Nach dramatischem Anschlag in China: Regierung garantiert dennoch sichere Spiele
- 16 Polizisten bei Angriff auf Grenzwache getötet
- Terror-Alarm: IOC spricht China Vertrauen aus

China ist nach dem schweren Anschlag im Westen des Landes bemüht, Ängste vor einem möglichen Attentat während der Olympischen Spiele zu vertreiben. Peking sei in der Lage, "sichere und friedliche Spiele zu organisieren", sagte der Sprecher des chinesischen Olympia-Organisationskomitees. Bei dem Attentat in der Provinz Xinjiang waren 16 Polizisten getötet und 16 weitere verletzt worden.
Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat der Regierung in Peking aber sein Vertrauen ausgesprochen. "Was die Olympischen Spiele angeht, vertrauen wir darauf, dass die Behörden alles Menschenmögliche tun werden, um die Sicherheit aller Anwesenden zu gewährleisten", sagte IOC-Sprecherin Giselle Davies.
Zu dem Angriff auf Polizisten in der uigurischen autonomen Region Xinjiang wollte sie keine Stellungnahme abgeben. Am Freitag beginnen in Peking die Olympischen Spiele. Die chinesische Regierung hatte im Vorfeld des sportlichen Großereignisses wiederholt vor terroristischen Anschlägen gewarnt und die Sicherheitsvorkehrungen erhöht.
Der Anschlag von "Aufrührern" passierte vor dem Yijin-Hotel in Kashgar unweit der Baracken der Grenztruppen. 14 Polizisten sind sofort tot gewesen, zwei auf dem Weg ins Krankenhaus gestorben. Es wurden Reste von fünf Sprengsätzen gefunden, berichtete die Staatsagentur Xinhua. Ihr Reporter habe Blutflecken auf dem Fußweg gefunden, nachdem der Tatort von der Polizei geräumt worden sei.
Wiederholte Warnungen vor Anschlägen
Chinas Sicherheitsbehörden haben wiederholt vor Anschlägen uigurischer Separatisten auf die Olympischen Spiele gewarnt. Viele Uiguren, die zu den Turkvölkern gehören, wehren sich gegen die chinesische Fremdherrschaft und beklagen kulturelle und politische Unterdrückung. Einige streben die Wiederherstellung ihrer früheren Republik Ostturkestan an, die 1949 der von den Kommunisten errichteten Volksrepublik China einverleibt worden war. Seit Anfang der 1990er-Jahre kam es immer wieder zu blutigen Unruhen, zahlreiche "Konterrevolutionäre" wurden hingerichtet, Hunderte von Moscheen und Koranschulen geschlossen. Gegen pro-chinesische uigurische Funktionäre wurden Attentate verübt, so fiel der regimegenehme Imam der Großen Moschee von Kashgar einem Mordanschlag zum Opfer.
Nach dem Anschlag hob der Sprecher des Pekinger Olympia-Organisationskomitees (BOCOG), Sun Weide, hervor, dass China in der Lage sei, "sichere und friedliche Spiele zu organisieren". Das IOC hat der Regierung in Peking sein Vertrauen ausgesprochen. Vor einer Woche war ein Internetvideo mit einem Terroraufruf einer angeblichen uigurischen "Turkestanischen Islamische Partei" aufgetaucht, das ausländische Experten und die chinesische Polizei als fragwürdig eingestuft hatten. Der Gruppe werden Verbindungen zur "Ostturkestanischen Islamischen Bewegung" (ETIM) nachgesagt, die jetzt hinter dem Anschlag in Kashgar vermutet wird. Nach Angaben von Experten benutzen chinesische Behörden die Bezeichnung ETIM aber im weiteren Sinne für alle uigurischen Unabhängigkeitsgruppen, die als Gefahr betrachtet werden. Als einzige uigurische Gruppe war die ETIM auch von den USA als terroristisch eingestuft worden. Nach Angaben von Experten ist aber fraglich, ob sie heute noch existiert.
Exiluigurische Gruppen haben nach eigenen Angaben keine Hinweise auf die Hintermänner des Anschlags in Kashgar. Der Sprecher des in München ansässigen "Uigurischen Weltkongresses", Dilxat Raxit, sagte telefonisch, es gebe keine Verbindungen zur ETIM. Er machte die repressive chinesische Politik in Xinjiang verantwortlich für die wachsenden Konflikte in der Region. "Viele Uiguren halten Chinas Unterdrückung nicht mehr aus." Rebiya Kadeer, die Präsidentin des "Uigurischen Weltkongresses", war vergangene Woche zusammen mit bekannten chinesischen Regimekritikern wie Wei Jingsheng von US-Präsident George W. Bush im Weißen Haus empfangen worden. Sie hatte von Erschießungen und Massenfestnahmen in Xinjiang berichtet und kulturelle und religiöse Unterdrückung durch die Machthaber in Peking angeprangert.
(apa/red)