Alain Bernard erobert den Krauler-Thron:
Frankreichs erstes Schwimm-Gold seit 1952
- Gold-Gewinner setzte sich auf 100 m Kraul durch
- Bernard: "Das ist der größte Tag meines Lebens"

Alain Bernard ließ seine mächtigen Muskeln spielen - 47,21 Sekunden lang. Dann durfte der Mann von der Cote d'Azur den imaginären Thron als König der Krauler besteigen. "Das ist der größte Tag meines Lebens. Was habe ich dafür geschuftet", entfuhr es dem Olympiasieger, der US-Superstar Michael Phelps in Peking für einen Tag die Schau stahl.
Bernards Landsleute auf den Tribünen des mit 11.000 Besuchern voll besetzten "Wasserwürfels" feierten die erste olympische Goldmedaille eines französischen Schwimmers seit Jean Boiteux 1952 in Helsinki (200 m Freistil) im Überschwang - und der 25-jährige Bernard ließ sich nach Gold über 100 m Kraul feiern wie einst Napoleon.
Mächtig "pflügte" Bernard durch das drei Meter tiefe Wasser des Olympia-Pools. Der im Vergleich mit dem Franzosen geradezu filigran gebaute Weltrekordler Eamon Sullivan, 1,89 m groß und 78 kg schwer, wurde im finalen Kampf im Königsbewerb des olympischen Schwimmsports für zu leicht befunden. Der 22-jährige Australier schlug 11/100 Sekunden nach Bernard an und holte Silber vor den in 47,67 Sekunden zeitgleichen Jason Lezak (USA) und Cesar Cielo Filho (BRA).
Rivalität mit Sullivan
Spätestens mit dem olympischen Showdown ist ein neues Zeitalter in der Geschichte des 100-m-Kraulbewerbs angebrochen. Acht Jahre hatte der Weltrekord (47,84) des als Olympiasieger abgelösten Niederländers Pieter van den Hoogenband Bestand. Dann kamen Bernard und Sullivan - und stellten in kurzer Zeit alles auf den Kopf. 47,60 erzielte der Franzose am 21. März in Eindhoven, einen Tag später war er bei der EM noch einmal um eine Zehntelsekunde schneller. In Peking purzelte diese Marke durch Sullivan als Startschwimmer der australischen Staffel auf 47,24. Dann lieferten sich beide im Halbfinale ein unglaubliches indirektes Duell: Bernard legte 47,20 vor, Sullivan konterte zwei Minuten später mit 47,05.
Dass es im Medaillenkampf "nur" zu 47,21 Sekunden reichte, störte Bernard nicht. Mit einem Augenzwinkern Richtung Tribüne deutete er beim Abspielen der Marseillaise das an, was er später auch offen ansprach: "Heute ging es nicht um Silber oder den Weltrekord. Es ging nur darum, als Erster an der Wand zu sein." Und dieses großartige Gefühl will er genießen, obwohl ihm der Weltrekord abhandenkam: "Der ist zwar weg - aber ich bin Olympiasieger. Und das hält vier Jahre."
(apa/red)