Rapids Fitness wurde mühselig erarbeitet:
Physis-Coach Canestrini macht Kickern Beine
- Tiroler sorgt seit 2006 für die Fitness seiner Mannen
- Folgen der EURO bei Teamspielern bis heute spürbar

·Kapfenberg für Rapid
nur ein Aufbaugegner
Kapfenberg bleibt in der
obersten Liga ohne Sieg
Das Leben als Fitness-Trainer beim österreichischen Fußball-Meister SK Rapid kann ziemlich anstrengend sein. Tagwache um 6.00 Uhr, ab 8.30 erste Einheiten mit einzelnen Spielern, anschließend Leitung des Trainings für knapp 45 Minuten, danach Übungen mit verletzten Spielern und schließlich noch einmal Individual-Training mit ausgewählten Kickern, ehe daheim schon wieder der genaue Ablauf des kommenden Tages geplant wird. Christian Canestrini hat dennoch keinen Grund zur Klage. "Das sind alles super Burschen. Ich war noch nie bei einer Mannschaft, die meine Arbeit so gut angenommen hat."
Der Tiroler kam im September 2006 gemeinsam mit Peter Pacult nach Wien-Hütteldorf und kümmert sich seither um die Physis der Rapidler - und das mit bemerkenswertem Erfolg. Dass der Rekordmeister seinen 32. Titel im vergangenen Frühjahr auch aufgrund zahlreicher Tore in der "Rapid-Viertelstunde" fixierte, lag nicht nur am Mythos der grün-weißen Stärke in den letzten 15 Minuten. Steffen Hofmann und Co. befanden sich vor allem im Frühjahr in körperlicher Top-Verfassung, was auch die leistungsdiagnostischen ÖFB-Tests an den in den EURO-Großkader einberufenen Meisterkickern weitgehend bestätigten.
Die These, dass Rapid die fitteste Mannschaft der Liga ist, wollte Canestrini nicht kommentieren. "Ich werde das nie beurteilen, das sollen andere machen." Mit Stolz erfüllt den 46-Jährigen aber ein Blick auf die Hütteldorfer Verletztenliste. Auf der stehen praktisch seit einem Jahr keine Spieler mit Muskelblessuren, während etwa allein in dieser Saison schon einige Salzburger mit Zerrungen zu kämpfen hatten oder noch immer haben.
Katzer im Eiltempo wieder fit gemacht
Die einzige langwierige Verletzung war ein Kreuzbandriss von Markus Katzer, der aber von Canestrini und seinen Mitarbeitern in rund drei statt normalerweise bei dieser Diagnose üblich in sechs Monaten fit gemacht wurde. Ansonsten müssen sich der Tiroler und die medizinische Abteilung fast nur mit den Folgen von aus Zweikämpfen resultierenden Verletzungen beschäftigen.
Der Fitness-Coach arbeitet mit den Spielern sowohl im statischen Bereich als auch an der Beweglichkeit und legt besonderes Augenmerk auf die Rumpfmuskulatur. "Ich versuche ständig, neue Übungen zu entwickeln und probiere sie dann auch gleich aus", erzählte Canestrini, der bei einer Körpergröße von 1,86 m, 85 Kilo wiegt. Erfolgsgeheimnis habe er keines. "Ich koche auch nur mit Wasser, aber ich bin in meinem Beruf euphorisch und enthusiastisch."
Pacults Vertrauen gerechtfertigt
Massiv erleichtert wird dem Tiroler die Freude am Job nach eigenen Angaben durch die volle Unterstützung von Pacult. "Er hat schon immer großes Vertrauen in mich gehabt. Ich habe bei ihm alle Freiheiten und es ist sehr schön, unter ihm zu arbeiten", erklärte Canestrini, der mit dem Wiener in dessen Zeit als Spieler beim FC Tirol erstmals Bekanntschaft machte. Danach kreuzten sich bei 1860 München wieder die Wege, und als Pacult als Cheftrainer der "Löwen" gehen musste, folgte ihm der Tiroler auf all seinen weiteren Stationen, zuerst zum FC Kärnten, dann zu Dynamo Dresden und schließlich in den Westen Wiens.
Gemeinsam mit Pacult entwickelte Canestrini jenen Vorbereitungsplan auf die Saison 2008/09, der unter anderem vorsah, nach dem Ende des vergangenen Spieljahres noch einige Tage weiterzutrainieren. Dies hatte zur Folge, dass die damals sieben in den EURO-Großkader geholten Rapidler um rund eine Woche Urlaub vor Beginn der EM-Vorbereitung umfielen, was innerhalb des ÖFB für Unverständnis sorgte. "Das war die Entscheidung des Trainerstabes, und die war gut so", sagte Canestrini.
EM-Folgen lange spürbar
Auch die Verschärfung der Trainings-Intensität kurz vor Meisterschaftsbeginn rechtfertigt der Fitness-Trainer. "Die Vorbereitung ist uns sicher noch nachgehangen. Wir haben noch einmal verstärkt im Ausdauer- und Kraft-Bereich gearbeitet, damit wir hinten hinaus im Herbst mehr Luft haben. Das war aber sicher nicht der Grund für das 0:3 auf Zypern, das war einfach ein schwarzer Tag." Rückblickend würde Canestrini die Sommer-Vorbereitung "auf keinen Fall anders machen. Man muss immer von seiner Arbeit überzeugt sein".
Immerhin sei es mittlerweile gelungen, auch jene Spieler physisch auf Vordermann zu bringen, die wegen ihrer EM-Teilnahme erst mit deutlicher Verspätung ins Mannschaftstraining stießen. "Schön langsam hat sich alles angepasst", betonte der Tiroler, der vor der schwierigen Situation stand, dass die Kicker in verschiedenen Etappen vom Urlaub retour kamen. "Aber ich will nicht jammern, sondern das Beste daraus machen."
(apa/red)
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