Dienstag, 12. August 2008

Österreich trauert: Alt-Bundeskanzler Fred Sinowatz im Alter von 79 Jahren verstorben

  • "Mensch mit Erfahrung, Klugheit und Menschlichkeit"
  • Politiker lebte zuletzt zurückgezogen im Burgenland

Altkanzler Fred Sinowatz ist tot. Der frühere SPÖ-Chef, der in der Vergangenheit schon wiederholte Male mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen gehabt hatte, ist im Alter von 79 Jahren gestorben. Spitzenpolitiker aller Coleurs zeigten sich vom Ableben Sinowatz erschüttert. SP-Parteichef Werner Faymann würdigte einen "großen Politiker und wahren Menschenfreund", der Unschätzbares für die Menschen in Österreich und die Sozialdemokratie geleistet habe. Das Begräbnis findet am 21. August in seiner Heimatgemeinde Neufeld statt. Zu den Trauerfeierlichkeiten werden zahlreiche ranghohe Politiker erwartet, darunter Bundespräsident Heinz Fischer.

Gusenbauer zeigte sich tief betroffen vom Tod des Ex-SP-Chefs: "Ich verliere einen Freund", sagte er. Auch Sinowatz direkter Nachfolger im Kanzleramt, Franz Vranitzky, erklärte, er habe heute "nicht nur den Vorgänger als weisen Gesprächspartner, sondern auch den unvergesslichen Freund verloren."

Würdigungen kamen auch von andere SPÖ-Granden. "Wir haben einen aufrechten Weggefährten und wahren Freund verloren", sagte etwa Wiens Bürgermeister Michael Häupl. Für ÖGB-Präsident Rudolf Hundstorfer hat Sinowatz der österreichischen Bildungspolitik seinen Stempel aufgedrückt. Auch Pensionistenchef Karl Blecha erkärte, er verliere einen seiner engsten Freunde. Für SP-Bildungsministerin Claudia Schmied ist mit Sinowatz Tod ein großer Politiker "von uns gegangen."

"Höchsten Respekt"
"Zutiefst erschüttert" zeigt sich Bundespräsident Fischer. Mit Sinowatz verliere Österreich nicht nur einen aufrechten Patrioten und engagierten Staatsmann, sondern auch einen warmherzigen und liebenswürdigen Menschen. Auch Nationalratspräsidentin Barbara Prammer zeigte sich erschüttert.

"Höchsten Respekt" für die Leistungen von Sinowatz bekundete Vizekanzler ÖVP-Chef Wilhelm Molterer. Der Verstorbene habe die österreichische Bildungslandschaft maßgeblich geprägt. Dafür gebühre ihm "großer Dank".

Betroffenheit in der Opposition
Mit Betroffenheit reagierten auch die Oppositionsparteien. Grünen-Chef Alexander Van der Bellen hob den "Weihnachtsfrieden" 1984 im Zusammenhang mit dem geplanten Kraftwerksbau in Hainburg hervor, damit habe Sinowatz "einen ersten Schritt in Richtung des heutigen Nationalparks gemacht." FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache erklärte, die Menschlichkeit Sinowatz habe ihn quer über alle Parteigrenzen hinweg zu einem geschätzten Gesprächspartner gemacht. Und für BZÖ-Generalsekretär Martin Strutz hat Österreich "einen bedeutenden Politiker der Nachkriegsgeneration" verloren.

Sinowatz hatte eineinhalb Jahrzehnte der Bundesregierung angehört. Nach einer langen Periode als Unterrichtsminister kam ihm die undankbare Aufgabe zu, der Legende Bruno Kreisky nach dessen Abtritt 1983 nachfolgen zu müssen. Das Ende seiner politischen Laufbahn wurde 1986 mit der Wahl des ÖVP-Kandidaten Kurt Waldheim zum Bundespräsidenten eingeläutet. Am Tag darauf übergab Sinowatz die Kanzlerschaft an Vranitzky. Zuletzt hatte der Altkanzler zurückgezogen in seiner Heimat im Burgenland gelebt. Der Witwer hinterlässt eine Tochter und einen Sohn. (apa/red)

12.8.2008 16:10