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9.8.2008 06:24

Im Handball haben fünf Teams Chancen:
Top-Teams kommen allesamt aus Europa

  • Russen, Dänen, Franzosen, Spanier & Deutsche dabei
  • Kleinerer Kreis der Medaillenkandidaten bei Damen

"Ladies first" heißt es heute, wenn um 03.00 Uhr MESZ Frankreich und Angola die Handball-Turniere im Rahmen der Olympischen Sommerspiele in Peking eröffnen. Die Männer starten ihren Wettlauf um die Medaillen 24 Stunden später mit der Partie Kroatien - Spanien. Vor vier Jahren in Athen hatten Dänemark (Frauen) vor Südkorea und der Ukraine bzw. Kroatien (Männer) vor Deutschland und Russland triumphiert.

Die Südosteuropäer, die mit Genie Ivano Balic heuer in Norwegen EM-Zweiter und das dritte olympische Gold nach 1996 und 2004 im Visier haben, zählen mit Europameister Dänemark, den EM-Dritten Frankreich, Ex-Weltmeister Spanien und Weltmeister Deutschland zum engsten Männer-Favoritenkreis. Vor allem die Deutschen haben nach ihrem vor eigenem Publikum gelandeten WM-Coup 2007 viel vor. Ihre unmissverständliche Kampfansage formulierte Regisseur Michael Kraus deutlich: "Wir müssen nicht drumherumreden - es geht um Gold!"

Vier europäische Mannschaften fast fix im Viertelfinale
Doch vor dem ersten Spiel der Männer von Heiner Brand am Sonntag gegen Asienmeister Südkorea warnte Kraus vor Unterschätzung der Konkurrenz. "Wenn man die Gruppe sieht, wird es schwer genug, das Viertelfinale zu erreichen", sagte der Jungstar. Die weiteren Gegner in Gruppe B sind Island, Afrikameister Ägypten, Russland als Rekord-Olympiasieger (4 x Gold) und die Dänen. Im Pool B sind die Kroaten, Spanier, Franzosen, der WM-Zweite Polen sowie die Außenseiter Brasilien und China engagiert.

"Die vier europäischen Mannschaften haben das Viertelfinale eigentlich schon sicher. Von daher haben wir die schwerere Gruppe erwischt", meinte Brand, der sich mit seiner Auswahl nach dem WM-Titel 2007 heuer bei der EM in Norwegen mit dem undankbaren vierten Rang begnügen musste. Aus den zwei Sechser-Gruppen in Peking steigen jeweils die ersten Vier ins olympische Viertelfinale auf.

Weniger Medaillenkandidaten bei Damen
Etwas kleiner scheint der Kreis der Medaillenkandidaten den Frauen zu sein. Nachdem die Däninnen, die zuletzt dreimal in Serie Olympia-Gold abräumten, die Qualifikation für Peking nicht geschafft haben, gelten Weltmeister Russland und Europameister Norwegen als große Favoriten. Die Russinnen haben unter Teamchef Jewgenij Trefilow den WM-Titel (2001, 2005, 2007) dreimal geholt und sich in Frankreich erstmals seit 16 Jahren für Olympia qualifiziert.

Und jetzt soll die erste Medaille seit 1992 in Barcelona (unter GUS Bronze) her, die - wenn möglich - in Gold glänzen sollte. "Olympia hat für uns höchste Priorität", sagt Teamspielerin Oxana Romenskaja, die unter Trefilow für Champions-League-Sieger Zwezda Zwenigorod spielt. Der charismatische 52-Jährige führt ein noch strengeres Regiment als Gunnar Prokop in den Reihen von Finalgegner Hypo NÖ. "Um Erfolg zu haben, muss man ein Diktator sein. Und wenn man Trainer von Frauen ist, muss man oft doppelt so hart sein", lautet Trefilows Erfolgsrezept.

Deutsche auch bei Damen aussichtsreiche Kandidaten
Neben den Russinnen und Norwegerinnen könnten auch die Deutschen auf dem Podest stehen. Nach dem vierten EM-Platz 2006 und WM-Bronze von 2007 mischen die Schützlinge von Teamchef Armin Emrich auf hohem Niveau mit. Der DHB träumt vom Double, er stellt zum ersten Mal seit 1996 in beiden Turnieren eine Mannschaft. "Ich halte beide Teams für goldwürdig und -fähig", posaunt DHB-Präsident Ulrich Strombach.

Österreichs Handball, im Jänner 2010 Gastgeber der neunten Männer-EM, spielte zuletzt 2000 in Sydney olympisch mit. Die Frauen wurden in Australien ebenso Fünfte wie acht Jahre davor in Barcelona. 1984 in Los Angeles landete das schwache Geschlecht auf Rang sechs. Die Männer kamen 1936 in Berlin mit Silber heim. Damals war Handball erstmals im Olympia-Programm, wurde aber nicht in der Halle, sondern auf dem Feld mit elf Teams ausgetragen.

Das Turnier, das eigentlich als Geste des Sports an das Hitler-Regime veranstaltet wurde, gewann Deutschland, Dritter war Ungarn. Ins Zeichen der Fünf Ringe kehrte der Männer-Handball erst wieder 1972 zurück, vier Jahre später durften auch die Frauen um Medaillen kämpfen. In Peking wurde das Starterfeld für die Frauen erstmals auch auf zwölf Mannschaften aufgestockt.
(apa/red)

9.8.2008 06:24
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