Für Mirna Jukic ging ein Traum in Erfüllung:
Auf & Abs in der Karriere der Schwimmerin
- Schon mit 15 zeigte die gebürtige Kroatin auf
- Nach schwerer Krankheit kam sie erstarkt zurück

Das hätte sich nicht einmal Mirna Jukic selbst träumen lassen. Nahm sie nach ihrer halbjährigen Krankheitspause 2006 schon die sichere Qualifikation für Olympia als großen Erfolg, stand die 22-Jährige nun im Pekinger "Water Cube" gar auf dem Siegespodest. Über 200 m Brust durfte bzw. darf man ja nach zuletzt tollen Leistungen mit einem Medaillengewinn spekulieren. Aber über 100 m Brust? Jukic bewies, dass es sich lohnt, für seine Träume zu arbeiten.
Das hat die Familie Jukic immer getan, seit sie im Herbst 1999 vor den Kriegswirren in Kroatien nach Wien geflüchtet ist. Ein Jahr später erhielt Mirna Jukic die österreichische Staatsbürgerschaft. Die Familienbande war damals eng und ist es auch geblieben. Zeljko Jukic ist nicht nur Vater, sondern auch Trainer, dem Mirna und ihr 19-jähriger Bruder Dinko in ihren sportlichen Planungen voll vertrauen. Der Erfolg gibt der Familie recht. Mirna Jukic ist seit Jahren eine der herausragenden österreichischen Schwimmerinnen, ihr jüngerer Bruder hat sich in den vergangenen Monaten in der Weltklasse etabliert.
Krankheit warf sie zurück
Mirna Jukic zeichnet besonders seit ihrem Comeback vor knapp zwei Jahren Zielstrebigkeit, Konsequenz, Bescheiden- und Offenheit aus. Diese Attribute hatten sie auch schon ausgezeichnet, ehe sie kurz vor ihrem 20. Geburtstag von der Diagnose Pfeiffer'sches Drüsenfieber erfuhr. Da sah sich die Studentin auf ihrer sportlichen Erfolgsleiter erstmals einen Schritt nach unten machen.
Davor war sie bereits für einige Zeit auf einer der oberen Sprossen stehengeblieben. Je höher man steigt, desto dünner wird die Luft. Pausen sind unabdinglich, um Kraft für einen noch höheren Aufstieg zu nehmen. Wird man dann plötzlich unverschuldet wieder ein gutes Stück hinabgestoßen, ist die Motivation zum erneuten Erklimmen der schon einmal genommenen Sprossen sehr schwer aufzubringen.
Schon mit 15 erfolgreich
Sport-Insider wissen das. Nicht wenige von ihnen vermuteten vor noch gut einem Jahr die größten Erfolge von Mirna Jukic in der Vergangenheit. Schon als 15-Jährige war sie bei den Weltmeisterschaften in Fukuoka zweimal im Finale und fünf Monate später bei den Kurzbahn-Europameisterschaften erstmals Medaillen-Gewinnerin in der allgemeinen Klasse, ging es in dieser Tonart weiter.
Kurz vor ihrem 16. Geburtstag holte sie in Moskau Kurzbahn-WM-Bronze, wurde wenig später in Berlin zu Österreichs erster Schwimm-Europameisterin. Es folgten die erfolgreiche Titelverteidigung 2004 in Madrid und zweimal EM-Gold auch auf der Kurzbahn. Der Einzug in ihr erstes Olympia-Finale 2004 in Athen war ein logischer Schritt, doch dann blieb sie bei der Heim-EM in Wien 2004 ohne Titel. WM-Langbahn-Bronze 2005 ließ sie wieder hoffen.
Neubeginn nach sportlichem Tief
In Wahrheit war Jukic da aber schon in einem sportlichen Tief. Ihre Zeiten waren nicht mehr von allererster Güte, die Entwicklung ging zurück. Gerade da platzte das Pfeiffer'sche Drüsenfieber in Jukic' Leben. So niederschmetternd das für die erfolgsverwöhnte junge Frau war, so sehr bot es ihr nachher eine optimale Chance für einen kompletten Neubeginn. Jukic löste sich aus alten Mustern und orientierte sich von neuem.
Wahrscheinlich war es nur so möglich, dass sich das OSV-Ass in sportliche Höhen aufschwang, von deren Erreichen sie sich etlichen Experten zufolge längst verabschiedet hatte. Nun aber hat Jukic die nicht für möglich gehaltene Belohnung für all ihre Mühen um den Hals, die Medaille wird sie bei sich in Wien-Donaustadt sicher gut aufbewahren. Und vielleicht muss sie nach dem 200-m-Brust-Finale am Freitag nach einem weiteren Ehrenplatz suchen. (apa/red)