"Hervorragende Bilanz": Österreichs Asse bei Schwimmrevolution in 2. Klasse dabei
- OSV-Chef Schauer zieht zufriedenes Resumee
- Große Semifinal-Dichte hinter Mirna Jukic und Rogan

Das österreichische Schwimm-Dutzend bei den Spielen in Peking hat sich im "Water Cube" mit gehörigem Anstand aus der olympischen Affäre gezogen. Durch Bronze von Mirna Jukic über 100 m Brust scheint der OSV in der Medaillenbilanz dieser Kernsportart zwar nur ganz am Ende auf, doch einige aussichtsreiche Nationen haben gar nicht angeschrieben. Mit drei Endlauf-Teilnahmen und zehn Top-16-Rängen lässt sich ein positives Resümee ziehen.
Auch bei den Spielen vor vier Jahren in Athen hatten Österreichs Asse drei Final-Teilnahmen herausgeholt. Da hatte es durch die zwei Silber-Medaillen von Markus Rogan über 100 und 200 m Rücken zwar zwei Podestplätze gegeben, darüber hinaus wurde Mirna Jukic über 200 m Brust Siebente. Aber unmittelbar dahinter hatte sich nicht viel abgespielt. Lediglich Maxim Podoprigora hatte es als 13. über 200 m Brust noch unter die Top 16 geschafft.
War "Podo" 2004 sozusagen drittbester Österreicher im mit sechs Aktiven halb so großen OSV-Team wie diesmal, sorgte er nun für die einzige Enttäuschung bei Rot-Weiß-Rot. Mit Rang 35 über 200 m Brust und dem großen Zeitrückstand war er selbst am wenigsten zufrieden. Schlimm, dass dem WM-Zweiten 2001 so etwas schon öfters passiert ist und er keinen Grund dafür findet. Laut Trainingsleistung und eigenen Angaben hätte er Finalreife gehabt.
Geschlossenere Mannschaftsleistung
Fünf Aktive platzierten sich in Peking 2008 im Semifinal-Bereich, dazu kommt Rang neun der Kraulstaffel über 4 x 200 m. Dass Dominik Koll, David Brandl, Florian Janistyn und Markus Rogan fast den Final-Einzug geschafft hätten, zeigt die gesteigerte Konkurrenzfähigkeit der OSV-Truppe. Sie tritt leistungsmäßig viel geschlossener auf als früher, Dominik Koll, Jördis Steinegger und Dinko Jukic gleich dreimal dürfen auf ihre Top-16-Plätze stolz sein.
Bis auf Podoprigora und Sebastian Stoss haben sich alle bei diesem Mega-Meeting gesteigert und österreichische Rekorde aufgestellt. Stoss verpasste seine Bestzeit über 200 m Rücken um 17/100, die imposante Atmosphäre in der Olympia-Halle hatte ihn förmlich "gelähmt". Äußerst positiv aber, dass sich der 22-Jährige sofort nach seinem Auftritt vorgenommen hatte, ab sofort noch härter an sich zu arbeiten, um sein Talent 2012 besser einsetzen zu können.
Nina Dittrich, Hunor Mate und David Brandl schoben sich mit - teilweise deutlich verbesserten - österreichischen Rekorden knapp an die vorderen 16 heran, können mit ihrem Top-20-Platzierungen und vor allem ihren Leistungen zufrieden sein. Florian Janistyns 21. Platz über 1.500 m Kraul und sein OSV-Rekord sind bemerkenswert, da er als Staffel-Ersatz mitgenommen worden war und sich daher nicht auf diese Strecke gezielt vorbereiten konnte.
Finanzielles Handicap
Bleibt Birgit Koschischek, deren Plätze außerhalb der Top 25, aber in den Top 30 täuschen. Gerade auf ihren 100-m-Distanzen und speziell in der Kraullage ist die Dichte so groß, dass man mit einer ein paar Zehntel langsameren Zeit rund zehn Positionen zurückfallen kann. Generell beachtlich ist, dass die OSV-Athleten derart mithalten können, obwohl sie den Top-Nationen finanziell und infrastrukturell um (Schwimm-)Längen hinterher hinken.
19 OSV-Rekorde trotz schon sehr hohem Niveaus begeistern auch OSV-Bundessportkoordinator Moschos Tavlas. "Wir hatten in Peking ein Kollektiv von zwölf Schwimmern, von denen viele das erste Mal dabei waren", erklärte der Grieche der APA - Austria Presse Agentur. "Wir haben international tolle Steigerungen, eine Revolution des Schwimmsports erlebt, sind 2. Klasse mitgefahren. Viele europäische Nationen sind aber nicht einmal eingestiegen."
Für Tavlas hat das Dutzend Professionalität gezeigt, war auf seine Aufgaben fokussiert. OSV-Präsident Paul Schauer analysierte ähnlich. "Alles in allem ist es eine hervorragende Bilanz, da muss man sich nicht verstecken", sagte der 61-Jährige zum Abschneiden der zwölf Aktiven. "Diesmal hat auch manchmal ein bisschen Glück gefehlt, oft ist es Tagesverfassung. Aber ich denke, im Vergleich zu Athen sind wir um etwa 50 Prozent stärker geworden."
(apa/red)