Jährige mit 63,325 Punkten Mehrkampf-Gold vor ihrer Landsfrau Shawn Johnson, für China blieb lediglich Bronze durch Yang Yilin. Liukins Ziel ist nun, den Erfolg ihres Vaters Waleri zu toppen. Dieser hatte 1988 in Seoul der UdSSR je zweimal Gold und Silber beschert.
1994 war Liukin mit ihren Eltern in die USA ausgewandert und danach von ihrem Vater zur Weltklasse-Turnerin gemacht worden. In Peking sicherte sie ihrer neuen Heimat den dritten Mehrkampf-Olympiasieg bei den Damen nach Mary Lou Retton 1984 und Carly Patterson 2004. Liukin meinte: "Ich fühle mich ein bisschen mehr als Amerikanerin als als Russin. Meine Großeltern wundern sich jedenfalls immer, wie schlecht ich Russisch spreche."
Die frischgebackene Olympiasiegerin hatte in der Vergangenheit viele Rückschläge zu verkraften gehabt. 2005 war sie um nur 0,001 Punkte am Weltmeistertitel vorbeigeschrammt, die Saison 2006 hatte sie wegen einer Sprunggelenksverletzung verpasst. Umso schöner war nun der Erfolg in China für sie. "Am Podium die Ansage 'Olympiasiegerin' verbunden mit meinem Namen zu hören war wie wenn ein Traum wahr wird", frohlockte Liukin. "Mein Vater war der Grund, warum ich heute gewonnen habe."
"Turn-Oma" Neunte
Die erste Turnerin mit fünf Olympia-Teilnahmen, die 33-jährige Deutsche Oksana Chusovitina, landete mit 60,125 Punkten auf Platz neun. Die gebürtige Usbekin hatte erst vor zwei Jahren wegen der Leukämie-Krankheit ihres neunjährigen Sohns Alisher und fehlender Behandlungs-Möglichkeiten in ihrem Heimatland die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen.
Indessen bekamen am Rande des Wettbewerbs die Zweifel am korrekten Alter der chinesischen Turnerinnen neue Nahrung. Vor neun Monaten hatte die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua einen Bericht veröffentlicht, in dem das Alter der Turnerin He Kexin mit 13 Jahren angegeben worden war. Vor drei Tagen hatte He, die laut ihres Passes aber 16 Jahre alt ist und damit das Olympia-Mindestalter erfüllt, mit der chinesischen Mannschaft die Goldmedaille gewonnen.
In dem Report von Xinhua vom 3. November 2007 stand zu lesen, "die 13-Jährige" habe "die Auswahlturnerin Yang Yilin geschlagen". Sollte die Agentur das Alter von He korrekt angegeben haben, wäre die Turnerin nicht in Peking startberechtigt gewesen. He Kexin gilt im Stufenbarren-Finale am Montag als Favoritin. Zhang Hongliang, verantwortlicher Funktionär im chinesischen Turnteam, erklärte, dass der Turnverband die differierenden Meldungen chinesischer Medien nicht geprüft habe. "Es ist definitiv ein Fehler", sagte er der US-Nachrichtenagentur AP.
(apa/red)