Hiroshima gedenkt US-Atombombenabwurf:
Tausende sterben noch heute an Spätfolgen
- Japanische Kritik an Verhalten Washingtons in UNO
- USA sprachen sich gegen Atomwaffenverbot aus

·SPÖ zum Gedenktag:
'Nie wieder Hiroshima'
"Grauen der Vernichtung bleibt weiter unfassbar"
·Gedenken an Brüder & Schwester Sadakos
Wien: Demonstration für Welt ohne Atomwaffen
Die japanische Stadt Hiroshima hat heute mit einer Schweigeminute und dem traditionellen Schlagen der Friedensglocke des US-Atombombenabwurfs vor 63 Jahren gedacht. Bürgermeister von Hiroshima, Tadatoshi Akiba, hat die USA zur Unterstützung eines Atomwaffenverbots aufgefordert. Japan reichte bei den Vereinten Nationen bereits im vergangenen Jahr einen entsprechenden Resolutionstext ein. Der Bürgermeister kritisierte bei den Gedenkfeiern, dass nur die USA und zwei weitere von insgesamt 170 UNO-Mitgliedern dagegen seien. "Wir können nur hoffen, dass der im November gewählte US-Präsident auf die Mehrheit hört", sagte Akiba. An der Zeremonie nahm auch Ministerpräsident Yasuo Fukuda teil.
Zum Gedenken an den Atombombenabwurf gab es in Hiroshima um 08.15 Uhr (Ortszeit) eine Schweigeminute. Damals wurde die Stadt verwüstet, 140.000 Menschen starben sofort oder in den Monaten nach dem US-Einsatz. Am 9. August 1945 wurden bei einem weiteren Bombenabwurf in Nagasaki etwa 80.000 Menschen getötet. Am 15. August kapitulierte Japan. Damit war der Zweite Weltkrieg beendet. Hiroshima sei nach dem Atombombenabwurf "eine Hölle" gewesen, sagte Akiba. Die Überlebenden hätten die Toten beneidet. Auch Jahrzehnte nach Hiroshima und Nagasaki sterben jährlich noch Tausende an den Spätfolgen der atomaren Strahlung wie Leukämie oder verschiedenen Formen von Krebs. Inzwischen hat sich die Zahl der Opfer offiziell auf mehr als 258.000 erhöht.
Repräsentanten aus 55 Ländern
An der Gedenkveranstaltung nahmen auch Repräsentanten aus 55 Ländern teil. Erstmals war auch China vertreten. Fukuda sagte, Japan werde die Bestrebungen der internationalen Gemeinschaft zur Abschaffung von Atomwaffen anführen. Tokio werde an seiner Politik gegen die Herstellung und den Besitz von Atomwaffen festhalten. Japan werde auch weiter keine Kernwaffen auf seinem Staatsgebiet dulden. Er versprach, Unterstützungszahlungen für die überlebenden Opfer des Atombombenabwurfs zu erhöhen. In einer vom UN-Abrüstungsbeauftragten Sergio de Queiroz Duarte verlesen Botschaft betonte UN-Generalsekretär Ban Ki-moon, er wolle weiter konsequent an der Schaffung einer "friedlichen und sicheren Welt ohne Atomwaffen" arbeiten.
Studie über Auswirkungen
Bürgermeister Akiba kündigte eine wissenschaftliche Studie über die Aus- und Nachwirkungen auf die überlebenden Opfer des Angriffs und die anderen Einwohner der Stadt an. Die auf zwei Jahre angelegte Untersuchung soll laut Akiba ein Bild über die Schäden zeichnen, die der Atombombenabwurf den Menschen körperlich und in ihrer Gemütsverfassung zugefügt habe. Eine solche Studie habe es in den mehr als sechs Jahrzehnten nach dem Ereignis noch nicht gegeben. Bei einer ersten Erhebung würden 35.000 Menschen befragt.
Weltweit gedenken Menschen heute der Atombombenopfer. Auch in Wien findet auf dem Stephansplatz eine traditionelle Gedenkveranstaltung statt. Anschließend folgt ein Marsch vom Stephansplatz zur Karlskirche.
(apa/red)
