Auf der Suche nach dem goldenen Segel:
Duo Hagara/Steinacher wurde nun fündig
- Modifiziertes Vorjahres-Modell soll den Erfolg bringen
- Tornadosegler nach Marathon-Training guter Dinge
Es ist schon finster geworden, als die Tornadosegler Roman Hagara und Hans Peter Steinacher in den Hafen von Qingdao zurückgekommen sind. Doch die Doppel-Olympiasieger hatten einen zufriedenen Ausdruck im Gesicht. Sie haben das richtige Segel für die olympische Regatta gefunden. "Es ist nicht normal, dass man vor den Olympischen Spielen sechs Stunden trainiert. Aber es war halt einfach notwendig, weil wir einfach ein Ergebnis haben wollten", erklärte Vorschoter Steinacher die Intensiveinheit.
Der Wind hatte mitgespielt, wie der Salzburger berichtete. "Wir hatten Glück, dass wir den erhofften Trapezwind oder Doppel-Trapezwind gehabt haben, zwischen 10 und 12 Knoten. Deshalb waren wir so extrem lange auf dem Wasser. Und jetzt ist eigentlich das herausgekommen, was wir uns gedacht haben. Wir haben das gegengecheckt mit Santi (Trainingspartner Santiago Lange/Argentinien). Und wie es ausschaut, werden wir mit einem leicht abgeänderten Segel fahren, das wir voriges Jahr auch hier verwendet haben. Nicht das gleiche, aber es kommt aus der Serie raus. Also das Segel vom letzten Jahr neu gemacht und leicht abgeändert. Das wird höchstwahrscheinlich das Segel sein, mit dem wir uns jetzt die letzten zwei, drei Tage noch beschäftigen, dann können wir einen Strich drunter machen." 2007 hatten Hagara/Steinacher die Preolympic-Regatta vor Qingdao gewonnen.
Aufreibendes letztes Training
Das letzte Training heuer im Juli ist aufreibend gewesen, immer wieder hatten Hagara/Steinacher die gleichen Windverhältnisse, und so konnten sie das große Fragezeichen nicht lösen. "Du segelst und segelst wochenlang und immer im ähnlichen Windbereich mit sehr wenig Wind. Und wir rechnen ja damit, dass irgendwann auch einmal mehr Wind ist. Es braucht nur ein Taifunausläufer kommen, dann haben wir zwei Tage gescheiten Wind. Und dann musst du auch wissen, ob das Segel funktioniert." Nun ist die Antwort gefunden. "Wir haben bei dem Segel Angst gehabt, dass es bei Trapezwind nicht so gut funktioniert. Aber es war dem Segel, das wir bevorzugt hätten für Trapezwind, sogar leicht überlegen. Deswegen können wir jetzt beruhigt das wirkliche Leichtwindsegel nehmen."
Die Segelauswahl und das Abstimmen des Materials ist ein Prozess, der dem Setting im Motorsport ähnelt. Erst wenn das Setup passt, ist der Bolide konkurrenzfähig. "Wir beschäftigen uns noch immer mit Sachen, mit denen wir uns nicht beschäftigen wollen, wir wollen Regattatraining machen, damit uns kein Fehler beim Start passiert, keiner bei den Tonnen. Aber Segeln ist eine technische Sportart, und wenn du mit deinem Untersatz, auf dem du fährst, noch nicht ganz zufrieden bist, brauchst du mit dem anderen nicht anfangen. Das sind wir uns auch bewusst, deswegen sind wir in der Richtung sehr flexibel und sagen uns: Okay, zuerst müssen wir das erledigen. Jeder kennt das vom Motorsport. Wenn jemand in einem Auto drinnen sitzt, das noch nicht richtig fährt, kann er riskieren und tun, was er will, es wird nicht funktionieren. Und bei uns ist es genau das Gleiche", gibt Steinacher zu bedenken.
Nach Infektion abgemagert
Die sechs Stunden auf dem Wasser hat der 39-Jährige nach eigenen Angaben "locker geschafft. Ich bin wieder topfit". Im Juni und Juli hat ihm eine Magen-Darm-Infektion schwer zu schaffen gemacht. "Die drei Wochen waren ein Wahnsinn, so was habe ich noch nie gehabt. Ich hatte statt 73 Kilo nur noch 66 und habe mir nicht gedacht, dass man so leer sein kann. Ich habe einfach null Kraft gehabt, null Energie." 14 Tage brauchte der zweifache Familienvater, um sich wieder aufzubauen. Er habe auf seinen Körper gehört und aufgepasst, dass er nicht zu viel tut, damit er ihn nicht noch mehr schwächt. Jetzt wiegt Steinacher 70 Kilogramm, ohnehin sein Wunschgewicht für dieses Segelrevier.
(apa/red)