Ballsport

Alle Kanäle  

6.8.2008 10:51

Melzer hofft in Peking auf Gunst der Stunde:
Tennis-Ass will besser als 2004 abschneiden

  • Olympia-Erstrundenpleite in Athen in übler Erinnerung
  • Melzer überzeugt: 'Der eine oder andere Sieg ist drin'

Am Freitag trägt Roger Federer an seinem 27. Geburtstag die Schweizerische Fahne ins Pekinger Nationalstadion, wo am Abend die 29. Olympischen Sommerspiele eröffnet werden. Schon zuvor erfolgt die Auslosung für das Olympische Tennisturnier, bei dem der Ausnahmespieler laut ATP-Berechnungen selbst bei einem chinesischen Gold-Coup einen Tag nach dem für 17. August angesetzten Olympia-Finale seine Nummer-Eins-Position an Rafael Nadal verliert.

Im Schatten dieses jahrelang auf der Profitour ausgefochtenen und nun bei Olympia kulminierenden Gigantenkampfes zwischen dem Schweizer und dem Spanier versucht Jürgen Melzer bei seinem zweiten Olympia-Antreten, die Schatten der Vergangenheit abzuschütteln. Da wäre die Erstrundenniederlage vor vier Jahren in Athen, aber auch die völlig misslungene Generalprobe zuletzt beim vergleichsweise kleinen Challenger-Turnier in Graz. Dort war Melzer - allerdings auf Sand - als Topfavorit schon in Runde zwei ausgeschieden.

"Das darf nicht passieren. Aber besser dort als jetzt in Peking", meinte Melzer nach seiner Ankunft in China. Den Start in Graz hatte der Niederösterreicher eingelegt, weil es wegen der zögerlichen Nominierung durch das ÖOC zu spät gewesen war, noch ein großes Turnier in Nordamerika einzuplanen. "Ich bereue das Antreten in Graz nicht, auch wenn es nicht ganz erfolgreich war."

Hoffen auf gute Auslosung
Dennoch soll sein zweiter Auftritt bei dem am Sonntag beginnenden Olympia-Turnier besser laufen als jener vor vier Jahren. "Ich würde das hier gerne erfolgreicher gestalten als in Athen, wo ich schon in der ersten Runde eine auf den Deckel bekommen habe", meinte Melzer. "Ich hoffe, die Auslosung passt. Denn in meiner derzeitigen Form ist der eine oder andere Sieg drin."

Für Melzer hatte 2008 denkbar schlecht begonnen. Und das, obwohl er kurz vor Jahreswechsel mit dem Schweden Joakim Nyström endlich einen Ersatz für Langzeit-Coach Karl-Heinz Wetter (betreut jetzt den Letten Ernest Gulbis) engagiert hatte. Die Wende kam aber erst mit dem Viertelfinal-Einzug beim Heimturnier in Pörtschach. Der Aufwärtstrend hatte dann exakt einen Tag vor der bis zuletzt auf der Kippe stehenden Olympia-Nominierung mit dem Finale in Kitzbühel gerade rechtzeitig seinen Saisonhöhepunkt erreicht.

ÖOC-Vorgehensweise unverständlich
Für Coach Nyström wäre es aber auch ohne Kitzbühel ein "Skandal" gewesen, hätte das ÖOC - wenn auch erst über einen Monat nach der ITF-Deadline - Melzer nicht wie Knowle und Sybille Bammer für die Spiele nominiert. "Er hatte die internationale Spielberechtigung und Knowle war im Doppel fix. Bei uns in Schweden hat der Quotenplatz problemlos gereicht, um den Spielern schon im Juni sofort grünes Licht zu geben", versteht auch Nyström die strenge Vorgehensweise des ÖOC nicht. "Profitennis ist anders. Man hat sicher viel zu lange gewartet", kritisierte Nyström, der auch schwedischer Daviscup-Assistenzcoach ist.

Nyström betreut in Peking Melzer und Knowle sowie den Finnen Jarkko Nieminen. Sein Fokus liegt aber auf den Österreichern. "Im Doppel haben sie sicher bessere Chance, da ist sogar eine Medaille drin", ist Ex-Profi Nyström überzeugt. Melzer habe sogar einen besseren Return als sein Landsmann Simon Aspelin, mit dem Knowle sonst ein Weltklasse-Doppel auf der Tour bildet. "Im Einzel muss Jürgen aber vier unglaubliche Matches spielen, damit er um eine Medaille kämpfen kann. Das wird schwer."

Stunde der Außenseiter?
Melzer selbst hat beste Jugenderinnerungen an Olympia und Tennis. "Der bewegendste Moment war, als Becker und Stich in Barcelona gemeinsam Gold geholt haben, obwohl sie sich außerhalb des Platzes nichts zu sagen hatten. Das hat mir imponiert." Punkto Favoriten ist auch Melzer klar, dass kein Weg an Federer, Nadal und Djokovic vorbeiführt. Aber schon Athen habe mit Sieger Nicolas Massu gezeigt, dass man bei Olympia immer mit Überraschungen rechnen müsse. "In Peking wird es sehr heiß. Gut möglich, dass trotz der starken Besetzung deshalb doch wieder ein Außenseiter die Gunst der Stunde nützt."

Nicht kommentieren wollte Melzer die Nicht-Nominierung von Tamira Paszek. "Schwierig, dazu kenne ich die Hintergründe der Herren im ÖOC nicht gut genug", meinte der Niederösterreicher. "Es ist jedenfalls schade, denn dadurch wurde ihr die Chance genommen, schon in jungen Jahren bei Olympia dabei sein. Das wäre auch für London 2012 oder 2016 sicher positiv gewesen."
(apa/red)

6.8.2008 10:51
[an error occurred while processing this directive]
zurück zur Startseite