Historische Leistung von Mirna Jukic: Erste Damen-Olympia-Medaille auf Einzelstrecke
- Wienerin erschwomm sich über 100 m Brust Bronze
- 22-Jährige: "Wahnsinn, ich bin einfach so glücklich!"
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·Für Jukic ging ein Traum in Erfüllung
Auf & Abs in der Karriere der Bronze-Gewinnerin
·"Ich wollte zeigen, dass ich's draufhabe"
Jukic im Interview über ihren größten Erfolg
·"Sie hat mit unseren Nerven gespielt"
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Vierter Wettkampftag im Zeichen der Amerikaner
Europameisterin Mirna Jukic hat Österreichs historische, weil erste Olympia-Medaille einer Athletin auf einer Schwimm-Einzelstrecke geholt. Der 22-Jährigen gelang in Peking mit dem Gewinn von Bronze über 100 m Brust in 1:07,34 Minuten ihr größter Karriere-Erfolg. Nur 1912 hatten Österreicherinnen davor eine Olympia-Medaille geholt, als Margarete Adler, Klara Milch, Josephine Sticker und Berta Zahourek in Stockholm Bronze über 4x100-m-Kraul gewannen.
Österreichs 16. olympische Schwimm-Medaille überhaupt bzw. die zweite für das Österreichische Olympische Komitee (ÖOC) bei diesen Spielen nach jener von Judoka Ludwig Paischer in Silber sicherte sich Jukic mit einem sehr starken Finish. Zur Hälfte des Rennens war die 22-Jährige mit einer langsameren Durchgangszeit als in Vorlauf und Semifinale 69/100 hinter Rang drei Sechste, schob sich auf den letzten Metern aber noch in die Podestränge.
"Ein Wahnsinn"
"Ich glaube, keiner fragt nach der Zeit", rief Jukic vor Glück lachend, als sie in die Mixed-Zone des "Water Cube" zum Interview kam. Wen kümmerte es denn tatsächlich, dass sie ihren österreichischen Rekord aus dem Olympia-Vorlauf um 28/100 Sekunden verpasst hatte. Wichtig war, dass Jukic 9/100 vor der viertplatzierten Russin Julia Efimowa lag. "Das war ein Wahnsinn. Ich bin einfach so glücklich", sagte das OSV-Ass.
Efimowa war jene Konkurrentin, die es zu schlagen galt. Das war Jukic klar. "Papa hat gesagt, du musst entweder Jones oder Efimowa schlagen, dann hast du eine Medaille. Und genau das habe ich gemacht." Leisel Jones war nicht zu besiegen. Die Australierin machte es diesmal besser als vor vier Jahren in Athen und setzte ihre Favoritenrolle in einen sicheren Sieg um. In 1:05,17 blieb die ebenfalls 22-Jährige nur 8/100 über ihrem Weltrekord.
Jukic war schnellste Europäerin
Auch die 21-jährige Rebecca Soni war zu stark für Jukic, die US-Amerikanerin sicherte sich in 1:06,73 Silber. Jukic: "Aber Efimowa war Gott sei Dank zu schlagen." 78/100 nahm die Wienerin der 16-Jährigen auf den zweiten 50 m ab. Efimowa hatte am Sonntag in den Vorläufen Jukic den eben erst geholten Europarekord abgeluchst. "Obwohl sie den Europarekord hat, habe ich jetzt den Status der schnellsten Europäerin im Finale. Das gefällt mir."
Jukic gab zu, vor den Spielen nicht mit so einem Erfolg gerechnet zu haben. "Hätte mir das jemand vor Peking gesagt, ich hole eine Medaille über 100 m Brust, hätte ich gesagt, du spinnst." Die väterliche Vorgabe in der Anzahl der Armzüge hat Jukic auch diesmal nicht eingehalten. Unbewusst, da es sich eben nicht anders ausgegangen ist. "Aber ich habe echt nicht viel darüber nachgedacht. Ich habe nur geschaut, dass ich in meinem Rhythmus bleibe", sagte sie.
Sprung über eigenen Schatten
Die SC-Austria-Wien-Athletin bezeichnete ihren Erfolg auch als Sieg über sich selbst, nachdem sie das Pfeiffer'sche Drüsenfieber vor zwei Jahren so zurückgeworfen hatte. "Ich bin über meinen eigenen Schatten gesprungen. Ich bin im Olympia-Finale gewesen, was ich damals wollte. Ich wollte nach Peking, ich wollte das Olympia-Finale schaffen. Die Medaille ist die Belohnung dafür, der liebe Gott hat es mir auch gegönnt."
Einer der ersten Wege nach Rennen und Dopingprobe führte die nach Markus Rogan zweite olympische Medaillengewinnerin der Schwimm-Neuzeit zu ihren Eltern, ihre Mutter war diesmal ja auch nach Peking gekommen. Danach stand die emotionale Siegerehrung auf dem Programm, bei der sich Jukic auch mit Jones freute. Lockeres Schwimmen im olympischen Dorf war für den Nachmittag geplant, dann ein Besuch im Österreich-Haus.
Dinko freut sich mit Mirna
Während Mirna Jukic Interviews gab, sah sie ihren Bruder Dinko im Fernsehen im Semifinale über 200 m Delfin auf Rang zehn schwimmen. Drei Zehntel fehlten dem 19-Jährigen schließlich zu seinem ersten Olympia-Finale. Aber er freute sich über die Verbesserung seines österreichischen Rekords um 29/100 auf 1:55,65 Minuten. "Ich bin glücklich, mein eigenes Rennen geschwommen zu sein", nahm er sein Ausscheiden nicht so tragisch.
Den ersten Hunderter ging der Student schneller an als im Semifinale, rund eine halbe Sekunde flotter als am Vorabend im Vorlauf. Der zweite Hunderter war dann zwar ein bisschen langsamer als in der Abendsession, doch eine persönliche Bestzeit in der Früh ist nicht zu verachten. Natürlich war er vom Erfolg der Schwester gefangen: "Ich freue mich unglaublich für Mirna." Dinko Jukic tritt bei den Spielen noch über 200 m Lagen an.
Final-Ergebnisse Schwimmen:
DAMEN - 100 m Brust:
1. Leisel Jones (AUS) 1:05,17 Minuten (Olympischer Rekord)
2. Rebecca Soni (USA)1:06,73
3. Mirna Jukic (AUT) 1:07,34
4. Julia Efimowa (RUS) 1:07,43
5. Megan Jendrick (USA) 1:07,62
6. Tarnee White (AUS) 1:07,63
7. Sun Ye (CHN) 1:08,08
8. Asami Kitagawa (JPN) 1:08,43
(apa/red)