Südkoreas Tischtennis-Asse leider zu stark:
ÖTTV-Herren verlieren den Kampf um Bronze
- Werner Schlager verliert gleich die Auftaktbegegnung
- Robert Gardos sorgt für zwischenzeitlichen Ausgleich

Das österreichische Tischtennis bleibt vorerst weiter ohne Olympia-Medaille. Das ÖTTV-Herrenteam ließ die bisher größte Chance aus, indem es im Duell um Bronze Südkorea 1:3 unterlag und damit den allerdings auszeichneten vierten Platz belegte. Es ist das vierte "Blech" für das ÖOC-Team bei diesen Spielen nach Mirna Jukic über 200 m Brust, Markus Rogan über 200 m Rücken und Christiane Soeder im Rad-Straßenrennen der Damen.
Die Koreaner waren als Favoriten in die Partie gegangen. Doch nach den guten Leistungen der österreichischen Equipe im bisherigen Turnierverlauf durften sich Werner Schlager und Co. Chancen ausrechnen. Der Ex-Weltmeister unterlag jedoch gleich zum Auftakt Oh Sang Eun, obwohl er den ersten Satz nach Abwehr von vier Satzbällen noch für sich entschieden hatte.
Doch der nach einer Schulteroperation 2007 wieder voll fitte Oh spielt bei diesem Turnier in sehr gute Form, seine einzige Einzel-Niederlage bisher musste er gegen den Chinesen Ma Lin nur knapp mit 2:3 hinnehmen. "Oh war sehr stark drauf", analysierte Schlager, nachdem dieser mit Yoon Jae Young auch das Doppel gegen Robert Gardos/Chen Weixing gewonnen hatte. "Dass er zwei Punkte gegen uns macht, damit haben wir nicht gerechnet."
Doppel war entscheidend
Auf den Doppelpunkt hatten die Österreicher stark gehofft. "Das hat entschieden", meinte Gardos, nachdem er und Chen es mit 0:3 verloren geben mussten. Schlager: "Oh war vor allem mental stark, er hat eine sehr hohe Qualität gespielt." Gardos hatte davor in toller Weise für den ÖTTV-Punkt gesorgt, indem er mit einem 3:1 gegen Olympiasieger Ryu Seung-min seinen ersten Sieg gegen einen nicht-österreichischen Top-Ten-Spieler feierte.
Gardos hatte schon Chen besiegt, als dieser Top Ten war. Nun feierte der 29-Jährige hintereinander Siege gegen den griechischen Weltranglisten-17. Kalinikos Kreanga, gegen den japanischen Ranking-19. Kan Yo sowie sogar gegen den Weltranglisten-Achten Ryu. Der hat jedoch bei Olympia 2008 generell noch nicht seine Bestform erreicht, von nun insgesamt acht Einzel gewann er nur drei. Für Chen reichte es aber.
ÖTTV-Bundestrainer Ferenc Karsai: "Ryu spielt gut gegen Verteidiger, wie alle Asiaten." Chen hatte bisher immer gegen den mit SVS Niederösterreich am 6. Mai Champions-League-Sieger gewordenen Triumphator von Athen 2004 verloren, und so war es auch diesmal. Die Koraner nutzten die sich aus dem Spielsystem bietende Möglichkeit, Oh im Doppel und Ryu im Einzel gegen Chen spielen zu lassen.
Ryu setzt "Vorhand-Bombe" ein
Chen verlor glatt 0:3, was Schlager befürchtete. "Die Partie hat eigentlich gegen uns gespielt. Weil die beiden kennen sich sehr gut und Ryu hat einfach eine Vorhand-Bombe." Die hat er dann auch eingesetzt, wodurch es nicht mehr zum Entscheidungsspiel von Schlager gegen den neuen SVS-NÖ-Spieler Yoon Jae Young um die Medaille kam.
Das Resümee des Teambewerbs aus österreichischer Sicht fiel bei Schlager nun zwiespältig aus: "Das ist unser bestes Resultat. Ich kann mich schon ein bisschen freuen, aber es war doch knapp vor einer Medaille. Den letzten Schritt haben wir nicht ganz geschafft." Zu seiner Leistung meinte der 35-Jährige: "Von der Variation und vom Mentalen war ich recht zufrieden. Ich war ziemlich fokussiert. Nur habe ich die einfachen Bälle nicht getroffen."
Gardos konnte sich über seine Vorstellung, nicht aber sonst freuen. "Das war eine gute Leistung von mir. Aber die zählt nicht viel, wenn man mit der Mannschaft verliert", erklärte der Tiroler. Karsai zog ein nüchternes Resümee: "Korea war einfach besser. Schlüsselmatch war das erste Spiel. Wenn Werner gewonnen hätte, hätten wir eine Chance gehabt. Dass die Koreaner gegen Verteidiger so gut spielen, war für uns ein großer Nachteil."
Kritik am Turnier-System
Der Coach begrüßte die Einführung des Teambewerbs bei Olympia, aber nicht uneingeschränkt. "Der Mannschaftsbewerb ist keine schlechte Idee, nur das System ist nicht ideal." Der Ungar bekrittelte, dass für den Gewinn der Bronze-Medaille nach der Gruppe drei Partien zu spielen waren. "Das ist nicht die beste Lösung." Karsai würde eher eine Variante mit echtem Viertel- und Semifinale oder Kreuzspielen begrüßen.
TISCHTENNIS - Teambewerb - Herren - Spiel um Bronze:
Südkorea - Österreich 3:1
Oh Sang Eun - Werner Schlager 3:1 (-10,5,8,5)
Ryu Seung Min - Robert Gardos 1:3 (-12,-8,11,-5)
Yoon Jae Young/Oh - Gardos/Chen Weixing 3:0 (8,4,11)
Ryu - Chen 3:0 (9,5,7)
(apa/red)