Freitag, 15. August 2008

Moskau und Tiflis im Propagandakrieg:
Konfliktparteien werfen sich Gräueltaten vor

  • Saakaschwili erhebt Vorwürfe in CNN-Interview
  • Russland will Merkel Beweise für Verbrechen vorlegen

Der georgische Präsident Saakaschwili hat Russland vorgeworfen, Milizionäre in Georgien in großem Umfang plündern, töten und vergewaltigen zu lassen. "Das bereitet uns große Sorgen", sagte der Staatschef in einem CNN-Interview. Russland will indes beim Treffen von Deutschlands Bundeskanzlerin Merkel mit Präsident Medwedew Beweise für georgische Gräueltaten in Südossetien vorlegen.

Russlands Botschafter in Berlin, Kotenew, sagte der "Bild"-Zeitung": "Die georgischen Truppen haben Frauen und Kinder ermordet, Kirchen voller Flüchtlinge angezündet und ganze Dörfer niedergewalzt. Wir können dafür konkrete Beweise vorlegen."

Konfliktlinien in der EU-Russland-Politik
Außerdem wolle der russische Präsident Merkel vor einem zu großen Einfluss der osteuropäischen EU-Staaten auf die EU-Russland-Politik warnen. Kotenew sagte: "Präsident Medwedew will keinen Keil in die EU treiben. Aber er wird der deutschen Kanzlerin klarmachen, dass die osteuropäischen EU-Länder nicht allein die Russland-Politik der EU bestimmen dürfen. Das würde eine echte Partnerschaft verhindern."

Zugleich wehrte sich Kotenew gegen die internationale Kritik am Vorgehen Moskaus im Kaukasus. "Wer Russland jetzt an den Pranger stellt, schenkt einem georgischen Regime Glauben, das für einen Völkermord verantwortlich ist. Das verhöhnt die Opfer", sagte Kotenew. Es liege ausschließlich am Westen, "ob es eine neue Eiszeit gibt".

Das russische Militär habe "eine riesige Zahl irregulärer Truppen" nach Georgien gebracht und wolle auf diese Weise den Willen des georgischen Volkes brechen, sagte wiederum Saakaschwili. Laut Georgiens Präsidenten kontrollierten russische Soldaten am Donnerstag rund ein Drittel des georgischen Territoriums, darunter auch die Stadt Gori. Auf die Frage, ob er sich angesichts der Invasion den Einsatz von US-Truppen wünschen würde, sagte der Präsident: "Das hat man uns nie vorgeschlagen."
(apa/red)

15.8.2008 08:45