Mittwoch, 6. August 2008

Olympique Lyon greift nach dem 8. Titel:
Ligue-Favorit investierte 60 Mio. € in Spieler

  • Liga-Krösus holt Ederson und Kameruner Makoun
  • Supercup ging erstmals seit sechs Jahren verloren

In Frankreich, im Land von Österreichs erstem Gegner in der WM-Qualifikation (6.9. in Wien) erfolgt bereits am Samstag der Anpfiff zur neuen Fußball-Meisterschaft. Der Favorit ist ein alter geblieben und heißt wieder Olympique Lyon. Die Ostfranzosen haben heuer mit dem siebenten Titel in Serie einen Rekord in der Ligue 1 aufgestellt und dazu erstmals in ihrer Vereinsgeschichte durch ein 1:0 n.V. gegen Paris St. Germain im Cup-Finale auch das Double geschafft.

Um den achten Streich zu landen hat der Verein aus der drittgrößten Stadt - mit rund 470.000 Einwohnern hinter Paris und Marseille - des Landes etwa 60 Mio. Euro in ein halbes Dutzend neue Spieler gesteckt. Fast die Hälfte der Summe investierten die Lyonnais, die als einziger Club der 20er-Liga über ein dreistelliges Millionen-Budget (145) verfügen, in den Brasilianer Honorato Ederson (15 Mio. Euro/OGC Nizza) und den Kameruner Jean Makoun (14 Mio./OSC Lille).

Für den zu Atletico Madrid transferierten EM-Torhüter Gregory Coupet hat der Titelverteidiger Hugo Lloris (8,5 Mio./OGC Nizza) verpflichtet und vorne Star Karim Benzema mit Frederic Piquionne (6,7 Mio./AS Monaco) zusammengespannt. Dazu holte der vierfache Cupsieger noch den Tschechen Milan Baros und den Brasilianer Fabio, die von Portsmouth bzw. dem FC Sao Paolo zurückgeholt wurden sowie den Luxemburger Miralem Pjanic (7,5 Mio./FC Metz) als Spielmacher.

Neuer "Dirigent" Claude Puel
Das neue Ensemble wird auch von einem neuen "Dirigenten" geführt. Claude Puel, zuletzt in Lille tägig, trat die Nachfolge von Meistertrainer Alain Perrin an, der mit seiner provokativen Art einige Führungsspieler verärgert hatte. Dass der achte Titel in Serie kein Spaziergang wird, das bekam Lyon schon im Supercup zu spüren. Nachdem OL diese Trophäe zuletzt auch sechsmal in Folge gewonnen hatte, musste diese zur Saisoneröffnung an Girondins Bordeaux abgegeben werden.

Der Vizemeister gewann das Supercup-Spiel im eigenen Stadion am vergangenen Samstag nach torlosen 120 Minuten 5:4 im Elferschießen. Die Südfranzosen (Budget 80 Mio.), die sich zuletzt 1999 als Meister hatten feiern lassen und heuer nur vier Punkte hinter OL gelandet waren, griffen weniger tief in die Vereinskasse. Trainer Laurent Blanc bekam mit Yoan Gouffran (6,5 Mio./SM Caen), Yoann Gourcuff (Leihgabe vom AC Milan) und Paul Baysse (zurück von SD Sedan) nur drei Neue.

Marseille hoch eingeschätzt
Höher eingeschätzt als Bordeaux wird Olympique Marseille (Budget 90 Mio.). Die Weißblauen haben sich unter Eric Gerets, der nach schwachem Start Albert Emon beerbt hatte und noch Rang drei herausholte, konsolidiert und zu alter Stärke gefunden. Die fast 17 Mio. Euro, die OM für den an Arsenal verkauften Regisseur Samir Nasri kassierte, wurde großteils (12 Mio.) für den Kauf des 21-jährigen, technisch hochbegabten Hatem Ben Arfa von Titelfavorit OL verwendet.

Paris St. Germain sucht Weg aus der Krise
Für die weiteren Startplätze im UEFA-Cup werden AS St. Etienne (Budget 60 Mio.) und FC St. Rennes (42 Mio.) als Anwärter gehandelt. Paris St. Germain, voriger Saison nur knapp dem Abstieg entronnen und aus finanzieller Sicht die Nummer vier (70 Mio.), hofft unter Trainer Paul Le Guen mit der Verpflichtung des 35-jährigen Routiniers Claude Makelele (von Chelsea) an bessere Fußball-Zeiten anschließen zu können.

Nach zwei sehr enttäuschenden Saisonen hat Charles Villeneuve das Präsidentenamt der Hauptstädter übernommen. Der ehemalige Sportchef von Frankreichs größtem TV-Sender TF1, der u.a. alle Partien der Nationalmannschaft überträgt, nutzte seine guten Beziehungen zu (ehemaligen) heimischen Internationalen und machte auch Ludovic Giuly (2,5 Mio./AS Roma) die Rückkehr in die Heimat schmackhaft.

Mit dem slowakischen Stürmer Filip Sebo (AFC Valenciennes/Budget 30 Mio. Euro) und dem nigerianischen Verteidiger Rabiu Afolabi (FC Sochaux/45 Mio.) sind auch zwei frühere Austrainer in der Ligue 1 engagiert. Erstmals nach 2003 ist mit AC Le Havre (25 Mio.) der älteste Fußball-Verein im Land des Vize-Weltmeisters wieder erstklassig. Während der FC Nantes (45 Mio.) nach einjähriger Abwesenheit wieder im Oberhaus mitspielt, ist der FC Grenoble (25 Mio.) erstmals nach 45 Jahren wieder im Oberhaus vertreten.
(apa/red)

6.8.2008 12:14