Conti will Übernahme abwehren: Milliarden- Investition bei Autozulieferer soll helfen
- "Weißer Ritter" gegen den Schaeffler-Deal gesucht
- Arbeitnehmervertreter gelassener als Management
·Continental wehrt sich gegen Übernahme
Rechtsgutachten soll nun Schaefler-Kauf abwenden

Der Autozulieferer Continental plant Zeitungsberichten zufolge den Kauf eines Konkurrenten, um sich gegen die drohende Übernahme durch die Schaeffler-Gruppe zu wehren. Conti erwäge den Kauf eines Autozulieferers und sei dazu in konkreten Gesprächen mit mehreren internationalen Rivalen, berichtete die Zeitung "Financial Times" unter Berufung auf mit der Situation vertraute Personen. Die "Hannoversche Allgemeine" berichtete, Vorstandschef Manfred Wennemer wolle dem Aufsichtsrat die mehr als drei Milliarden Euro teure Übernahme eines Zulieferers vorschlagen.
Ein Continental-Sprecher wollte sich dazu nicht äußern. Im Umfeld des Konzerns wurden die Berichte aber ausdrücklich nicht bestätigt.
Finanziert würde eine solche Milliardenübernahme wohl durch eine Kapitalerhöhung, berichtete die britische Zeitung. Das hätte für Conti den Vorteil, dass sich der bereits erworbene Anteil von Schaeffler wieder verwässern würde. Schaeffler hält acht Prozent und kann sich über Derivategeschäfte weitere 28 Prozent beschaffen- und hätte damit bei Hauptversammlungen wohl faktisch die Mehrheit. Die "Hannoversche Allgemeine" berichtete dagegen, mit der geplanten Übernahme wolle Conti als Übernahmeziel unattraktiver werden und seinen Schuldenberg anwachsen lassen. Ob eine solche "Giftpillen"-Strategie im Aufsichtsrat eine Mehrheit finde, sei aber unsicher.
"Mehr Sicherheit auch bei Wennemer nicht"
Erwin Wörle, Arbeitnehmervertreter im Conti-Aufsichtsrat, sieht eine Übernahme durch Schaeffler weniger kritisch als das Conti-Management um Vorstandschef Wennemer: "Im Umgang mit Gewerkschaften sind Wennemer und (Schaeffler-Chef Jürgen) Geißinger wie Zwillinge", sagte Wörle der "Automobilwoche". "Mehr Sicherheit gibt es für die Arbeitnehmer auch bei Herrn Wennemer nicht". Dem "Tagesspiegel am Sonntag" sagte der Arbeitnehmervertreter, Aufsichtsratschef Hubertus von Grünberg sehe den Schaeffler-Plan offenbar auch nicht negativ: "Wenn er dagegen wäre, dann hätte er sich schon geäußert." Am Ende werde der AR-Chef wohl den Ausschlag geben.
Im Abwehrkampf gegen das über elf Milliarden Euro schwere Übernahmeangebot des fränkischen Wälzlagerherstellers Schaeffler hat Conti zuletzt finanzstarke Banken als Berater auf seine Seite gezogen, um Schaefflers Finanzierungsmöglichkeiten einzuengen. Zwar hat sich die nicht börsennotierte Schaeffler-Gruppe die Finanzierung des Kaufangebots und die Übernahme von Conti-Schulden bereits gesichert. Conti will es Schaeffler allerdings schwermachen, zusätzliche Kredite zu erhalten - etwa für eine Aufstockung der Offerte. Schaeffler könnte Probleme bei der Suche nach Banken bekommen, die Teile des 16 Milliarden Euro schweren Kredits übernehmen. Wenn aber der Weiterverkauf - die Syndizierung - nicht klappt, müssten die finanzierenden Banken die Risiken in ihre eigenen Bücher nehmen. Dann wären sie wohl kaum zu weiteren Krediten bereit.
Daneben sucht Conti - wie in solchen Fällen üblich - einen konkurrierenden Investor, um eine Übernahme durch Schaeffler zu erschweren. Kreisen zufolge sind große Finanzinvestoren wie KKR, Blackstone und Permira an der Rolle eines "Weißen Ritters" aber ebenso wenig interessiert wie der japanische Reifenhersteller Bridgestone. Das "Handelsblatt" berichtete am Samstag im Voraus, auch mit dem US-Investor Bain Capital spreche Conti. Der kleinere koreanische Reifenhersteller Hankook erklärte, an Gerüchten, wonach er als strategischer Investor in Frage komme, sei "nichts dran".
(apa/red)

