Phelps und Peirsol schnappen sich Gold:
Schwimmtag stand im Zeichen der Amis
- 23-Jähriger Michael Phelps ist auf Rekordjagd
- Rogan-Spezi Aaron Peirsol gewinnt 100 m Rücken

Michael Phelps fehlt nur noch ein Schritt zum erfolgreichsten Sportler der Olympia-Geschichte. Der US-Amerikaner hat bei den Spielen in Peking seine Rekordjagd im "Water Cube" fortgesetzt und in seinem dritten Bewerb sein drittes Gold inklusive Weltrekord geholt. Der 23-jährige Superstar aus Baltimore gewann das Finale über 200 m Kraul souverän in 1:42,96 Sekunden und damit seine insgesamt neunte Olympia-Goldmedaille.
Phelps ist in Peking angetreten, um Geschichte zu schreiben. Zum einen hat er den Rekord seines Landsmanns Mark Spitz im Visier, der bei den Spielen in München 1972 mit sieben Goldmedaillen eine bisher unerreichte Ausbeute schaffte. Phelps könnte in Peking achtmal Gold holen, und wer seine bisherigen Auftritte miterlebt hat, zweifelt nicht daran, dass dies möglich ist. Und so wie Spitz, der jeweils mit Weltrekord gesiegt hatte, ist Phelps auch da auf Kurs.
Einen anderen Allzeit-Rekord könnte der prognostizierte Superstar von Peking 2008 schon am Mittwoch aufstellen. Mit seinem neunten Olympiasieg hat Phelps (9 Gold/0 Silber/2 Bronze) zur sowjetischen Turnerin Laryssa Latynina (9/5/4), dem finnischen Läufer Paavo Nurmi (9/3/0), Mark Spitz (9/1/1) und dem US-Leichtathleten Carl Lewis (9/1/0) aufgeschlossen.
Gewinnt er auch die 200 m Delfin und/oder mit der US-Staffel über 4 x 200 m Kraul, würde er der erfolgreichste Olympionike werden. Im Delfin-Halbfinale war er in 1:53,70 klar die Nummer eins. "Es ist großartig. Ich wollte bei 50 m vorne sein und bei 100 m. Danach war der Weg frei", erklärte Phelps, nachdem er seinen eigenen Weltrekord aus dem März 2007 um 0,90 Sekunden verbessert hatte. Mit Respektabstand folgte der Südkoreaner Park Tae-hwan (1:44,85) und sein Landsmann Peter Vanderkaay (1:45,14).
Ja nicht zu früh freuen
Der nunmehrige Triple-Olympiasieger von Peking war aber von verfrühter Euphorie weit entfernt. "Ich habe noch nicht einmal die Hälfte meines Programms hinter mir", meinte der Ausnahmesportler aus Baltimore. "Einige der wichtigeren Strecken kommen ja noch. Ich nehme die Rennen eines nach dem anderen, so wie sie kommen. Das Einzige, was ich tun kann, ist, mich darauf zu konzentrieren und vorbereiten."
Phelps leitete einen sensationellen Tag für die US-Schwimmer ein. Innerhalb von 15 Minuten gab es für die USA dreimal Gold durch Phelps, Natalie Coughlin und Aaron Peirsol, die jeweils über 100 m Rücken siegten. Titelverteidigerin Coughlin setzte sich in 58,96 Sekunden vor Kirsty Coventry aus Simbabwe (59,19) durch, die ihr im Semifinale in 58,77 den Weltrekord entrissen hatte. Bronze ging an Margaret Hoelzer (59,34), ebenfalls USA. Coventry war danach im Semifinale über 200 m Lagen die Schnellste.
Peirsol mit zehntem Weltrekord
Kurz danach sorgte Peirsol für den zehnten Weltrekord dieser Schwimmbewerbe. Dank einer überragenden zweiten Länge distanzierte der US-Amerikaner in 52,54 Sekunden seinen Landsmann Matthew Grevers (53,11), Platz drei ging ex aequo an den Russen Arkadij Wjatschanin und den Australier Hayden Stoeckel, die in 53,18 anschlugen.
Peirsol unterbot seine eigene, am 1. Juli aufgestellte bisherige Weltbestzeit um 35/100 Sekunden und gewann nach dreimal Gold in Athen nun auch in Peking. In Athen hatte Peirsol über 100 m und 200 m Rücken jeweils vor Markus Rogan gewonnen, der Österreicher verpasste diesmal aber das 100-m-Finale als Neunter knapp. Dazu hatte Peirsol vor vier Jahren mit der US-Lagenstaffel triumphiert.
"Lisl" war die Ausnahme
Den totalen Triumph der US-Schwimmer verhinderte die Australierin Leisel Jones. Die 22-jährige Weltrekordhalterin und Weltmeisterin gewann über 100 m Brust in 1:05,17 Minuten souverän vor Rebecca Soni aus den USA (1:06,73), Bronze holte sich die Österreicherin Mirna Jukic. Jones holte damit nach, was sie vor vier Jahren verpasst hatte.
Damals war sie als große Favoritin gestartet, aber nur mit Silber (200 m Brust) und Bronze (100 m Brust) aus dem Becken gestiegen. Über 4 x 100 m Lagen allerdings gab es zumindest Staffel-Gold, nun gewann sie auch ihre erste Einzel-Goldmedaille. (apa/red)