Samstag, 16. August 2008

"Aber ich wollte doch nicht, dass er stirbt"
Keine Rettung für das Opfer - Täter ist frei

  • Manuel J. nach seiner Entlassung im NEWS-Interview
  • Entlastendes Gutachten ist Fahrschein in die Freiheit

Jener Bursch, der im April 2008 den Tod des Wiener Bezirkspolitikers Gottfried Natschläger verursachte, ist nun wieder auf freiem Fuß. Eigentlich scheint er - völlig harmlos. Manuel J. wirkt, auf den ersten Blick, so ganz anders als jemand, der völlig ausrasten und einen Menschen töten kann. Im vergangenen April war sein Bild und jenes von Stephan K., einem "Kumpel" von ihm, in beinahe allen österreichischen Medien zu sehen gewesen. Es zeigte die beiden 19-Jährigen laufend, nachdem sie, am helllichten Tag auf offener Straße, in Wien-Währing den Bezirkspolitiker Gottfried Natschläger, 64, ohne Grund, "aus reiner Lust an der Gewalt", wie es hieß, "brutal zusammengeschlagen hatten …"

Kurz darauf stellten sich die zwei Burschen der Polizei. Stephan, der, wie rasch klar geworden ist, bei der Tat "bloß dabei" gewesen war, kam nicht in Haft. Manuel schon, wegen "absichtlicher schwerer Körperverletzung mit Todesfolge" - Gottfried Natschläger war im Spital seinen Kopfverletzungen erlegen.

Entlastendes Gutachten
Manuel J. beteuert, alles wäre nur ein "fürchterliches Missgeschick" gewesen, er hätte Natschläger keinen Hieb versetzt, sondern sei lediglich "in einem Moment der Unkonzentriertheit unabsichtlich gegen ihn gestoßen …"… aber niemand glaubte dem 19-Jährigen. Nun allerdings bestätigt ein Obduktionsbefund die Angaben des Lehrlings. Die letalen Schädelverletzungen seien daher nicht durch eine "gezielte Gewalteinwirkung von außen" entstanden, sondern als Folge des Umstands, dass der Politiker nach dem Zusammenstoß mit der Schläfe gegen eine Mauer geprallt sei.

In Freiheit
Der Bursch wurde vergangenen Freitag aus der Haft entlassen, vermutlich im Herbst wird ihm der Prozess gemacht, die Anklage dürfte auf "Körperverletzung mit Todesfolge" oder "fahrlässige Tötung" lauten. Der Tod Natschlägers wäre damit, laut Justiz, nicht vorsätzlich verursacht worden. Wenige Stunden nach Manuel J.s Freilassung gab der Bursch ein NEWS Interview. Er sprach dabei über sein Wissen, für das Sterben eines Menschen verantwortlich zu sein.


NEWS: Sie und Ihr Freund Stephan haben damals zunächst in einer Straßenbahn randaliert, Fahrgäste und den Zugfahrer angepöbelt, mit einer Leberkässemmel nach ihnen geworfen.
Manuel J.: Ich weiß auch nicht, warum wir so blöd drauf waren. Depressiv sind wir gewesen, weil kürzlich zwei Kumpels von uns gestorben waren, einer an Drogen, der andere bei einem Verkehrsunfall. Und an diesem Tag haben Stephan und ich ein paar Glas Bier getrunken, und dann sind wir in so eine eigenartige Stimmung gekommen.

NEWS: Ihr wurdet aggressiv.
Manuel J.: In der Straßenbahn hat sich vieles komisch aufgeschaukelt. Eine junge Frau, die mit uns im Waggon war, gefiel uns, wir haben sie blöd angeredet, und daraufhin nahm alles einen yeltsamen Lauf.

NEWS: Der Zugfahrer hat euch schließlich an einer Station der Straßenbahn verwiesen.
Manuel J.: Und dann haben wir beschlossen, sie bis zur nächsten Haltestelle einzuholen.

NEWS: Sie rannten in der Folge einen Passanten nieder - und liefen einfach weiter …
Manuel J.: Alles ist so schnell gegangen, ich bin gelaufen, Stephan hinter mir, er hat mir etwas zugerufen, ich hab mich umgedreht - und als ich nach vorne sah, war schon der Mann vor mir, ich hab noch die Hände vor die Brust gehalten, um den Zusammenprall abzufangen, aber da war es bereits zu spät.

NEWS: Natschläger prallte mit dem Kopf gegen eine Mauer, lag schwer verletzt am Gehsteig.
Manuel J.: Stephan hat mich mitgezogen, und wir sind weitergerannt, nur gerannt, mein Hirn war wie ausgeschaltet.

NEWS: Was dachten Sie, als Sie tags darauf Ihr Bild in den Zeitungen sahen und von Natschlägers Todeskampf lasen?
Manuel J.: Ich bin nervlich völlig zusammengebrochen. Ich hatte davor ja von den Folgen des Aufpralls nichts gewusst.

NEWS: Kurz nachdem Sie sich der Polizei gestellt hatten, verstarb Ihr Opfer an seinen schweren Verletzungen.
Manuel J.: Glauben Sie mir, ich hab noch nie irgendwem etwas Böses antun wollen, vor dem 23. April 2008 war ich noch nie mit dem Gesetz in Konflikt gekommen, ich hab doch bis dahin ein ganz normales, geordnetes Leben geführt …

NEWS: Auch wenn jetzt sogar für die Justiz Ihre Tat nicht vorsätzlich geschah, fühlen Sie sich wahrscheinlich schuldig an Gottfried Natschlägers Tod …
Manuel J.: Natürlich, und das Wissen, dass der Mann noch leben würde, wäre ich nicht gegen ihn gerannt, macht mich fertig.

NEWS: Sie können sich nicht verzeihen?
Manuel J.: Ich will nur, dass mir Natschlägers Familie vergibt.

Den gesamten Bericht und das Interview lesen Sie im neuen NEWS 33/08

16.8.2008 14:57