Leichtathletik

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15.8.2008 15:59

Weidlinger fliegt durch das 'Kuckucksnest':
Leichtathlet nimmt die 10.000 m in Angriff

  • Bereits dritte Olympia-Teilnahme für den 30-Jährigen
  • Oberösterreicher findet kritische Worte für Ausbildung

Österreichs früheres Hindernis-Ass startet nach zehntägigem Training in Hongkong bei Olympia über 10.000 Meter und versucht dabei im Pekinger Nationalstadion ("Vogelnest"), bester Europäer oder gar bester Nicht-Afrikaner zu werden. Der einstige Studentenweltmeister und mittlerweile 30-jährige Oberösterreicher hat das Thema Hindernis endgültig abgehakt und blickt selbst über den "Zehntausender" bereits weit hinaus. Ab 2009 konzentriert sich Weidlinger auf den Marathon, 2012 will er auch bei den Spielen in London über 42,195 km starten.

Weidlinger ist bei seinem dritten Olympia-Auftritt einer von nur drei ÖLV-Leichtathleten neben Marathonläuferin Eva Maria Gradwohl und Diskuswerfer Gerhard Mayer. 2000 in Sydney waren es noch 13, selbst vor vier Jahren in Athen noch 6 gewesen. Ein Niedergang, der für Weidlinger mehrere Gründe hat. Fehler etwa in den 1990er-Jahren, als man geblendet von den Erfolgen einer Theresia Kiesl oder später Stephanie Graf vergessen habe, den Nachwuchs zu fördern.

"Das trifft uns jetzt ziemlich hart, sollte in vier Jahren aber ausgemerzt sein. Wir waren gerade mit dem größten Team aller Zeiten bei der Junioren-WM", ist Weidlinger überzeugt, "dass wir in vier Jahren in London wieder mit einem Team wie in Sydney antreten." Bis dahin müsse man sich durchkämpfen. "Die drei, die in Peking sind, sind aber gut. Ich hätte gerne auch Pröll und Mayr und Schwarzl hier gesehen."

"Wir sind eine degenerierte Gesellschaft"
Das prinzipielle Problem ortet aber auch Weidlinger wo anders. "Ich mach in den Schulen mit den Kids Lauf- und Koordinationsübungen. Es ist katastrophal, was man dort sieht. Kein Wunder, wenn jedes Kind, dass 500 Meter zur Schule hat, mit dem Auto geführt wird", meinte er.

So etwas gebe es in Afrika und im Ostblock nicht. "Deshalb kommen auch von dort die besten Athleten her. Wir hier haben längst nicht mehr die muskuläre Leistungsfähigkeit der Großeltern", glaubt der Läufer. "Wir sind eine degenerierte Gesellschaft. Wenn man in Afrika Straßen baut, werden die dort in ein paar Jahren genauso langsam sein wie wir."

Gedopte Sportler wären strafrechtlich zu verfolgen
Freilich hat auch der Doping-Reinigungsprozess in Österreich gegriffen. "Natürlich haben uns Fälle wie Lichtenegger und Pumper wehgetan", so Weidlinger, dem das neue Antidopinggesetz sogar nicht weit genug geht. Er plädierte daher dafür, gedopte Sportler auch strafrechtlich zu verfolgen.

Selbst der Radsport sei da schon weiter, ist Weidlinger überzeugt. "Bei uns passiert noch viel zu wenig", berichtet Weidlinger, der zuletzt mit 40 Weltklasseathleten in St. Moritz war. "Getestet wurden dort aber nur Mayr und ich!" Er sei draufgekommen, dass zuletzt vier Athleten, die ihm Plätze und zum Teil sogar Medaillen weggenommen hatten, im Nachhinein gesperrt worden sind: "Das tut weh. Solche Athleten gehören aussortiert, bevor sie Medaillen holen!"

Mehr intelligente Kontrollen zur richtigen Zeit und die strafrechtliche Verfolgung auch für Sportler wie etwa in Frankreich oder Italien sind für Weidlinger deshalb ein Muss. Durch das vielfach als wegweisend und sogar vom IOC gelobte neue Antidoping-Gesetz in Österreich passiere gar nichts. "Niemand wird die Hintermänner verraten und eine zweijährige Sperre hat noch niemand vom Dopen abgehalten." Wenn hingegen Gefängnis drohe, würde sich das relativieren. "Denn Niemand geht wegen ein paar Tausendern oder einer Medaille ins Gefängnis. Und wer im Sport bescheißt, ist ein Betrüger", stellt der Oberösterreicher fest.

Dritte Spiele für Weidlinger
In Peking bestreitet Weidlinger seine dritten Spiele, erstmal ist er aber nicht im Hindernislauf am Start. Seine Hoppalas auf dieser Strecke sind unvergessen. "Ich bin einer der kleinsten und schmächtigsten im Feld, da genügt oft schon ein leichter Schubser."

Bevor er im Frühjahr 2009 gleich bei seinem ersten Marathon den österreichischen Uralt-Rekord von Gerhard Hartmann (2:12:22 Stunden) auslöschen will, soll ein akzeptables 10.000-m-Ergebnis in Peking her. "Die drei Äthiopier und ein, zwei Kenianer werden's unter sich ausmachen", ist Weidlinger überzeugt. Der Oberösterreicher tippte Kenenisa Bekele vor Sileshi Sihine und Haile Gebrselassie.
(apa/red)

15.8.2008 15:59
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