Samstag, 16. August 2008

Unwetter fordern Todesopfer in Europa:
Umstürzende Bäume als tödliche Gefahr

  • Steiermark und Kärnten besonders schwer betroffen
  • Nächste Atlantikfront wird für Dienstag erwartet

In weiten Teilen Österreichs sind schwere Unwetter niedergegangen. Vor allem Kärnten und die Steiermark waren betroffen. Nahe Leoben wurde eine Frau von einem umstürzenden Baum erschlagen, ebenso zwei jugendliche Festivalbesucher in der Westslowakei. Auch in Norditalien und Polen kamen mindestens vier Menschen nach starken Niederschlägen und Stürmen ums Leben. Vorerst rechnen die Meteorologen zeitweise wieder mit etwas Sonne, am Dienstag soll in Vorarlberg die nächste Atlantikfront eintreffen.

Bereits am Freitagnachmittag führten heftige Regenfälle im Gailtal in Kärnten zu zahlreichen Überflutungen und Straßensperren. Auch am Katschberg im Bezirk Spittal wurden Erdrutsche registriert. In Hermagor war es bereits in den frühen Morgenstunden zu ersten Überflutungen gekommen.

In den obersteirischen Bezirken Knittelfeld, Bruck an der Mur und Mürzzuschlag wurden Autos, Häuser und Ackerflächen von Hagelkörnern beschädigt und Straßen durch entwurzelte Bäume versperrt. Auf der Schafferalm in St. Stefan ob Leoben wurde eine 41-jährige Frau vor den Augen ihres Mannes und ihrer Tochter von einem umstürzenden Baum getötet, nachdem die Familie dort Schutz vor einem Hagelsturm gesucht hatte. In der Nacht auf Samstag war die obersteirische Gemeinde Johnsbach nach einem Murenabgang vorübergehend nicht erreichbar, in der Oststeiermark brannten vermutlich nach Blitzeinschlägen zwei Häuser nieder. In Graz musste die Murpromenade für Fußgänger gesperrt werden.

Vergleichsweise ruhig verlief die Nacht auf Samstag in den restlichen Bundesländern: Im Waldviertel im Raum Gmünd blockierten umgestürzte Bäume mehrere Straßen. Im Burgenland wurden Keller überflutet; in den Bezirken Güssing und Oberwart fielen Bäume auf Hausdächer und ein Blitzschlag entfachte einen Dachbrand. In Wien verzeichnete die Feuerwehr rund 20 kleine Sturmeinsätze u. a. wegen umgestürzter Mistkübel. In Tirol beschäftigten zwei überflutete Keller und ein umgestürzter Baum die Einsatzkräfte. Kaum Einsätze wegen Unwetter verzeichneten die Feuerwehren in Oberösterreich. In Steyr musste aber die Hochwasser-Vorwarnstufe ausgerufen und der Ennskai gesperrt werden.

Weitere Todesopfer gab es auch außerhalb Österreichs: Bei Turin wurde am Freitag ein zehnjähriger Bub von einem Blitz erschlagen, in Genua ertrank ein 37-jähriger Italiener. Eine deutsche Touristin wurde vorerst noch vermisst, nachdem sie bei Ventimiglia westlich von Genua trotz starken Windes und hoher Wellen ins Wasser gegangen war. In Schlesien kam ein Mann im Sturm ums Leben, ein weiterer starb in der Woiwodschaft Lodz in Zentralpolen an einem elektrischen Schlag, nachdem der Wind eine Stromleitung heruntergerissen hatte.

Tote bei Musikfestival in der Slowakei
In der Nacht auf Samstag wurden zwei Jugendliche, 17 und 18 Jahre alt, während eines Musikfestivals in der Westslowakei bei einem Unwetter getötet, nachdem ein Baum auf ihr Zelt am Lagerplatz am Rande der Stadt Jaslovske Bohunice stürzte. Eine 18-jährige Besucherin wurde schwer verletzt. Das Festival wurde daraufhin vorzeitig abgebrochen.

Verantwortlich für die Niederschläge ist Tief "Friederike". Laut dem Wetterdienst meteomedia soll sich das Wetter am Sonntag vorerst beruhigen - Dienstagabend erreicht aber bereits die nächste Atlantikfront Vorarlberg, die sich im Laufe des Mittwochs auf ganz Österreich ausbreitet. Die größten Regenmengen der vergangen Stunden fielen vom Raum Villach über die Gurktaler Alpen und die Obersteiermark bis in die nieder-oberösterrischischen Alpen. Auch in Vorarlberg wurden Regenmengen zwischen 50 und 75 Litern pro Quadratmeter registriert.

Den meisten Regen gab es laut meteomedia in der Kärntner Gemeinde Bad Bleiberg (88 l/m). Für viele Regionen Österreichs dürfte der heurige Sommer der nasseste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen werden.

(apa/red)

16.8.2008 15:30