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9.8.2008 13:51

Samuel Sanchez siegt nach 245 Kilometern:
Spanier gewinnt Olympia-Straßenrennen

  • Rebellin und Cancellara holen Silber und Bronze
  • Österreicher im Kampf um Medaillen nicht dabei

Der spanische Radprofi Samuel Sanchez hat das prestigeträchtige Straßenrennen der Herren gewonnen. Der 30-jährige Tour-Siebente aus Oviedo sprintete nach einem fast sechseinhalbstündigen Rennen über 245,4 Kilometer bei 94 Prozent Luftfeuchtigkeit in einem packenden Finale einer sechsköpfigen Spitzengruppe vor dem Italiener Davide Rebellin zum ersten Straßengold für Spanien überhaupt. Bronze ging an den Schweizer Zeitfahr-Weltmeister Fabian Cancellara.

Die beiden Österreicher im 143 Fahrer umfassenden Feld riskierten im Bemühen um eine Medaille alles, blieben am Ende aber unbelohnt. So führte Christian Pfannberger nach einer beherzten Attacke in der vorletzten Runde das Feld sogar mit 18 Sekunden Vorsprung in die Schlussrunde. Am Ende wurde der erschöpfte Eintagesspezialist aus der Steiermark mit knapp zweieinhalb Minuten Rückstand aber nur 23. Sein Teamkollege Thomas Rohregger belegte Rang 39.

Das Rennen begann mit einer "Stadtrundfahrt" durch das Smog-verdunkelte Peking. Nach dem Startschuss in der Nähe des Platzes des Himmlischen Friedens bewegte sich das Feld bei 35 Grad und 94 Prozent Luftfeuchtigkeit durch die Innenstadt Richtung Autobahn. Wie erwartet gab es zwar zahlreiche Attacken und wegen des schwülheißen Wetters zahlreiche Aufgaben.

Rad-Nationen unter sich
Am Ende machten die großen Rad-Nationen erneut auch das Olympia-Rennen untereinander aus. Auch wenn der favorisierte Titelverteidiger Paolo Bettini, der im Finish zudem Hinterraddefekt hatte, über Platz 18 nicht hinauskam.

Die frühe Flucht der zwei südamerikanischen Außenseiter Patrico Almonacid und Horacio Gallardo, die zehn Minuten Vorsprung auf das zunächst bummelnde Feld hatten, war am Ende ebenso bedeutungslos wie die späteren Attacken von Bergspezialisten, als es nach zwei Stunden und 80 flachen Kilometern für die Fahrer zum ersten Mal in den hügeligen Rundkurs an der chinesischen Mauer gegangen war. Auch die lange Führung eines Duos, dem mit dem Ukrainer Ruslan Pidgornij der Dritte der Ö-Tour 2008 angehörte, blieb am Ende unbelohnt.

Entscheidung in letzter Runde
Die Entscheidung fiel am Ende wie erwartet in der letzten der sieben Runden und auf dem 12 Kilometer langen Anstieg auf den 622 Meter hohen Juyongguan-Pass am Fuß der Chinesischen Mauer. Vor eindrucksvoller Kulisse, die wegen des Smogs nur schemenhaft zu erkennen war, sprintete der spanische Profi vom Euskaltel-Team, der zuvor hektisch mit seiner Teamführung gefunkt hatte, weil sein favorisierter Landsmann Oscar Freire aufgegeben hatte, vor dem 37-jährigen Geburtstagskind Rebellin zu Gold. "Wir haben als Team perfekt gearbeitet, Sastre hat uns ruhig gehalten. Und ich wusste, dass ich gut in Form bin", jubelte Sanchez.

Die beiden Österreicher fuhren ein aktives Rennen. Sie blieben zunächst wie geplant im Hauptfeld bei den Favoriten, fuhren dort aber stets aufmerksam an der Spitze mit. In der vorletzten Runde sah dann Pfannberger seinen Moment gekommen. Der Steirer attackierte vor einer Verpflegungsstelle und enteilte dem Feld um bis zu 20 Sekunden. "Leider hatten mich die anderen auf der Rechnung, deshalb ist bald einer nachgefahren", bedauerte Pfannberger.

Pulver zu früh verschossen
Der Steirer ging zwar als Führender mit weit aufgerissenem Mund in die Schlussrunde, hatte aber gleich darauf sein Pulver verschossen. "Auf der Anfahrt war der Gegenwind so heftig, dass der Vorsprung einfach zu klein war", bedauerte der Klassiker-Jäger aus Judenburg, war aber mit seiner Leistung zufrieden.

"Mein Ziel war eine Medaille. Deshalb habe ich am Schluss alles auf eine Karte gesetzt und gehofft, dass es sich ausgeht", erklärte der Barloworld-Profi. "Ich kann mir nichts vorwerfen, denn mit so einer Attacke bin ich auch Militärweltmeister geworden. Ich hatte nur so eine Chance auf eine Medaille und ob ich am Ende Vierter oder 50. werde, ist mir egal."

Auch Rohregger sprach von einem guten Rennen. "Viel hat nicht gefehlt, obwohl heute extreme Bedingungen waren. Die Kirsche auf der Sahnehaube hat leider gefehlt. Aber für eine Medaille muss an so einem Tag alles passen. Wir waren nur ein Miniteam, können aber mit erhobenem Haupt weggehen."

Radsport - Straßenrennen Herren (245 km):
1. Samuel Sanchez (ESP) 6:23:49 Stunden
2. Davide Rebellin (ITA)
3. Fabian Cancellara (SUI)
4. Alexander Kolobnew (RUS)
5. Andy Schleck (LUX)
6. Michael Rogers (AUS), alle gleiche Zeit
7. Santiago Botero (COL) 0:12 Minuten zurück
8. Mario Aerts (BEL) gleiche Zeit
9. Michael Barry (CAN) 0:16
10. Robert Gesink (NED) 0:18
Weiter:
18. Paolo Bettini (ITA) 0:35
23. Christian Pfannberger (AUT) 2:28
39. Thomas Rohregger (AUT) 2:36

(apa/red)

9.8.2008 13:51
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