Mittwoch, 6. August 2008

SPÖ und ÖVP segnen AUA-Verkauf ab: Ein Viertel soll in österreichischer Hand bleiben

  • Sperrminorität kein echtes Hindernis für Verkauf
  • Opposition fordert Rücktritt von AUA-Chef Ötsch

Auf eine Kompromissformel für die Privatisierung der Austrian Airlines hat sich der "AUA-Gipfel" geeinigt. Die Fluglinie kann bis zu 100 Prozent privatisiert werden, zugleich muss aber eine Sperrminorität von 25 Prozent plus eine Aktie in österreichischer Hand bleiben. Dies könnte aber auch durch private Unternehmen geschehen. Damit ist der Weg für einen Privatisierungsauftrag frei.

Das Behalten einer österreichischen Sperrminorität von 25 Prozent plus einer Aktie sei Teil des Privatisierungsauftrags und auch darin festgeschrieben, erklärten Vizekanzler Molterer und Infrastrukturminister Faymann weiter. "Das ist selbstverständlich Bestandteil des Privatisierungsauftrags", unterstrich Molterer. Falls sich nicht genügend heimische Investoren für den Viertel-Anteil finden, werde die ÖIAG einen Teil an der AUA behalten.

Ein AUA-Partner werde sich nicht nur auf den ÖIAG-Anteil von 42,75 Prozent konzentrieren, sondern müsse "sich auch etwas überlegen" für die in Streubesitz befindlichen knapp 50 Prozent der AUA, sagte Molterer. Zusätzlich hält derzeit eine österreichische Finanzgruppe 7,25 Prozent der AUA-Anteile.

Bezüglich der Auswahl eines Partners für die AUA wollten sich Faymann und Molterer auf keine Vorentscheidung einlassen. Darüber solle nicht die Politik entscheiden, sondern die zuständigen Gremien, insbesondere der Strategieausschuss im ÖIAG-Aufsichtsrat, erklärte Faymann. Alle in Frage kommenden Partner für die AUA seien jetzt ernsthaft zu prüfen. Der Berater Boston Consulting hatte eine Präferenz für die deutsche Lufthansa gezeigt.

Kritik von der Opposition
Kritik an der Einigung kam von der Opposition. Der Grüne Bundessprecher Van der Bellen sprach von einer "Scheinlösung Marke Rot-Schwarz", die Fragen aufwerfe. Sollte eine Sperrminorität tatsächlich notwendig sein, dann sei nicht einzusehen, warum diese nicht die Republik über die ÖIAG halte, sondern private Unternehmen.

Wie Van der Bellen fordert auch FPÖ-Chef Strache den Rücktritt von ÖIAG-Chef Michaelis und AUA-Chef Ötsch. Die beiden hätten eine Studie aus dem Jahr 2006, wonach die AUA ohne Partner nicht lebensfähig sei, unter Verschluss gehalten. Die FPÖ plädierte für einen Verkauf von 25 Prozent der AUA an den Flughafen Wien.

"Anachronismus"
Der Luftfahrtexperte Andreas Spaeth sieht einen Staatsbesitz an der Fluglinie AUA als "Anachronismus". Was die Chancen für den Verkauf der AUA betrifft, meinte Späth, eine Sperrminorität sei "schon ein gewisser Hemmschuh, aber kein echtes Hindernis".

(apa/red)

6.8.2008 07:40