Olympia 2008

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6.8.2008 15:35

Erstmals Proteste beim Olympiastadion:
Gewalt begleitet Spiele in Peking im Vorfeld

  • Aktivisten abgeführt - Zwei Journalisten verprügelt
  • Plus: Bush "tief besorgt" über Menschenrechtslage

Zum ersten Mal haben Demonstranten vor einer Sportstätte der Olympischen Spiele in Peking protestiert. Vier Tibet-Aktivisten aus Großbritannien und den USA befestigten auf Laternenmasten vor dem Olympiastadion ("Vogelnest") zwei Transparente. Darauf forderten sie die Freiheit Tibets, das 1950 von China besetzt wurde. Die Demonstranten wurden von der Polizei abgeführt, wie die Gruppe "Students for a Free Tibet" mitteilte. Ein Sprecher des Organisationskomitees in Peking kritisierte die Aktion, die den Olympischen Fackellauf durch Peking überschattete.

"Wir hoffen, dass Ausländer die entsprechenden chinesischen Gesetze und Bestimmungen respektieren", sagte Komitee-Sprecher Sun Weide. Die Demonstranten seien nicht festgenommen worden, betonte er. Für die New Yorker Zentrale war die Gruppe aber nach der Aktion nicht mehr erreichbar, auch die US-Botschaft hatte keine Informationen zu ihrem Aufenthaltsort.

Nicht erste Protestaktion in Peking
Laut dem Pekinger Olympiakomitee wurde die Polizei erst durch einen Anruf auf die Aktion an einer belebten Straßenkreuzung aufmerksam, die von Dutzenden neugierigen Pekingern verfolgt wurde. Bereits Tage zuvor hatte es im Zentrum Pekings eine Protestaktion gegeben, bei der Bewohner vor ausländischen Medienvertretern gegen eine zu geringe Entschädigung für den Abriss ihrer Häuser protestierten. In der nordwestchinesischen Region Xinjiang töteten mutmaßliche uigurische Rebellen 16 Grenzpolizisten.

Die Sprecherin des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Emmanuelle Moreau, sagte, die Organisatoren müssten damit rechnen, dass Menschen die Plattform der Olympischen Spiele dazu nutzten, um auf ihre Anliegen aufmerksam zu machen. Das IOC sei zuversichtlich, dass Peking darauf vernünftig und mit Verständnis reagiere. Nach Auffassung der Pekinger Regierung ist Tibet seit Jahrhunderten ein Teil Chinas. Der Protest gegen die chinesische Herrschaft in der Bergregion schlug im März in Gewalt um.

Journalisten verprügelt
Unterdessen reißen die Berichte über Angriffe auf Medienvertreter in China nicht ab. Zwei japanische Journalisten seien in der nordwestchinesischen Region Xinjiang von der chinesischen Polizei verhaftet und misshandelt worden, teilte die Medienfreiheitsorganisation "Reporter ohne Grenzen" mit. Der Vorfall ereignete sich in der Stadt Kashgar, wo mutmaßliche uigurische Rebellen 16 Polizisten getötet hatten.

Der Dalai Lama wünschte den Spielen einen erfolgreichen Ablauf. "Dies ist ein Moment großen Stolzes für die 1,3 Milliarden Chinesen. Diese Spiele sollen dazu beitragen, den Olympischen Geist von Freundschaft, Offenheit und Frieden zu verbreiten", sagte das tibetische Exil-Oberhaupt.

US-Präsident George W. Bush zeigte sich "tief besorgt" über die Lage der Menschenrechte in China. Laut dem Manuskript einer Rede, die er am Donnerstag in Thailand halten wollte, rief er Peking zu einem Stopp der Verhaftungen von Regierungskritikern auf. Bush nimmt am Freitag an der Olympia-Eröffnungsfeier in Peking teil. Österreich wird dort von Verteidigungsminister Norbert Darabos und Sport-Staatssekretär Reinhold Lopatka vertreten. Sie wiesen einen Aufruf der Grünen zurück, auf die Teilnahme zu verzichten und so ein "klares Zeichen der Missbilligung der derzeitigen chinesischen Menschenrechtspolitik" zu setzen. Darabos sagte der APA, die Entscheidung sei "nicht ganz einfach" gewesen, er stehe aber dazu, aus Respekt gegenüber den Sportlern. "Ich wehre mich dagegen, dass Österreich hier in Peking politisch nicht vertreten sein wird", sagte auch Lopatka.

(apa/red)

6.8.2008 15:35
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