"Sehe es als patriotische Verpflichtung":
Jörg Haider wird Spitzenkandidat des BZÖ
- Wird Mandat nicht annehmen: Bleibt LH in Kärnten
- Kritik von Mitbewerbern: "Pflanzerei der Wähler"

Jörg Haider ist Spitzenkandidat des BZÖ für die Nationalratswahl. Der designierte Parteichef und Kärntner Landeshauptmann bestätigte seine Kandidatur. Gleichzeitig betonte er aber auch, dass er weiterhin Landeshauptmann bleiben werde. Ein Mandat für den Nationalrat werde er nicht annehmen. "Ich sehe es als meine patriotische Verpflichtung", begründete Haider sein neuerliches Engagement in der Bundespolitik. Von seinen politischen Mitbewerbern erntete er dafür Kopfschütteln. Haiders Kandidatur sei "eine Pflanzerei der Wähler", meinte etwa Lothar Lokl von den Grünen.
Weitere Kandidaten sollen in den kommenden Tagen und Wochen bekanntgegeben werden. Ob der frühere FPÖ-Klubobmann und Volksanwalt Ewald Stadler nun für das BZÖ kandidiert, bleibt weiter offen. Bei der Pressekonferenz wurde ein Antreten Stadlers weder bestätigt noch dementiert.
Als eigentlichen Gegner im Wahlkampf hat sich Haider die beiden Großparteien SPÖ und ÖVP ausgesucht. Mit der FPÖ werde es keine Auseinandersetzung geben, betonte er. Das einzige, worauf sich eine Konfrontation mit den Blauen beschränken werde, werde der Vergleich zwischen "Original und Kopie" sein. Als Wahlziel nannte Haider "stärker zu werden". Nach oben gebe es keine Begrenzung so der BZÖ-Spitzenkandidat.
BZÖ will wieder regieren
"Wir scheuen uns nicht, Verantwortung auf Bundesebene Verantwortung zu übernehmen", macht Spitzenkandidat Jörg Haider klar. Obwohl der designierte orange Parteichef ein Mandat nicht annehmen werde, will er dennoch bei Regierungsverhandlungen und beim "Mitgestalten" am Tisch sitzen. Generalsekretär Stefan Petzner bezeichnete das als "Bedingung".
Die einzige Steigerung, die sich Haider zu seinem Amt als Kärntner Landeshauptmann vorstellen kann ist Bundeskanzler. Die Kandidatur bei der kommenden Landtagswahl in Kärnten stehe jedenfalls nicht infrage. "Ich bin mehr oder weniger das Gütesiegel für meine Fraktion", so die Selbsteinschätzung. Auf die Frage nach einem eventuellen Ministerposten antwortete er weniger konkret: "Ich denke nicht in Posten, sondern in Lösungen."
Kampfansage an Großparteien
Haider ließ keinen Zweifel daran, den Parteien der derzeitigen Koalition den Kampf anzusagen. "Mir tut die österreichische Bevölkerung leid, dass sie mit so einer dilettantischen Regierung konfrontiert ist", ließ er bereits in Richtung potenzielle Wähler verlauten. Das BZÖ wolle Hoffnung geben - und das vorzugsweise mit dem Kärntner Modell. Von südlichen Errungenschaften wie Gratis-Kindergarten und Billig-Diesel solle bald, geht es nach Haider, ganz Österreich profitieren. Das offizielle Motto dazu: "Packen wir's an und legen wir los."
"BZÖ - Liste Jörg Haider" wird die offizielle Bezeichnung für die Orangen auf dem Wahlzettel lauten.
Häme von politischen Mitbewerbern
Durchgehend verwundert haben sich die politischen Mitbewerber über Jörg Haiders Aussagen zu seiner Spitzenkandidatur für das BZÖ gezeigt. So sorgt der Umstand, dass der Kärntner Landeshauptmann gleichzeitig Platz eins der Liste belegt, aber das Mandat nicht annehmen will, für Häme von SPÖ, Grünen, FPÖ und Liberalem Forum. Tenor: Haider täusche dadurch die Wähler.
Die SPÖ schickte den Wiener Landesparteisekretär Harry Kopietz vor, um ihre Verwunderung über Haiders Pläne auszudrücken. "Das ist neu: Gleichzeitig da und weg zu sein, schafft auch nur 'Bin-da-bin-schon-wieder-weg-Haider'", meinte dieser in einer Aussendung. Für den Wahlkampf befürchtet er nun "das Schlimmste": "Kasperl Haider gegen das Krokodil Strache - das wird brutal."
"Bürger für dumm verkaufen"
"Nun wollen nicht nur SPÖ und ÖVP die Bürger für dumm verkaufen, auch Jörg Haider gesellt sich dazu", meinte der Bundesparteisekretär der Grünen, Lothar Lockl. Und auch er: "Die Nominierung eines Spitzenkandidaten für die Nationalratswahl, der gar nicht in den Nationalrat wechseln will, ist eine neue Episode im blau-orangen Kabarettprogramm." Die Haider-Kandidatur sei "eine plumpe Mogelpackung, eine Pflanzerei der Wähler".
Noch nichts fix trotz Haiders Kandidatur-Ankündigung ist für die FPÖ. "Der Umstand, dass Jörg Haider heute den orangen Spitzenkandidaten mimt, heißt, wie die Erfahrung lehrt, noch lange nicht, dass er auch am 28. September noch Spitzenkandidat ist", sagte Generalsekretär Herbert Kickl. "Vielleicht hat er es sich morgen oder nächste Woche schon wieder anders überlegt." Haider müsse sich außerdem die Frage gefallen lassen, wen er jetzt anschwindle, wenn er zwei unvereinbare Ziele verfolge.
Kopfschütteln beim LIF
Mit Kopfschütteln reagierte LIF-Bundessprecher Alexander Zach auf Haiders Kandidatur. "Ein Spitzenkandidat, der nicht bereit ist nach der Wahl Verantwortung zu übernehmen, ist nicht nur unglaubwürdig, sondern auch eine Wählertäuschung, die klar durchschaubar ist." Und der Kärntner Spitzenkandidat Rudi Vouk, der durch seinen Aktionismus in Sachen Ortstafeln schon mehrmals Zielscheibe Haiders geworden ist, sieht in dessen Verweigerung des Mandats eine "notorisch kindische Zurückweisung von Verantwortung" sowie ein verantwortungsloses Spiel mit der Demokratie und den Menschen".
(apa/red)
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