US-Wahlkampf im Schatten von Georgien:
Kandidaten nutzen den Krise zur Profilierung
- Streit über den Umgang mit Russland entbrannt
- McCain kritisiert Vorgehen von Russland scharf

Für den georgischen Präsidenten Michail Saakaschwili ist John McCain voll des Lobes, auch wenn ihm der Name des US-Verbündeten nicht recht von der Zunge gehen will. Gleich drei Mal verstolperte sich der US-Präsidentschaftskandidat bei einem Presseauftritt und machte Saakaschwili zu "Schaskawili". Der Lapsus illustriert, wie unerwartet die Eskalation im Kaukasus die US-Wahlkämpfer vor den Praxistest stellte. Den Demokraten Barack Obama ereilte die Krise gar im Hawaii-Urlaub. Beide versuchen, aus dem Konflikt Kapital zu schlagen und sich als Krisenmanager zu profilieren - Obama mit Aufrufen zu Besonnenheit, McCain mit Härte gegen Moskau.
Vor allem der Republikaner und langjährige Außenpolitiker McCain sieht den Konflikt um den fernen Krisenherd Südossetien als Chance. Über dem Kandidatenduell McCain gegen Obama steht schließlich inoffiziell das Motto "Erfahrung gegen Neubeginn". Der 72-jährige McCain will mit Erfahrung punkten, der 47 Jahre alte Obama bietet sich als Garant des politischen Neubeginns in Washington an. In Krisenzeiten freilich setzen Wähler eher auf Erfahrung, hofft das Lager von McCain.
Obama verurteilt Eskalation
Die Wahlkämpfer schlachten potenzielle Blößen des Gegners ohne Gnade aus. Obama etwa hatte in einer ersten Reaktion lediglich "die Eskalation der Gewalt in Georgien" verdammt, ohne einen Aggressor beim Namen zu nennen und explizit die russische Führung zu kritisieren - für McCains Team ein gefundenes Fressen, um Obama abermals als unerfahren und naiv zu kritisieren.
"Die Reaktion von Obamas Kampagne auf diese Krise richtet sich gegen unsere demokratischen Verbündeten und steht auf bizarre Weise in Einklang mit Moskau", sagte McCains Sprecher Tucker Bounds. "Diese Reaktion wirft nicht Fragen zu Senator Obamas Urteilsvermögen auf - es beantwortet sie." Einen Tag später ließ Obama eine Erklärung veröffentlichen, in der er Russland für seine "aggressiven Aktionen" und die "Invasion in Georgien" kritisierte, zugleich aber eine diplomatische Lösung mit Moskau fordert.
McCain kritisiert Russland
McCain sieht sich durch Russlands militärische Machtdemonstration im Kaukasus in seiner harten Haltung gegenüber Russland bestätigt, die jene in der Regierung seines Parteifreunds George W. Bush weit übertrifft. Der Senator fordert seit langem, Russland wegen Demokratiedefiziten aus der G-8, dem Plenum der großen Industriestaaten, auszuschließen. Für Bushs fast schon legendäre Äußerung, er habe in Putins Augen geblickt und dort einen Freund gesehen, hat McCain nur Spott übrig: "Wenn man in Putins Augen blickt, sieht man den KGB."
Ob McCains Strategie beim Wähler verfängt und die Zweifel an der Krisentauglichkeit des Aufsteigers Obama wachsen, ist offen. Er wäre nicht der Erste, der mit dieser Linie gegen Obama scheitert. Dessen innerparteiliche Rivalin Hillary Clinton hatte den Vorwahlkampf gegen Obama ganz auf ihre langjährige Erfahrung und ihre Kompetenz in außenpolitischen Krisensituationen zugeschnitten - und trotzdem verloren.
Kaukasus-Krise keinen Einfluss auf Wahl
In Umfragen schreibt eine große Mehrheit der US-Wähler dem Republikaner McCain mehr Kompetenz in der Außenpolitik zu. Allerdings sagen auch die meisten Wähler, dass sie innenpolitische Themen wie die Konjunktur und Energiepreise wichtiger finden. Hier liegt Obama vorne. Bis zum Wahltag im November könnte die Sommerkrise im Kaukasus längst vergessen sein, vermutet der Demoskop Frank Newport vom Institut Gallup: "Die Wahrscheinlichkeit, dass diese Ereignisse den Präsidentschaftswahlkampf maßgeblich verändern werden, ist wohl sehr gering."
(apa/red)
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