Dienstag, 12. August 2008

Austria dreht Partie vs. Salzburg völlig um:
Nach 0:2-Rückstand gelingt noch 3:2-Sieg

  • Daxbacher: "War Produkt von Moral, Glück, Können"
  • Bullen-Coach: "Haben sehr, sehr attraktiv gespielt"

Das Wiener Horr-Stadion hat einen seiner spannendsten und verrücktesten Fußball-Abende seit langem erlebt. Die Austria verwandelte vor den Augen von ÖFB-Teamchef Karel Brückner innerhalb von 32 Minuten ein 0:2 in ein 3:2 - und das gegen Red Bull Salzburg, den bis dahin ungeschlagenen, großen Titelfavoriten der tipp3-Bundesliga. "Das war das Produkt von Moral, Glück und Können", meinte Austria-Trainer Karl Daxbacher nach dem violetten Husarenstück zum Abschluss der 6. Runde.

"Es muss schon sehr viel zusammenpassen, dass so ein Spiel zustande kommt, dieser Sieg war sicherlich auch ein bisschen historisch", erklärte Daxbacher. "Wir haben das höchst mögliche Risiko genommen. Und es ist aufgegangen", meinte das 55-jährige Urgestein, dessen Mannschaft nach dem 0:2 nur mehr eine Richtung gekannt hatte, nämlich jene nach vorne. "Wir haben hopp oder drop gespielt und jegliches taktisches Denken über Bord geworfen", so Daxbacher, der aber auch gestand: "Das hätte genauso gut nach hinten losgehen können, wir hätten auch in eine empfindliche Niederlage laufen können."

Nach Bazina-Freistoßtor kam die Wende
Wahrlich kam an diesem Sommer-Abend einiges zusammen. Zunächst gab's das 1:0 für die Gäste durch Anis Boussaidi mit einem Sonntagsschuss nach nur 57 Sekunden aus mehr als 30 Metern. Dann fiel die vermeintliche Vorentscheidung durch das 2:0 von Marc Janko (56.). Und schließlich passierte die große Wende: 1:2 durch einen Freistoß von Mario Bazina (62., Daxbacher: "Das war die Initialzündung"), 2:2 durch den eingewechselten Rubin Rafael Okotie (70.) und 3:2 durch Mamadou Diabang (94.).

Neo-Stürmer Diabang, der erstmals für die Veilchen getroffen hatte, war nach dem Siegestor, das das Horr-Stadion in ein violettes Tollhaus verwandelte, außer sich vor Glück: "Das ist ein Wahnsinn. Ich habe so etwas noch nicht erlebt. Wir haben bis zum Ende gekämpft und nie aufgegeben." Dank des Senegalesen rückte die Austria auf den dritten Tabellenplatz vor, während der Vizemeister auf den fünften Rang zurückfiel.

Adriaanse kann mit Niederlage gut leben
Für Adriaanse war das 2:3 eine Niederlage, mit der der Salzburger Feldherr offensichtlich ganz gut leben konnte. "Wir haben wieder eine Show gezeigt und unser Versprechen gehalten, dass wir auch auswärts attraktiv spielen wollen. Wir haben zwei Tore erzielt, viele Chancen herausgespielt und zahlreiche schöne Sachen gezeigt. Ich bin sehr zufrieden, wir haben sehr, sehr attraktiv gespielt und waren die bessere Mannschaft", bilanzierte der Niederländer.

Dass seiner Truppe nach wie vor eine Auswärtsschwäche unterstellt wird, geht Adriaanse mittlerweile ordentlich auf die Nerven. "Es gibt keine Auswärtsschwäche. Jeder, der etwas von Fußball versteht, hat gesehen, dass Salzburg eine gute Fußballmannschaft hat. Wir waren offensiv und aggressiv."

"Schiedsrichter nicht Ursache für Niederlage"
Die Kritikpunkte stellte der Offensiv-Fanatiker hinten an, angesprochen wurden sie aber dann doch noch. "Wenn man 2:0 führt, muss man in der Lage sein, das Spiel unter Kontrolle zu halten. Wir hatten dann Probleme mit hohen Bällen", wusste Adriaanse, der vor allem das Fehlen von Abwehrchef Ibrahim Sekagya beim entscheidenden 2:3 (per Kopf) ansprach. Dass die von Schiri Manfred Krassnitzer gezückte Gelb-Rote gegen Sekagya (85.) zumindest fragwürdig war, nahm Adriaanse locker: "Der Schiedsrichter war gut, er war nicht die Ursache für unsere Niederlage."

Schwache Chancenauswertung der Salzburger
Viel mehr ärgerte ihn die schwache Chancenauswertung seiner Kicker. Vor allem die dicke Möglichkeit von Sasa Ilic beim Stand von 2:2 (Franz Schiemer rettete kurz vor der Linie) lag ihm im Magen. "Ein Spieler seiner Klasse muss die Ruhe haben, in dieser Situation das 3:2 zu machen", so Adriaanse in Richtung des Serben.

Bei Ilic und Co. herrschte nach Schlusspfiff Ratlosigkeit und Ernüchterung pur vor. "Wir hatten den heiß ersehnten Auswärtssieg vor Augen. Eine Mannschaft unserer Klasse muss clever genug sein, ein 2:0 heimzuspielen", meinte Ernst Öbster. Und Janko, Schütze des 2:0 und Vernebler zahlreicher Hochkaräter, fügte hinzu: "So etwas darf nicht vorkommen. Dass dieses Spiel noch gekippt ist, ist völlig unverständlich."


FK Austria Wien - Red Bull Salzburg Endstand 3:2 (0:1)
Wien, Franz-Horr-Stadion, 8.334 Zuschauer, SR Krassnitzer

Torfolge:
0:1 ( 1.) Boussaidi
0:2 (56.) Janko
1:2 (62.) Bazina (Freistoß)
2:2 (70.) Okotie
3:2 (94.) Diabang

Austria: Almer - Standfest, Bak, Schiemer, Majstorovic - Krammer
(55. Okotie), Hattenberger, Sun (55. Sulimani) - Bazina, Acimovic - Diabang

Salzburg: Ochs - Boussaidi, Sekagya, Opdam, Gercaliu (33. Bodnar) - Tchoyi, Öbster - Vonlanthen (66. Ngwat-Mahop), Ilic, Jezek (60. Traoui) - Janko

Gelb-Rote Karte: Sekagya (85./wiederholtes Foulspiel)
Gelbe Karten: Okotie, Acimovic, Schiemer bzw. Öbster, Boussaidi

(apa/red)

CASHPOINT - Wollen wir wetten?

Click!

12.8.2008 15:13