Montag, 4. August 2008

Weitere Steuersünder müssen zittern:
Geheimdossier zur Liechtenstein-Affäre

  • Strafverteidigerin überreicht im Prozess Unterlagen
  • Laut Bericht bis zu 1.850 Geheimkonten betroffen

Hunderte weitere Steuersünder mit Schwarzgeld in Liechtenstein stehen vor ihrer Enttarnung. Eine Strafverteidigerin überreichte dem Rostocker Landgericht zahlreiche Hinweise auf Konten deutscher Kunden, wie die Staatsanwaltschaft der Nachrichtenagentur AP bestätigte. Die "Frankfurter Rundschau" sprach von 1.850, "Der Spiegel" von 1.600 Geheimkonten bei der Liechtensteinischen Landesbank (LLB).

Auf den meisten dieser Konten sollen Millionenbeträge liegen. Laut "Süddeutscher Zeitung" weisen die Belege einen Vermögenswert von insgesamt gut drei Milliarden Euro aus. Damit dürfte der Skandal um im Fürstentum verstecktes Schwarzgeld neue Dimensionen erreichen. Viele der Kunden sollen in Süddeutschland und dem Rheinland wohnen; es sollen zahlreiche Mediziner darunter sein.

Zunächst werde geprüft, ob die Zinsen in Deutschland versteuert worden seien, sagte Staatsanwalt Peter Lückemann. Dieser Gedanke liege aber eher fern. "Falls das Geld nicht versteuert wurde, haben wir den Anfangsverdacht der Steuerhinterziehung. Dann schalten wir die Steuerfahndungsstelle ein." Anders als bei den Schwarzgeld-Ermittlungen der Bochumer Staatsanwaltschaft wolle man mögliche Razzien den örtlich zuständigen Ermittlern überlassen.

Kein Zusammenhang mit Fall Zumwinkel
Mit dem bekannteren Fall um illegale Stiftungen bei der liechtensteinischen LGT-Bank, in dem die Bochumer Staatsanwaltschaft unter anderem gegen Ex-Deutsche-Post-Chef Klaus Zumwinkel ermittelt, steht der Rostocker Fall nicht in Verbindung. Allerdings gibt es eine wichtige Gemeinsamkeit: Auch im Fall der LLB sollte mit heimlichen Kopien brisanter Interna Kasse gemacht werden. Seit April müssen sich vor dem Rostocker Landgericht drei Angeklagte verantworten, die versucht haben sollen, die LLB und Kunden der Bank mit 2.300 Belegen zu erpressen.

(apa/red)

4.8.2008 11:17