Freitag, 15. August 2008

Tore waren Balsam auf Jankos Wunden: Stürmer versenkte bei Suduva zwei Elfer

  • Frustabbau nach Nicht-Nominierung für ÖFB-Team
  • Adriaanse: "Er ist mental ein bisschen angeschlagen"

Fußballer können höchst sensible Menschen sein. Vor allem dann, wenn sie schlechte Nachrichten erhalten. Die Nicht-Nominierung für das ÖFB-Team hat Marc Janko offensichtlich ziemlich zugesetzt. Der 25-jährige Salzburg-Stürmer war im UEFA-Cup-Quali-Gastspiel beim FK Suduva Marijampole (4:1) lange Zeit ein Schatten seiner selbst - bis er denn Ball zweimal auf den Elfmeterpunkt legte und zweimal sicher verwandelte.

"Das war unglaublich wichtig für mich und hat mir wieder Selbstvertrauen gegeben", erklärte Janko. Denn bis dahin hatte der Führende der Bundesliga-Schützenliste überhaupt nicht ins Spiel gefunden und zudem zwei Großchancen ausgelassen. "Ich war völlig verunsichert. Das hat man mir auch angesehen", gestand Janko. "Die Situation mit dem Nationalteam hat mich sehr belastet. Die vergangenen Tage waren nicht einfach für mich."

Am Dienstag hatte der neue ÖFB-Teamchef Karel Brückner seinen Kader für das Testspiel am 20. August in Nizza gegen Italien bekanntgegeben und dabei trotz sieben Toren in fünf Ligaspielen auf Janko verzichtet. Dieser war vor allem davon enttäuscht, dass ihn aus dem ÖFB nicht einmal jemand kontaktiert hatte. Der in Hochform befindliche Janko, der schon die EURO 2008 im eigenen Land verpasst hatte, hatte den Kader aus den Medien erfahren.

Brückner hatte darin im Angriff den bei der EM glücklosen Roland Linz und Roman Kienast sowie dem Rapid-Sturmduo Stefan Maierhofer und Erwin Hoffer den Vorzug gegeben. Mit öffentlichen Kommentaren hat sich Janko bisher zwar zurückgehalten, seine Enttäuschung stand ihm allerdings ins Gesicht geschrieben. Verletzungen hatten den 1,96-Meter-Mann bereits zahlreiche internationale Einsätze gekostet, im Moment ist er allerdings topfit.

Janko fand nichts ins Spiel
Mental hat ihn die Woche mehr mitgenommen, als es ihm lieb war, gestand Janko nach seinem Doppelpack in Litauen. "Ich habe überhaupt nicht ins Spiel gefunden. Das hatte wohl auch mit der schwierigen Situation im Nationalteam zu tun", meinte der 25-Jährige. Dennoch schnappte er sich in Minute 57 nach Foul an ihn selbst den Ball, setzte ihn unhaltbar in die Maschen. Fünf Minuten später wiederholte sich das Spiel - Frustabbau der Marke Marc Janko.

Auch Salzburg-Trainer Co Adriaanse hatte mit seinem Goalgetter über die Nationalteam-Problematik gesprochen. "Es belastet ihn. Er ist mental ein bisschen angeschlagen", verriet der Niederländer. Umso wichtiger seien die zwei Tore gewesen. Auch Brückners Philosophie sei besprochen worden. "Vielleicht will er nur einen großen Stürmer und Maierhofer ist auch ein sehr guter. Außerdem bildet er auch im Club ein Duo mit Hoffer", meinte Adriaanse. "Ich habe Marc gesagt, dass er noch jung ist, und sich bei uns gut entwickeln kann."

Lob vom Trainer
Adriaanse hält trotz der Konkurrenz durch Louis Ngwat-Mahop, Robin Nelisse und den bald wieder fitten Alexander Zickler an Janko fest. "Er ist sehr effektiv, kann immer ein Tor machen", lobte sein Coach. Für Janko ein schwacher Trost, will er diese Qualitäten doch auch im Nationalteam unter Beweis stellen. Erst drei Länderspiele hat er seit 2006 bestritten, auf sein erstes Tor wartet er noch. Am Mittwoch im Test gegen Weltmeister Italien wird er es nicht erzielen, aber zumindest sein Selbstvertrauen hat Janko zurück. (apa/red)

15.8.2008 10:07