Straßenschach beim Olympischen Radeln:
Informationskoordination ist die halbe Miete
- ÖRV-Nationaltrainer Klabasser hat wichtige Aufgabe
- Team-Hierarchie beeinflusst Olympisches Radrennen

Informieren, kalkulieren, agieren! Auch die olympischen Rad-Straßenrennen werden zur Hälfte nicht auf der Straße, sondern durch die Renntaktik entschieden. Damit kommt vor allem auf die Betreuer eine große Herausforderung zu, denn im Kampf um Medaillen ist das "Straßenschach" aller Beteiligten mindestens genauso wichtig wie die Tagesform der Athleten.
Fahrer und Betreuer bei Radrennen sind durch Funk miteinander verbunden. So kann Information über den Rennverlauf blitzschnell weitergegeben werden, es muss aber auch die richtige sein. Dabei hilft zunächst der offizielle Funk, über den die in den Autos mitfahrenden Betreuer erfahren, was sich vorne tut. Wichtigster Punkt ist aber die richtige Einschätzung dieser Informationen. "Von außen sieht man bei einem Radrennen oft nur, dass der eine Fahrer schneller und der andere langsamer fährt. Aber Radfahren ist auch Straßenschach", weiß auch Österreichs Nationaltrainer Klaus Kabasser.
Schnelligkeit in jeder Hinsicht gefragt
Kabassers Aufgabe ist es, sowohl Thomas Rohregger und Christian Pfannberger heute als Christiane Soeder und Monika Schachl in den olympischen Straßenrennen perfekt zu "dirigieren". Die richtige Einschätzung, ab wann aufgrund des Renngeschehens wie zu reagieren ist, ist nicht immer leicht. "Man weiß zwar im Vorfeld viel über die Rollenverteilung bei den Teams, die meist ihre Kapitäne forcieren. Aber das kann sich auch blitzartig ändern, wenn eine Gruppe entscheidend wegkommt, in der auch die Nummer drei eines Teams eine Siegchance hat."
Kabasser muss also sowohl die vom Tourfunk als auch von den eigenen Fahrern kommenden Informationen sehr schnell richtig einschätzen und den Handlungsbedarf festlegen. Information und die daraus resultierende Strategie ist der halbe Erfolg, wenn die Fahrer stark genug sind, diese umzusetzen.
Ein Prinzip, das an die Formel 1 erinnert. "Der technische Aufwand ist bei uns natürlich bei weitem nicht so groß, aber im Prinzip läuft es ähnlich, weil sich die Situationen ständig ändern. Es muss schnell gerechnet, kalkuliert und reagiert werden", erläutert Kabasser. Wenn Information die halbe Miete ist, ist meist "Spionage" nicht fern. Kabasser: "Natürlich versucht man herauszufinden, was der Gegner wirklich vorhat. Es kann also gut sein, dass andere deshalb versuchen, in andere Funkfrequenzen einzusteigen."
Team-Hierarchie besteht auch bei Olympia
Bei Weltmeisterschaften und Olympia kommt oft auch noch hinzu, dass Fahrer einer Nation in Wahrheit für den Kapitän ihres Profiteams und damit einen Fahrer eines anderen Landes arbeiten müssen. "Manchmal passiert das sogar ganz offensichtlich, wenn etwa ein Fahrer gerade in Verhandlungen mit dem eigentlichen Arbeitgeber steht", weiß auch Kabasser.
Im kleinen ÖRV-Team in Peking sind solche Interessenskonflikte aber auszuschließen. Rohregger fährt für einen österreichischen Club (Elk) und auch Pfannberger hat für 2009 praktisch alles geklärt, auch wenn Barloworld als Hauptsponsor aussteigt.
(apa/red)