Dienstag, 12. August 2008

Anschlag auf Militärfahrzeug in Pakistan: Mindestens 14 Tote und mehrere Verletzte

  • Militärbus wurde bei der Detonation völlig zerstört
  • Vergeltungsschlag von Radikalislamisten vermutet

Bei einem Bombenanschlag auf einen Bus der pakistanischen Luftwaffe sind nach offiziellen Angaben mindestens 14 Menschen getötet worden. Dutzende weitere Militärangehörige und Zivilpersonen wurden verwundet, wie Augenzeugen berichteten. Der Anschlag ereignete sich auf einer Brücke am Stadtrand von Peshawar, der Bus war auf dem Weg zum Luftwaffenstützpunkt in Badaber.

Der Nachrichtensender Dawn meldete, der Sprengsatz sei unter der Brücke versteckt gewesen und ferngezündet worden. Der Bus sei von der Wucht der Explosion vier bis fünf Meter in die Luft geschleudert worden. Möglicherweise habe es sich um einen Vergeltungsschlag von radikalislamischen Aufständische in der Region gehandelt. "Es scheint einen Zusammenhang mit der Lage in den Stammesgebieten zu geben", sagte der Polizeichef der Nordwest-Grenzprovinz, Malik Naveed. Erst am Montag bombardierte die pakistanische Luftwaffe eine Stellung islamischer Kämpfer im Grenzgebiet zu Afghanistan. Dabei wurden mindestens 50 Aufständische getötet. In den vergangenen Tagen starben dort bei Gefechten mehr als 160 Rebellen.

Radikalislamische Taliban hatten mit Angriffen als Vergeltung für Militäreinsätze im Nordwesten Pakistans gedroht. Der pakistanische Innenminister Rehman Malik erklärte, vermutlich steckten Gruppen, die mit dem Terrornetzwerk Al Kaida verbunden seien, hinter dem Angriff. Pakistan habe Angriffe gegen die Taliban geführt, bestätigte er. Malik wollte aber nicht sagen, ob der Anschlag eine Reaktion auf diese Angriffe sei. "Wir sind fest entschlossen, den Terrorismus in Pakistan auszurotten", sage er. Alle Sicherheitsbehörden würden für dieses Ziel ihre Kräfte bündeln.

Amtsenthebungsverfahren
Die Regierungskoalition in Pakistan setzte indes einen weiteren Schritt zur Entmachtung von Staatspräsident Pervez Musharraf. Das Provinzparlament in der Nordwest-Grenzprovinz sprach dem umstrittenen Machthaber am Dienstag mit überwältigender Mehrheit das Misstrauen aus. Am Vortag hatte das Provinzparlament im Punjab mit großer Mehrheit eine Resolution beschlossen, in der der Präsident aufgefordert wurde, sich im Unter- und Oberhaus in Islamabad sowie in den vier Provinzparlamenten einer Vertrauensabstimmung zu stellen. Ansonsten solle im Parlament in Islamabad das von der Regierung angedrohte Amtsenthebungsverfahren eingeleitet werden.

Musharraf hat einen freiwilligen Rücktritt ausgeschlossen. Es gilt als unwahrscheinlich, dass er die Vertrauensfrage stellt, da er keine Mehrheit in den Parlamenten hat. Die Regierungskoalition arbeitet bereits an einem "Anklageprotokoll" für das Amtsenthebungsverfahren.

(apa/red)

12.8.2008 14:50