Olympia 2008

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16.8.2008 12:22

Die Herren der Ringe: Peking Wendepunkt für das Internationale Olympische Komitee

  • FORMAT: Noch nie wurde das IOC so scharf kritisiert
  • Und nie hat es an den Spielen so viel Geld verdient

So hatte sich das Jacques Rogge, der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees, wohl nicht vorgestellt: harsche Kritik wegen Zensur und Menschenrechtsverletzungen statt sportlicher Euphorie im Pressezentrum. Terrorangst und Visaprobleme für Sponsorengäste statt leise klimpernder Champagnergläser im VIP-Zelt. Als Rogge dann neben dem chinesischen Staatspräsidenten stand und feierlich die Spiele eröffnete, wirkte der sonst so joviale Belgier entsprechend verkrampft: Dieses Bild – der Führer der größten Diktatur der Welt vertraut neben dem Vertreter der olympischen Idee – wird den Belgier weiter verfolgen.

Peking ist ein Wendepunkt in der Geschichte des IOC: Es habe durch die Veranstaltung der Spiele in einer Diktatur ebendiese olympische Idee für Geld verraten, werfen Presse, Menschenrechtsorganisationen und selbst Athleten den Herren der Ringe vor. Allerdings für sehr viel Geld.

Olympische Milliarden
Peking bedeutet einen neuen finanziellen Rekord für das IOC: 1,737 Milliarden Dollar lukriert das Olympische Komitee aus den Übertragungsrechten, 866 Millionen zahlen die zwölf Top-Sponsoren. Allein VW ersteigerte den Titel des offiziellen Transporteurs um 120 Millionen Dollar – 105 Millionen mehr, als Hyunday 2004 in Athen zahlen musste. Dazu kommen 1,2 Milliarden, die das chinesische Organisationskomitee von Sponsoren kassiert. Zusammen mit den Eintrittsgeldern bringt Peking so die Rekordsumme von fünf Milliarden Dollar. Und auch dies ist nur ein Bruchteil des Geldes, das in Olympia umgewälzt wird. China selbst übernahm den Bau aller Sportstätten und machte dafür 40 Milliarden Dollar locker. Die Sponsoren wie VW, adidas und McDonald’s geben im Schnitt das Dreifache der Einstandssumme für die PR- und Werbemaßnahmen rund um die Spiele aus. Dabei dürfen sie in den Stadien nicht einmal präsent sein: Die Spiele sind eine werbefreie Zone, was wiederum die Erlöse aus den TV-Übertragungsrechten in die Höhe treibt (die Sender können so die Werbezeiten lukrativ an andere Unternehmen verkaufen). Dafür schützt Olympia seine Sponsoren vor Ort – China hat dazu kurzerhand alle Plakatwände mit dem Motto „one world, one dream“ zugekleistert.

Harte Kritik
Nun wird das IOC weltweit dafür kritisiert, für diesen Geldregen die olympische Idee verraten zu haben: Rogge äußerte sich nur einmal indirekt zu Menschenrechtsverletzungen – und wurde von China prompt gemaßregelt wie ein Schulbub. Das IOC akzeptiert die Internetzensur im Pressezentrum ebenso wie das Verbot politischer Stellungnahme. Doch die Kritik, das IOC verrate die Werte der Demokratie, geht ins Leere: Das Komitee der alten Herren ist ein privater Verein, war selbst nie demokratisch, und Pressefreiheit und Korruptionsbekämpfung sind kaum die Hauptanliegen seiner Mitglieder.

Lustreisen abgeschafft
Rogge schaffte als Erstes die Lustreisen der IOC-Mitglieder in die Bewerberstädte ab – was ihm nun von IOC-Mitglied Prinz Tunku Imrad aus Malaysia empört angekreidet wurde. Doch Rogge bleibt hart: Auch ohne private Luxusreisen und wertvolle Geschenke an die Mitglieder kann er den Eindruck schlecht abwehren, dass es den Herren der olympischen Ringe mehr um den Zaster als um die Völkerverbindung geht. Und das nicht nur in Peking: Sonst wären die Winterspiele 2014 wohl kaum an einen Schwarzmeerbadeort mit subtropischem Klima, ohne Kläranlage und Skilift vergeben worden. Doch Sotchi hat Gazprom und die russischen Oligarchen Oleg Deripaska und Wladimir Potanin, die dem IOC in Guatemala zur Bewerbung eine Eisbahn vor die Füße bauten. Damit sind Steigerungen im olympischen Geldregen auch für die nächsten Jahre sicher.

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16.8.2008 12:22
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