Olympia-Traum nach einem Kampf zu Ende:
Filzmoser verliert gegen Nordkoreanerin Hui
- Gegen die große Favoritin durch Ippon geschlagen
- ÖJV-Kämpferin fühlte sich am Wettkampftag topfit

Für Judo-Kämpferin Sabrina Filzmoser ist "in einem Moment ein Lebenstraum den Bach hinuntergeronnen". Die Oberösterreicherin unterlag in der ersten Runde des olympischen Judoturniers in Peking der nordkoreanischen Topfavoritin Kye Sun Hui. Weil diese dann überraschend den Poolsieg verpasste, schied auch die ÖJV-Kämpferin aus. "Ich habe das ganze Judoleben für den einen Tag aufgeopfert, es hat halt nicht sein wollen", sagte die 28-Jährige, die zum Luftschnappen erst einmal an die frische Luft raus musste und sich Zeit zum Erfangen nahm.
Die 57-kg-Kämpferin Filzmoser hatte bei der Auslosung mit der Olympiasiegerin und vierfachen Weltmeisterin ein Hammerlos erwischt, aber am Wettkampftag fühlte sie sich bereit zum großen Coup: "Beim Aufwärmen war ich superschnell, ich habe mich gut gefühlt, ich habe die ganzen Energien vom Lupo (Anm. Silbermedaillengewinner Ludwig Paischer, ihr Trainingskollege) mitnehmen können. Ich habe mich tipptopp darauf gefreut, meine Knie haben nicht geschlottert, ich war bereit, dass ich heute die Topleistung abrufe."
Respekt für die Gegnerin
Die Zeitsoldatin hatte sich im Kampf exakt an die Taktik gehalten. "Dass ich abwarte und nicht angreife. Aber es war für mich sehr hart, dass ich mich zurücknehme und nicht offensiv werde. Das war das Schwierigste am ganzen Kampf." In der letzten Minute schlug die Nordkoreanerin dann mit Ippon zu: "Sie hat es echt super gemacht", zollte ihr Filzmoser Respekt. Vorher hatte es eine strittige Entscheidung gegeben, Sabrina hatte kurz die Fäuste geballt, die vermeintliche Wertung war aber an die Gegnerin gegangen. Die Kommission nahm die Wertung schließlich überhaupt zurück. "Dass es keine Wertung war, hat schon gepasst", meinte Filzmoser, das habe sie nicht verunsichert. Auch laut Trainer Udo Quellmalz und Ludwig Paischer war es eine korrekte Entscheidung, weil die Sache nicht ganz klar war.
Für die Europameisterin begann nach der Niederlage das bange Warten, denn bei einem Poolsieg von Kye hätte sie in der Hoffnungsrunde und damit im Kampf um Bronze eingreifen können. Doch Kye unterlag in ihrem zweiten Kampf der Französin Barbara Harel. Die Zeit davor beschrieb Filzmoser so: "Ich war in der Aufwärmhalle und musste wieder etwas runterkommen, das Adrenalin war ja noch in mir. Ich habe getrunken und Kohlenhydrate zu mir genommen und gewartet, dass es weitergeht. Sie ist die Beste, ich habe damit gerechnet, dass sie weiterkommt."
"Schamlos ausgenützt"
Doch beobachtete sie auch, wie Kye von drei Leuten aufgelockert wurde und eine halbe Stunde auf der Matte lag. "Da habe ich bemerkt, das ihr der Kampf viel Substanz gekostet hat, ich habe gehofft, dass sie gescheit tut im nächsten Kampf, aber sie hat verunsichert gewirkt. Und die Französin hat das schamlos ausgenützt, weil sie nicht Favoritin war. Sie hat auf Teufel komm raus gekämpft und Kye rausgeworfen." Dasselbe Schicksal hatte Filzmosers Trainingspartner Ludwig Paischer vor vier Jahren ereilt: Erst unterlag er dem Weltmeister, dann schaffte dieser den Poolsieg nicht und für den Oberösterreicher war Olympia vorbei.
Sabrina Filzmoser wurde von Kollegin Claudia Heill getröstet, auch Paischer hatte sofort nach ihr geschaut. Und Willi Reizelsdorfer, der Sabrinas erster Trainer war, schüttelte ungläubig den Kopf. "Sabsi hat bis 40 Sekunden vor Schluss alles richtig gemacht, es stand unentschieden, man kann ihr keinen Vorwurf machen. Der Kampf hat der Koreanerin viel Kraft gekostet. Sie war kaputt und gegen die Französin nicht mehr so explosiv. Ich bin auch davon ausgegangen, dass sie die nächsten beiden Kämpfe gewinnt. Ich hätte es Sabsi so gegönnt", sagte der selbst sehr geknickt wirkende Trainer Quellmalz. (apa/red)