Finanzkrise bedroht Spaniens Spitzensport:
Probleme der Baubranche infizieren Fußball
- Immobilienfirmen seit Jahren wichtige Club-Sponsoren
- Neben Fußball auch Basketball & Rallyesport betroffen
Spaniens Sport fällt der Ziegel auf den Kopf. Die Top-Leistungen dieses Jahres mit dem Gewinn des EM-Titels im Fußball, Rafael Nadals bevorstehendem Aufstieg zur Nummer eins der Tennis-Welt sowie Carlos Sastres Sieg bei der Tour de France werden von großen Finanzproblemen zahlreicher Sportvereine überschattet. Die in den vergangenen Monaten immer größer gewordene Krise in Spaniens Bausektor trifft nun auch den Spitzensport. Besonders betroffen sind der Fußball und Basketball.
Seit drei Jahrzehnten begleitet der Immobiliensektor als Sponsor Clubs der spanischen Fußball-Liga. Wegen seines hohen Stellenwerts in der Gesellschaft bot Spaniens Volkssport Nr. 1 die ideale Bühne, um von der grauen Anonymität des Unternehmers zu landesweiter Bekanntheit als Vereinspräsident zu gelangen. Josep Lluis Nunez (FC Barcelona), Florentino Perez (Real Madrid) und der 2004 verstorbene Jesus Gil y Gil (Atletico Madrid) bildeten die erste Generation der Baulöwen im Profifußball. Dank ständiger Medienpräsenz wurden sie schnell zu einem Bestandteil der High Society.
Mit der Zeit bekamen auch kleinere Clubs ihren Teil vom Kuchen ab. Und es sind vor allem diese Vereine, die nun vor großen finanziellen Problemen stehen. Im Gegensatz zu früher steckt die Bauwirtschaft in Spanien in der Krise und als Konsequenz wird beim Sponsoring gespart. Aktuelles Beispiel ist Deportivo La Coruna, Spaniens Meister von 2000. Der Vertrag mit dem langjährigen Hauptsponsor Martinsa-Fadesa wurde vom Baukonzern nicht verlängert. Das Unternehmen musste wegen 5,2 Milliarden Euro Schulden Mitte Juli Insolvenz anmelden.
Valencia versinkt im Schuldenberg
Auch Valencia ist betroffen. Ex-Clubchef Juan Soler verstrickte den Club in Spekulationsgeschäfte und ließ einen Schuldenberg zurück. Nach den gescheiterten Verhandlungen um den Verkauf seiner Mehrheitsanteile am Club an den früheren Telefonica-Chef Juan Villalonga übernahm der bisherige "Vize" Vicente Soriano das Ruder. Doch der Verkauf des Stadiongeländes liegt seit Monaten auf Eis, der geplante Neubau steht still. Um den Finanzproblemen Herr zu werden, steht der Verkauf der EM-Stars David Villa und David Silva im Raum. Dagegen sträuben sich jedoch die Fans.
Die Krise trifft auch andere Sportarten. Rallye-Pilot Daniel Sordo wird durch den Konkurs der Immobiliengruppe Labaro den Großteil an Sponsoren-Geldern einbüßen. Der Konzern unterstützte zudem die Fußball-Nationalelf und den Basketball-Club MMT Estudiantes Madrid. Auch der von der Immobiliengruppe Akasvayu gesponserte Basketball-Erstligist Akasvayu Girona zittert aufgrund von 28 Mio. Euro Schulden um den Liga-Verbleib. Akasvayu plant den Rückzug. "Früher konnte das Unternehmen sich diese Investition leisten. Nun sehen wir aber, dass wir Geld ausgeben, das wir anderswo dringend brauchen", sagte ein Firmensprecher.
(apa/red)

